INTERVIEW: ANDRÉ M. BAJORAT, FIGO8. Sep. 2016

Bankathon 2016: PSD2 ist gut für Banken und für FinTechs – der Hackathon wird es beweisen

André M. Bajorat, Geschäftsführer von figo und Veranstalter des Bankathonfigo
André M. Bajorat, Geschäftsführer von figo und Veranstalter des Bankathonfigo

Banken und FinTechs gemeinsam: Der Bankathon soll nicht nur schicke neue Ideen fördern – er bringt Banken und FinTechs einander näher. Und: er ist das Networking-Event der Branche. Schon 150 Teilnehmer waren seit Bestehen als Macher dabei, wobei sich Banken und FinTechs immer die Waage gehalten haben. Wir haben den figo-Geschäftsführer und Bankathon-Veranstalter André M. Bajorat in die Zange genommen: Lohnt es sich, zum Bankathon zu kommen, oder ist es nur ein Event unter vielen?

Herr Bajorat, der Bankathon ist das „Original“ – wie finden Sie es, dass es mittlerweile so viele Hackathons im FinTech-Bereich gibt?

Es zeigt die Relevanz und wie wichtig die Ziel­gruppe der Developer für Banken
schon ist und noch werden wird.“

Dieses Jahr ist die PSD2 das Thema – und damit eigentlich das Thema, dass die Banken am meisten ärgert und den FinTechs die größten Chancen bietet. Kann es da überhaupt zu einer Zusammenarbeit kommen? Und warum haben Sie ausgerechnet dieses Reizthema gewählt?

Genau deshalb haben wir das Thema gewählt – eben weil es ein Reizthema ist und weil wir die reduzierte Sicht auf das Thema PSD2 als ‘Ärger für die Banken’ und ‘Chance für die FinTechs’ dauerhaft erweitern wollen. Es erinnert ein wenig an die schon veraltete Sicht, dass FinTech und Bank zusammen nicht geht – auch hier hat die Zeit das Gegenteil bewiesen. Drehen wir es einmal um: PSD2 ist für viele FinTechs eine Challenge, da neue Regeln kommen und es gibt smarte Banken, die die neue Offenheit für sich als Business-Opportunität sehen.

Wir wollen dabei helfen, genau diese extreme Sichtweisen zu verändern, und zeigen, dass PSD2 gut für Banken und für FinTechs ist.“

Der Bankthon geht nun in seine vierte Runde – wie wollen Sie da interessante Entwickler an den Start locken? Welche Besonderheiten gibt es in diesem Jahr?

Das Besondere hat sich nicht verändert: Es ist die bewusste Nähe aller beteiligten Protagonisten, die zu tollen Lösungen führen. Dass es darüber hinaus tolle Preise zu gewinnen gibt, stand und steht beim Bankathon nicht im Vordergrund. Das Networking ist uns wichtig.

Ist denn heute überhaupt noch ein Networking zwischen Banken und FinTechs notwendig? Sind nicht alle FinTechs und Banken bereits stark miteinander im Gespräch und in Kooperationen?

Klar sind viele miteinander im Gespräch und dank der verschiedenen Events – wie beispielsweise ‘Between the Towers’, FinTech-Stammtisch oder eben der Fintech Week – mehr denn je.

Aber die Intensität des Bankathon ist anders und bringt eine Nähe und Energie, die ich von keinem anderen Event kenne.“

Was sicherlich auch daran liegt, dass man über mehrere Tage hinweg so intensiv miteinander arbeitet.

Mal ehrlich: Banken machen Hackathons, um fähige Programmierer zu finden (sozusagen als HR-Veranstaltung) – wozu machen Sie den Bankathon? Geht es dabei nicht eigentlich nur um Werbung für Ihre figo-API?

Ja, klar und zudem ist es unser Beitrag in die Community, da wir ja bewusst keinen ausschließen und natürlich auch andere APIs zulassen. Die Teams sind frei in ihrer Entscheidung.

Bei den API-Providern hat man den Eindruck, dass es derzeit etwas stockt. figo und gini sind feste Größen. Möchten Sie auch neue API-Anbieter gewinnen, um sie den Bankathon Teilnehmern bereitzustellen?

Ja, auf jeden Fall – sonst wird es ja langweilig.

Schon beim zweiten Bankathon hatten wir ja weitere APIs von SAP, BIW und comdirect dabei. Auch dieses Mal haben wir weitere API-Partner: VISA, Aboalarm, SAP und ggf. kommen noch weitere spannende Ergänzungen hinzu.“

Kann man sich in so kurzer Zeit (maximal 30 Stunden) wirklich etwas Verwertbares ausdenken und programmieren? Oder ist die Präsentation eigentlich nur eine ein Powerpoint 2.0?

Nein, es ist in der Tat mehr als eine Slideshow und wir haben bei den letzten Bankathons gelernt und gesehen, was möglich ist. Das letzte Gewinnerteam zum Beispiel hat sich erst auf dem Bankathon kennengelernt und “Cocktail-Trade” (hier der Bericht, anm. d. Red)  in der kurzen Zeit gebaut. Die finale Weiterentwicklung NEON ist nun schon seit einigen Monaten im App-Store verfügbar.

Was ist aus den bisherigen Gewinnern des Bankathon geworden, gibt es eine Lösung die es wirklich geschafft hat?

Ja, Candis. Das sind die Gewinner des ersten Bankathon. Sie sind live und haben erfolgreiche Finanzierungsrunden hinter sich gebracht. Über NEON habe ich ja schon oben was gesagt. Das sind die bisherigen Gewinner: Beide noch da und erfolgreich!

Im Bankenumfeld gab es in letzter Zeit häufiger die Ansage, das man die Ideen der FinTechs selber umsetzen werde. Besteht aus Ihrer Sicht nicht die Gefahr des „Ideenklaus“?

Ja. Aber Ideen haben und klauen ist einfach. Diese umzusetzen, und das ggf. auch in kurzer Zeit, ist die Herausforderung. Da sehe ich weiter den großen Vorteil von FinTechs.

Zudem ist es normal für Banken, das sie IT oder anders gesagt ‘Financial-Tech’ als Dienst einkaufen – schon fast immer. Daher werden Banken auch weiterhin Dienste von FinTechs einkaufen und nicht nur kopieren.“

Wem „gehören“ eigentlich die Ideen / der Code nach dem Event? Den jeweiligen Entwicklern, oder werden die in den Teilnahmebedingungen an den Veranstalter abgetreten?

Natürlich den Machern: Den Entwicklern.

Wenn Sie sich die Bankathon-Entwicklung der vorigen drei Jahre ansehen: Was hat sich geändert? Ist Banking schon digitaler geworden?

Auf jeden Fall ist Banking kundenfreundlicher geworden und das ist der Treiber unseres Tuns. Digital ist Banking schon lange, nun geht es um den Kundennutzen …

… und der wächst auch dank guter APIs rasant.“

Vielen herzlichen Dank, Herr Bajorat.

Die Fragen stellten: Klaus Igel, Tobias Baumgarten und Joachim Jürschick.

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