WIRD APPLE EINE BANK?7. Okt. 2015

Die Apple Banking Plattform kommt:
Apple Pay war nur der Anfang!

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Autor Maik Klotz
privat
Das Interview von Steve Ballmer, in dem er lachend die Veröffentlichung des iPhones kommentiert, hat Kultstatus bekommen und ist ein Beispiel historischer Fehleinschätzung. Dabei hätte Steve Balmer es besser wissen können, hatte Apple doch zuvor schon mit dem iPod und iTunes ein gutes Händchen bewiesen. Maik Klotz beleuchtet was Apple vor hat – und warum Apple nicht selber zur Bank wird.

von Maik Klotz

Obwohl es 2007 einen gut besetzten Markt für Mobiltelefone gab und das iPhone weniger Funktionen als die Geräte von Nokia, Blackberry oder Siemens hatte, wurde auch der Mobiltelefon-Markt von Apple auf den Kopf gestellt. Heute, nicht einmal 10 Jahre später, spielen Nokia oder Blackberry keine Rolle mehr. 2010 läutete Apple mit der Vorstellung des iPads die Post-PC Ära ein und als das Unternehmen 2015 die Apple Watch vorstellte, wurde es innerhalb weniger Monate Marktführer im Wearable-Markt.


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Das iPhone ist nur ein gewöhnliches Telefon […] Außer der Marke hat Apple nichts in petto, was andere Anbieter nicht auch zu bieten hätten. Daher garantiere ich Ihnen, dass sich das iPhone nicht sonderlich verkaufen wird.“

Steve Ballmer, CEO von Microsoft (2007), Quelle

In diesem Jahr ist Apple auch in den Payment-Markt eingestiegen …

… und allen Anschein nach wird die Erfolgsgeschichte weiter fortgeschrieben. Apple Pay ist das erste mobile Bezahlverfahren, welches eine Relevanz beim Konsumenten hat. Das man sich mit Mobile Payment begnügen wird, darf bezweifelt werden und es deutet einiges darauf hin, dass Apple tiefer in der Finanz- und Payment-Markt einsteigen könnte.

Ein mobiles Bezahlverfahren ist, wie jeder andere Dienst von Apple auch, kein Selbstzweck. Die enge Verzahnung zwischen Hardware und Diensten ist eine perfekte Kundenbindungsmaßnahme. Es gilt den Konsumenten im Apple Ökosystem zu halten. Egal ob nun iPod, iPhone, iPad oder Apple TV: alle sind eng verzahnt mit Diensten wie iTunes oder dem App Store. Damit gewährleistet Apple, dass der Kunde sich immer im Ökosystem Apple aufhält und nicht über den Tellerrand schauen muss.

Autor Maik Klotz
Maik Klotz arbeitet als Head of Business Development im Bereich Mobile Loyalty und Payment. Er ist Berater, Sprecher und Autor zu den Themen Banking, Payment und Retail. Seit vielen Jahren berät er Unternehmen zu kunden­zen­triert­en Inno­vations­methoden und der Fokussierung auf den Nutzer. Maik ist Jahrgang 1975.  Sie finden Maik Klotz auf XING oder Twitter.

Ein Ökosystem umgarnt den Kunden

Mit Apple Pay weitet Apple dieses Ökosystem weiter aus. Je enger alles miteinander verzahnt ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass der Konsument dieses Ökosystem wieder verlässt. Alle diese Dienste haben eins gemeinsam: Sie sind perfekt an die Geräte von Apple angebunden. Hat sich Apple früher vor allem auf den Bereich Multimedia begrenzt, wird das Ökosystem heute immer größer. Das große Ziel ist die Alltagsrelevanz. Je mehr Bereiche des alltäglichen Leben des Konsumenten abgedeckt werden, desto stärker ist die Kundenbindung. Und “bezahlen”, sei es im stationären Handel oder im Internet, ist ein sehr alltäglicher und wiederkehrender Vorgang.

Apple Pay war nur der Anfang

Stand heute ist Apple Pay prinzipiell nur eine Alternative zur Kredit- oder Giro-Karte und eine andere Form der kontaktlosen Bezahlung. Aber mit Apple Pay hat Apple das Fundament für eine ganze Finanzplattform geschaffen. Langfristig könnte es sich zu einem iTunes für Finanzdienstleistungen entwickeln und es spricht einiges dafür, dass der Bezahldienst nur der Anfang ist. Jüngst veröffentlichte Patente und Entwicklungen lassen den Rückschluss zu, dass Apple im Payment-Bereich noch viel mehr vor hat.

Auch die Umwandlung der Passbook App zur Wallet zeigt, dass es nicht mehr nur um Payment geht. Die Integration von Kundenkarten ist bereits heute möglich.
Auch die Umwandlung der Passbook App zur Wallet zeigt, dass es nicht mehr nur um Payment geht. Die Integration von Kundenkarten ist bereits heute möglich. Apple

Personal Finance Management
In dem Patent US20150199725 wird der Abruf von Kontoinformationen beschrieben, dem Zufolge Apple den Kontostand des Konsumenten prüfen möchte, um Werbung auf Mobilgeräten möglichst gezielt auszuliefern. So könnten Werbeanzeigen nur für Produkte eingeblendet werden, die sich der Empfänger auch tatsächlich leisten kann. Mehr noch: Hat Apple Zugriff auf die Transaktionsdaten, können auch auf den Nutzer zugeschnittene Finanzprodukte angeboten werden. Der Schutz der Daten kann weiterhin gewährleisten werden, so lange das iPhone entscheidet welche Werbung angezeigt wird. Gut vorstellbar, dass man den Konsumenten auch eine Finanzanalyse-App anbieten wird. Das was die “Health” für Gesundheitsdaten ist, könnte Apple auch für den Bereich Finanzen ermöglichen.

Peer-2-Peer Payment
Ein anderes Patent (US20150186887) beschreibt das Versenden von Geld an andere Nutzer beschrieben, was nichts anderes ist als eine vereinfachte Form der Überweisung.

Datenschutz-Offensive
Seit einem knappen Jahr weißt Apple immer wieder darauf hin, dass Datenschutz ein „fundamentales Menschenrecht“ und möglichst viele Kundendaten zu sammeln „nicht Apples Geschäftsmodell“ ist. Vertrauen ist essentiell und gerade bei finanznahen Diensten von großer Bedeutung.

Dennoch ist klar – Apple wird keine Bank

Das alles sind natürlich nur Indizien, aber mit Apple Pay hat man gezeigt, dass der Payment-Bereich für Apple wichtig ist.  Trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass Apple zur Bank wird, denn: Apple ist ja trotz Apple Pay auch kein Payment Service Provider.

Viel wahrscheinlicher ist es, dass Apple sich der Banken als Backend-System bedient und nur das Frontend stellt“

Genau wie sie es bei Apple Pay machen. Darunter leiden dürfte das Bankgeschäft der etablierten Banken, denn mit solchen Entwicklungen würde der Kundenkontakt weiter verloren gehen.

Letztendlich geht es immer darum, wie gut eine Lösung in der Hand liegt und auch Apple hat nicht den Erfolg für sich gepachtet. Der Music-Streaming-Dienst Apple Music ist ein solches Beispiel. Viele der Anwender sind enttäuscht und kehren Apple Music den Rücken, um zurück zu Spotify und Co zu wechseln. Auch der Apple Mail-Dienst “Mobile Me” kann man heute durchaus als Flop bezeichnen – Dienste wie Google Mail sind einfach besser. Aus Sicht der Banken gilt es also den Konsumenten Finanzprodukte an die Hand zu geben, die Spaß machen, Probleme lösen und innovativ sind. Das ist zwar nichts neues, kann aber nicht oft genug gesagt werden.

Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
http://www.it-finanzmagazin.de/?p=20582
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