EVENTS & MESSEN10. Mai. 2016

Felix Hufeld, BaFin-Präsident: „Findet das Bankgeschäft also bald ohne Banken statt?“

frank-beer.com / BaFin
BaFin-Präsident Felix Hufeld frank-beer.com / BaFin

Anlässlich der Jahrespressekonferenz der BaFin nahm Felix Hufeld (BaFin-Präsident) Stellung zu den Herausforderungen, denen Banken gegenüberstehen. Im Kern seien das: Niedrigzins, Digitalisierung und Regulierung. Hier ein paar interessante Passagen seiner heutigen Rede.

Geldpolitik zu bewerten, zähle nicht zu den Aufgaben der BaFin – die Folgen der Geldpolitik aber sehr wohl, so Hufeld. So seien nicht nur Lebensversicherer und Bausparkassen betroffen, sondern auch die gesamten Bankenbranche – vor allem Institute, deren Geschäftsmodell auf Zinserträgen und Fristentransformation basiere. Und da stelle sich die Frage:

Wie muss ein Geschäftsmodell beschaffen sein in einer Welt, in der der klassische Zinsertrag nur noch eine untergeordnete Rolle spielt? Über kurz oder lang müssten die Banken, aber auch Regulierer und Aufseher wohl eine Antwort darauf finden.“

Echter Veränderungsdruck ergibt sich aus der Digitalisierung

FinTechs drängen mit Macht auf den Markt und fordern derzeit vor allem die Banken heraus. Ihr Anspruch ist enorm:

[FinTechs] wollen nicht schüchtern an die Türen der Etablierten klopfen, sie wollen sie eintreten.
Findet das Bankgeschäft also bald ohne Banken statt?“

Zweifellos mischen FinTechs den Markt gehörig auf. Aber erstens haben auch sie den Stein der Weisen noch nicht entdeckt. Zweitens ist das klassische Bankgewerbe nicht akut vom Aussterben bedroht. Auch im Zeitalter der Digitalisierung hat es das eine oder andere Pfund, mit dem es wuchern kann. Und drittens zeigt sich schon jetzt, dass beide Lager nicht nur konfrontativ, sondern eher komplementär arbeiten.

Beim Umgang mit dem Phänomen „FinTech“ gilt für die etablierten Banken das Gleiche wie bei allen strategischen Fragen: Manche werden ein glücklicheres Händchen haben als andere.

Keine Schutzzäune – weder für Institute, noch für FinTechs

Wer welche Marktanteile hat, entscheiden weder die Politik noch die Aufsicht. Über Erfolg oder Misserfolg eines Geschäftsmodells entscheidet der Markt. Dieser Markt ist allerdings aus guten Gründen ein regulierter. An der Stelle kommen wir ins Spiel, und dann kann nur gelten: „gleiches Geschäft, gleiches Risiko, gleiche Regel“. Als Aufseher zieht die BaFin weder einen Schutzzaun um die Etablierten, noch privilegieren wir die Jungen. Was man von der BaFin erwarten könne, sei eine angemessene Kommunikation. Angemessen heißt: verständlich, schnell und – soweit es geht – elektronisch.

So biete die BaFin beispielweise seit kurzem auf der Homepage einen maßgeschneiderten Service für potenzielle FinTech-Gründer, den sie schrittweise ausbauen werden.

Regulierung, der dritte Schlüsselbegriff

Nur acht Jahre nach der großen Katastrophe auf den Finanzmärkten, so Hufeld, „sollten wir nicht vergessen, was die Gründe für die Verschärfung der Regulierung waren. Denn sonst droht ein weiterer regulatorischer Schweinezyklus aus Krise – Regulierung – Deregulierung – erneute Krise, der in niemandes Interesse sein kann. Worauf es jetzt und in den kommenden Jahren ankommt: Berechenbarkeit – wir müssen beispielsweise Basel III zu Ende bringen –, Proportionalität und die Bewertung von Neben- und Wechselwirkungen.“

Alle Reden zur Jahrespressekonferenz der BaFin können Sie hier im Original nachlesen.

Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
http://www.it-finanzmagazin.de/?p=31010
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