KURZ NOTIERT5. Mai. 2016

500-Euro-Scheine: Produktion wird Ende 2018 eingestellt – BVR widerspricht – 10 Fakten zum Abschied

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Kryptowährungen & Off-Shore-Konten werden dem­nächst wohl noch beliebter bei Kriminellen. Ransom­ware wurde ja auch immer mit 500-Euro-Scheinen bezahlt. Nicht.underworld1/bigstock.com

Der Rat der EZB habe eine Überprüfung der Stück­el­ungs­struktur der Europa-Serie ab­ge­schlos­sen. So wurde (wie in den Medien berichtet) beschlossen, die Herstellung der 500-€-Banknote dauerhaft einzustellen und sie nicht in die Europa-Serie aufzunehmen.

Damit habe der EZB-Rat Bedenken Rechnung getragen, dass diese Banknote illegalen Ak­ti­vi­täten Vorschub leisten könnte. Die Ausgabe des 500-€-Scheins wird gegen Ende des Jahres 2018 mit der geplanten Einführung der 100-€- und 200-€-Banknoten der Europa-Serie eingestellt.

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Die anderen Stückelungen – von 5 € bis 200 € – werden beibehalten. Die Europa-Serie ist die zweite Serie von Euro-Banknoten. Sie wird schrittweise eingeführt. Im Jahr 2013 wurde die neue 5-€-Banknote erstmals in Umlauf gebracht, in den Jahren 2014 und 2015 folgten die neue 10-€- bzw. die neue 20-€-Banknote.

Euro-Scheine bei Kriminellen sehr beliebt

Die EZB begründet den Schritt mit der internationalen Bedeutung des Euro und des großen Vertrauens in die Banknoten des Währungsraums. Der 500-€-Schein bliebe aber gesetzliches Zahlungsmittel und könne weiter als Zahlungsmittel und Wertspeicher verwendet werden. Er könne unbefristet bei den nationalen Zentralbanken des Eurosystems umgetauscht werden.

Das Eurosystem, das die EZB und die nationalen Zentralbanken des Euro-Währungsgebiets umfasst, wird Maßnahmen ergreifen, damit die verbleibenden Stückelungen in ausreichender Menge verfügbar sind. Das wird aber nach Expertenmeinungen mindestens eine halbe Milliarde Euro zusätzlich kosten.

Stimmen gegen die Abschaffung

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Uwe Fröhlich, Präsident des BVRBVR

Allerdings ist die Abschaffung nicht unumstritten. Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) begründet den Widerspruch des BVR so: „Mit ihrer Entscheidung, den 500-Euro-Schein abzuschaffen, greift die Europäische Zentralbank (EZB) in die Flexibilität des Bargeldbezahlens ein. Dieses Vorgehen ist gerade in Zeiten, die durch zunehmendes Unverständnis der Bevölkerung gegenüber der europäischen Geldpolitik geprägt sind und Europa vor großen zu bewältigenden Aufgaben steht, sachlich nicht nachvollziehbar und ungeschickt. Außerdem macht die EZB so weitere Schritte der Bargeldbegrenzung salonfähig.“

Beschränkungen der Bargeldverwendung sind ein erheblicher Eingriff in die Freiheitsrechte der Bürger, verhindern aber illegale Transaktionen sowie die Steuervermeidung kaum.“

Fröhlich weiter: „Die durch die Bargeldumstellung nun entstehenden Kosten dürften zudem den Gewinn der Notenbank schmälern, sodass letztlich auch dem Bundeshaushalt weniger Mittel zufließen und damit auch die Steuerzahler indirekt belastet werden.“

Auch Jens Weidmann (Bundesbank-Präsident) äußert deutliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit: „Es sind Zweifel angebracht, ob Terroristen und Kriminelle an illegalen Handlungen gehindert werden, weil es eine Obergrenze gibt oder die großen Stückelungen abgeschafft werden.“

10 Fakten zum Abschied

Dass diese großen Scheine oft im Zusammenhang mit Geldwäsche oder Schwarzgeld benutzt wurden, sei laut Ebury keine Unterstellung. Die Erfahrungen in anderen Ländern wie den USA oder China, die nicht zuletzt aus diesen Gründen keine derartig großen Scheine kennen, hätten gezeigt, dass der Wirtschaftskreislauf auch ohne sie reibungslos gewährleistet werden könne. Zum Abschied des 500-Euro-Scheins hat Ebury 10 Fakten zu dem lilafarbenen Schein gesammelt.

1. Ende des Jahres 2015 waren genau 613.559.542 500-Euro-Scheine im Umlauf. Dies entspricht einem Wert von 306.779.771.000 Euro. Laut EZB ist somit nur der 200-Euro-Schein noch seltener im Umlauf.
2. Im März 2016 waren es nur noch 594.417.006 Scheine, fast 20 Millionen Scheine wurden bereits still und heimlich von der Zentralbank eingezogen.
3. In Spanien wird der 500er “Bin Laden” genannt: Alle wissen, dass der Schein existiert – aber fast niemand hat ihn je gesehen.
4. Der Hauptgrund für die Abschaffung des Scheins sind seine Nutzer. Besonders bei Geldwäsche oder im Drogenhandel ist der Fünfhunderter beliebt, denn es sind keine riesigen Geldkoffer von Nöten, um Gelder zu transferieren. Viele Geschäfte akzeptieren ihn nicht einmal.
5. Die Produktion eines Scheins mit dem Wert von 500 Euro kostet acht Cent.
6. Im Jahr 2002 wurde der Euro in Bargeldumlauf gebracht, seit 2013 werden nach und nach die Scheine durch neue, fälschungssichere Banknoten ersetzt. 50, 100, 200 und 500 sind von dieser Neuerung bis jetzt ausgenommen. Bei Letzterem erübrigt sich nun der Aufwand.
7. Im April 2010 stoppten englische Wechselstuben die Ausgabe von 500-Euro-Scheinen. 90 % aller 500er-Noten in England sollen sich im Besitz der organisierten Kriminalität befinden.
8. Die meisten 500-Euro-Scheine befinden sich in Spanien. Angeblich ein Viertel der Scheine im Umlauf soll in dem südeuropäischen Land zirkulieren – und das obwohl Spanien nur 9,264 % des BIP der Euro-Zone verantwortet.
9. Mit den Maßen 160 x 82 Millimeter ist er der größte Schein. Genau wie auf den anderen Euro-Noten ist auf ihm ein Architekturstil abgebildet und u.a. mit den Sicherheitsmerkmalen Wasserzeichen, Hologramm und Stichtiefdruck ausgestattet. Ein Schein wiegt 1,12 Gramm – würde man einen Koffer mit tausend Scheinen im Wert von einer halben Million Euro mit sich herumtragen, würde der Inhalt gerade mal etwas mehr als ein Kilo wiegen.
10. Im günstigsten Fall wird die Abschaffung des Scheins rund eine halbe Milliarde Euro kosten. Den Hauptteil wird die Produktion neuer, kleinerer Scheine wie Hunderter und Zweihunderter ausmachen, um den Wert der Fünfhunderter zu decken.

 

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