STRATEGIE30. Sep. 2016

Commerzbank wird Techno­logieunternehmen: 1000 Mitarbeiter für Frankfurter „Digital Campus“geplant

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„Digitaler Campus“ als Motor der Transformationcommerzbank

Die Commerzbank will bis Ende 2020 ihre Profitabilität erheblich und dauerhaft erhöhen. Dazu will sie sich im Rahmen der Strategie Commerzbank 4.0 „konsequent auf ihre Kerngeschäfte konzentrieren“, 80 Prozent ihrer relevanten Prozesse digitalisieren und einen „Digitalen Campus“ mit bis zu 1000 Mitarbeitern starten. Das Geschäft soll auf den beiden Kundensegmenten „Privat- und Unternehmerkunden“ sowie „Firmenkunden“ basieren. All diese Maßnahmen sollen – neben anderen Effekten – bis 2020 zwei Millionen neue Privat- und Firmenkunden anlocken. Das ginge nur als digitales Technologieunternehmen.

Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank
Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank
Die schlechte Nachricht zum Commerzbank-Umbau ging bereits gestern durch die Medien: Es werden 9.600 Stellen abgebaut. Gleichzeitig wer­den rund 2.300 neue Stel­len in Wachstumsfel­dern ent­stehen – damit folgt die Commerzbank im We­sent­li­chen den Ent­wicklun­gen, wie wir sie auch bei an­de­ren Un­ternehmen der Fi­nanz­wirt­schaft se­hen. Denn – wie Commerzbank Vor­standsvorsitzen­der Mar­tin Zielke betont: Die Markt­an­teile sind in Bewegung ge­ra­ten und es sei jetzt der richtige Zeitpunkt, um die notwendigen In­ves­titionen in die IT zu tätigen, um State-of-the-Art zu blei­ben.

Die IT der Commerzbank ist sehr leistungsfähig. Und was anderes werden Sie von mir nie hören […] Aber der Umbruch in der Branche ist so massiv, dass wir darauf nicht halbherzig antworten können.“

Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Commerzbank
Die Commerzbank will sich künftig nur noch um zwei Kundensegmente bemühen.Commerzbank

Um in Zukunft wieder erfolgreicher zu werden, will sich die Commerzbank von allem trennen, was Geld bindet oder zu komplex ist. „Einfacher, schneller, effizienter“ lautet die Ansage von Martin Zielke. Zuerst müssten rund 1000 Hinter­grund­prozesse digitalisiert werden, um anschließend neue „Privat- und Unternehmerkunden“ und „Firmenkunden“ mit attraktiven digitalen Angeboten zu gewinnen. Die Re­struk­turier­ungs­kosten beziffert er auf rund 1,1 Milliarden Euro.

Das Ziel: Commerzbank 4.0 – fokussiert, digital und effizient

Gelingen soll das vor allem durch den Ausbau der digitalen Multikanalbank sowie innovative Produkte wie eine neue digitale Ratenkreditplattform und ein digitales Asset Management inklusive Robo-Advising. Die Schablone dafür sei die erfolgreiche polnische mBank.

Zudem setze die Commerzbank weiterhin auf ein dichtes Filialnetz. Neben den großen Flagship-Filialen in den Ballungszentren will die Commerzbank mit den kleinen und modernen „City-Filialen“ einen neuen Filialtyp einführen. Allerdings soll es keine neuen Filialen geben, bestätigt Zielke. „Mit der Anzahl der Filialen fühle ich mich sehr gut“, und gibt zu bedenken, dass heute schon täglich 450.000 Kunden die Commerzbank-Filialen besuchen würden. So zielt die Strategie in diesem Fall eher auf die Mitbewerber, denn „wir freuen uns sehr, dass viele unserer Mitbewerber aus der Fläche gehen und Filialen schließen“. Denn damit würden 20 bis 30 Millionen Menschen in Deutschland ihren Bankenort verlieren. Ein Großteil der neuen Kunden kämen dann genau aus diesem Segment.

Entwicklung zum digitalen Technologieunternehmen

In den nächsten vier Jahren will sich die Commerzbank zu einem digitalen Technologieunternehmen entwickeln. Dabei sei „Technologieunternehmen“ nicht so zu verstehen, das man Technologieprodukte verkaufen werde, sondern das man rund 80 Prozent der derzeit rund 1000 Prozesse innerhalb der Bank digitalisieren wolle. Derzeit seien bereits 30 Prozent digital.

Commerzbank
Commerzbank

Die Commerzbank wird zu einem digitalen Technologieunternehmen – dazu brauchen wir vollständig digitale Prozesse. Alles was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden.“

Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Komplexität reduzieren und redundanzen herausnehmen.Commerzbank
Komplexität reduzieren und Redundanzen herausnehmen.Commerzbank

Um das zu erreichen, will die Commerzbank rund 700 Millionen Euro pro Jahr in die IT stecken – die Hälfte davon (350 Millionen) würde in Digitalisierungsprojekte fließen. Auf einem „Digital Campus“ in Frankfurt sollen künftig bis zu rund 1000 Mitarbeiter in agilen Projektteams die Digitalisierungsprojekte vorantreiben sowie Prozesse automatisieren und optimieren. Die dazu notwendigen Mitarbeiter würden als Journey-Teams aus allen Segmenten der Bank kommen – also aus Linienfunktionen entliehen. Wie wirkungsvoll diese offenbar ausschließlich bankinterne Ideenschöpfung werden wird, bleibt abzuwarten. Laut Martin Zielke wurde dieses Verfahren schon mehrfach erfolgreich erprobt.

Jeder einzelne Digitalisierungsprozess könne bis zu einem Jahr dauern und sei direkt bei einem verantwortlichen Vorstand aufgehängt. Faktisch sei das Campus-Personal also die neue Abteilung Forschung & Entwicklung.

Ein entscheidender Punkt: Die Commerzbank will bei der Transformation eine offene Fehlerkultur einführen. So dürften künftig Ideen auch scheitern – allerdings wenn sie scheitern, müssen sie auch schnell verworfen werden – ein „fast fail“, so Zielke.

Commerzbank
Commerzbank

Ich bin sehr zuversichtlich, das wir hier eine gute Ausgangsbasis haben, um diese technologischen Sprünge zu erreichen.“

Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Nächster Schritte: Neue Vertriebsoberfläche „One“ & Smart-Data-Architektur

Als ersten Meilenstein wird die Commerzbank im Oktober 2016 die einheitliche, digitale Vertriebsoberfläche „One“ einführen. Dadurch können Vertrieb und Kunde auf derselben Plattform Informationen einsehen und Vorgänge bearbeiten. Zudem werde die Bank eine flexible Smart-Data-Architektur zur gezielten Kundenansprache einsetzen. In der zweiten Hälfte des Jahres 2017 soll dann ein einheitliches, cloudbasiertes Customer-Relationship-Management-System für Privat-, Unternehmer- und Firmenkunden eingeführt werden.

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