STRATEGIE7. Dez. 2015

Andreas Wodtke, IBM VP Banking: „Banken sollen endlich ihre Daten zum Nutzen ihrer Kunden einsetzen“

Andreas WodtkeIBM
Andreas WodtkeIBM

Mindestens einmal im Jahr sprechen wir mit den wichtigsten Managern der IT-Szene der Finanzwirtschaft – diesmal Andreas Wodtke, Vice President Financial Services Sector DACH der IBM. Vor etwas über einem Jahr erstarrten die Branche vor dem Einstieg von Apple mit ApplePay – heute haben sich die Prioritäten verschoben. Das Interview.

Apple und Google kommen offenbar langsamer voran, als wir das alle vor einem Jahr erwartet hätten. Damals sagten Sie unter dem Eindruck des Apple Pay-Starts, das Payment nur noch Commodity für Banken sei. Hat sich da das Blatt gewendet? Haben Banken doch noch eine Chance mit Payment Geld zu verdienen?

Entscheidend ist die Wahrnehmung des Kunden. Leider werden überwiegend komplexe Dienste wie Strom aus der Steckdose oder Zahlungsverkehr vom Kunden als Commodity eingestuft. Differenzierung erfolgt nur über sogenannte Add-on-Dienste, die um den Zahlungsverkehr ranken.

Wie steht IBM zu FinTechs? Sind Sie Chance oder Risiko für Banken?

Fintechs sind extrem kreativ, wenn es um die Ablösung vorhandener Geschäftsmodelle geht, indem sie neue, erweiterte Angebote zu interessanten Konditionen anbieten. Sie sind aber keine Universalbanken. Insofern liegen Chance und Risiko für Banken in der kreativen Einbindung der Fintechs in ihr Ökosystem, um die eigene Aufgabe gegenüber den Kunden zu stärken.

Und wie sieht IBM die Zukunft der Banken?

Hinweise dazu finden Sie in den aktuellen Studien, die wir in Kooperation mit Fraunhofer IAO sowie über das IBM Institute for Business Value kürzlich veröffentlicht haben. Eine Zukunft liegt für viele Banken darin, endlich ihre umfangreichen Daten zum Nutzen ihrer Kunden einzusetzen. Damit entwickeln sich Banken zum vertrauensvollen Berater / Partner für Ihre Kunden. Vertrauen, Kreativität und Sicherheit der Daten sind die Grundlage für eine langjährige Zusammenarbeit zwischen Kunden und Bank.

Was bremst Banken und Banker sich der Innovation zu öffnen und Vorreiter in der Digitalisierung zu sein?

Projekte werden vielerorts nur noch angegangen, wenn sie in relativ kurzer Zeit zu Kosteneinsparungen führen. Ich halte dies für einen Fehler. Erfolgreiche Banken nutzen die Digitalisierung, um durch Verbindung Verbundenheit zu Ihren Kunden zu erzeugen. Digitalisierung ist nicht das Endziel. Digitalisierung ist die Basis für eine komplett neue Geschäfts-Ära.

Und wie möchte IBM den Banken dabei helfen, aus dem Innovationsstau heraus zu kommen?

Ein Ansatz sind sicherlich cognitive (selbstlernende) Lösungen, die die Geschäftsmöglichkeiten im Banking über die jetzigen Grenzen hinweg massiv erweitern und vollkommen neue Bereiche im Innovationsumfeld eröffnen. ‚Cognitive‘ wird Banken helfen, Metadaten besser zu orchestrieren und damit die Wertschöpfung aus den Daten extrem zu erhöhen. Eine große Europäische Bank nutzt dies zum Beispiel zur Erkenntnisgewinnung über das Verhalten institutioneller Kunden, um zukünftige Transaktionen vorherzusagen.

Womit werden Banken in 10 Jahren Geld verdienen?

10 Jahre in die Zukunft zu blicken halte ich bei der heutigen technologischen Entwicklung für fast unmöglich. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir in zeitnaher Zukunft es nicht mehr akzeptieren, wenn wir generisch generierte Massmails erhalten, sondern wir werden ausschließlich auf personifizierte, individualisierte, nach unseren Bedürfnissen ausgerichtete Angebote, reagieren. Wer dies intelligent nutzt, wird einen entscheidenden Vorteil im Markt erzielen.

Welche Entwicklungen sieht IBM im Mobile Payment?

Wir sehen eine Reihe konkurrierender Mobile-Payment-Dienste und -Lösungen im Markt, deren Akzeptanz von der leichten und transparenten Nutzbarkeit abhängen wird. Die wahrgenommene Sicherheit wir ein weiterer Aspekt sein. Gut möglich, dass es in einer weiteren Phase auch zu Konsolidierungen kommt.

Vielen herzlichen Dank Herr Wodtke für das Interview.aj

Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
http://www.it-finanzmagazin.de/?p=21608
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