INTERVIEW14. Apr. 2015

Die IT wird zum „Business-Enabler“ der neuen Geschäftsmodelle für Banken

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Boris Strucken ist Abteilungsdirektor Anwendungen Kapitalmarkt und Steuerung, und Verantwortlicher Architektur Management bei der Münchner Hypothekenbank eGmarcusevans
Sind Smartphones die eigentlichen Treiber der heutigen Medienwelt? Mit ihren vielfältigen Kommunikationstechniken hat sich ein neuer Typ Kunde etabliert, der eine neue Beziehung zu seiner Bank oder Versicherung erzwingt. Schlanke und industrialisierte Wertschöpfungsketten, die auf die Kunden ausrichten seien die Folge.
Im Vorfeld der Veranstaltung „Digital Transformation in Banken und Versicherungen„, gibt Boris Strucken (Abteilungsdirektor Anwendungen Kapitalmarkt und Steuerung, Verantwortlicher Architektur Management bei der Münchner Hypothekenbank eG) einen Einblick, wie die IT zur treibenden Kraft der Digitalisierung in Banken werden wird.

Herr Stucken, in einer Studie sehen 69 Prozent der Befragten Unternehmen die IT als treibende Kraft hinter der Digitalisierung. Sehen Sie das auch so?

Ich sehe dies genauso. Mittlerweile geht nichts mehr ohne IT, sowohl im privaten wie beruflichen Umfeld, also in allen Unternehmen. Deshalb, ist es relativ klar, dass „die IT-Welle“, so bezeichne ich die Digitalisierung, die schon längst vorhanden ist, die Gesellschaft im Beruf und im privaten Bereich als Megatrend extrem verändern wird. Kennzeichnend für einen Megatrend ist, dass dieser schon begonnen hat und man gar nicht merkt, dass man in diesem agiert.

Gehört zu dem Megatrend auch, dass neue Geschäftsmodelle gefragt sind?
Was kann da eigentlich die IT-Abteilung leisten?

Die IT-Abteilung beschäftigt sich meistens bzw. im Schwerpunkt mit der Umsetzung von Anforderungen aus den Fachbereichen im Sinne von Auftragserfüllung. Das muss sich drastisch ändern. Die IT sollte zum sogenannten „Business-Enabler“ werden. Viele IT-Technologien, sei es Mobility, Cloud-Computing oder Big-Data, sind in der IT- Abteilung bekannt. Der Mehrwert für das Unternehmen im Sinne der Verknüpfung von Technologie und Business muss jedoch deutlich mehr hergestellt werden. Erst ein- zielgerichteter Einsatz der breiten Möglichkeiten, geschaffen durch die IT, ermöglicht die sog. Digitalisierung, auch mit der Verknüpfung zum Stichwort Industrie 4.0.

Nun wird ja schon seit Jahren auf Konferenzen immer wieder gerne der Vergleich zur Automobilbranche gezogen. Hinken die Banken den Automobilherstellern in Bezug auf den Digitalisierungsgrad wirklich so hinterher?

Durch meine Berufserfahrung in der Automobilindustrie bei der bin ich in der Lage einen direkten Vergleich zu ziehen. Leider muss ich feststellen, dass der Digitalisierungsgrad der Banken sehr ausbaufähig ist. Es ist notwendig, dabei extrem aufzuholen, somit haben insbesondere Banken einen wahnsinnigen Druck, ihre Hausaufgaben zu machen, um sich für die Zukunft entsprechend aufzustellen. Dies bedeutet auch, dass eine Innovations-Kultur geschaffen werden muss. Die sog. FinTechs leben dies erfolgreich vor. Somit müssen Banken in die Möglichkeiten der IT und deren Anwendung investieren, auch im Sinne von Innovations-Laboren. Ein klassisches Research und eine Entwicklung nach „trial-and-error“, die im produzierenden Gewerbe üblich ist, ist in Banken kaum zu finden, was auch deren Kultur widerspricht.

Wenn ich mit Bankern spreche, dann ist in aller Regel die Regulierung, ihr Aufwand und der Kostendruck das Argument, weshalb die Banken beim digitalen Transformationsprozess ausgebremst werden.

Vielleicht ist sogar das Gegenteil möglich. Es ist eher entscheidend, mit dem Investieren in neue Technologien regulatorische Anforderungen parallel zu Erfordernissen des Marktes umzusetzen. Dabei können die regulatorischen Anforderungen das Grund-Invest bzw. Sockel-Kosten im Sinne von Fix-Kosten dafür der Treiber sein. Wenn eine Daten-Strategie und Daten-Transformations bzw. -Plattform im Sinne von Big-Data oder klassisch BI für die Regulatorik zur Verfügung steht, z.B. wegen BCBS 239, so kann diese auch für Vertriebsauswertungen ausgebaut werden. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Regulierung den Kostendruck verstärkt. Dadurch kann eine Abwärtsspirale entstehen, weil kaum noch Mittel für die Digitalisierung neuer Märkte zur Verfügung stehen. Ich nenne dies das „Bermuda-Dreieck der Banken“. Wie kann ich daraus ausbrechen? Dies ist möglich, wenn die Invest-Kosten für Regulatorik für einen sinnvollen Zweit-Nutzen des Business verwendet werden können.

Und wie wird nun die Münchener Hypothekenbank reagieren?
Wie stellen Sie sich im digitalen Zeitalter auf?

Die Münchener Hypothekenbank hat das digitale Zeitalter definitiv erkannt. Sie ist allerdings wie alle anderen Banken von diesem „Bermuda-Dreieck“ aus Regulatorik, Kostendruck und sich verändernden Märkten betroffen. Das bedeutet, dass man diesen Spagat zwischen allen drei Disziplinen täglich machen muss. Die IT ist gerade dabei sich neu aufzustellen. Es gibt eine IT-Strategie-2020. Die Bank orientiert sich gerade um, was dazu führt, dass die MünchenerHyp sich für das Digitale Zeitalter deutlich besser aufstellt. Ziel muss es sein, aus dem Druck der Regulatorik „Win-Win-Situationen“ zu erzielen.

Und wie sieht nun die digitalisierte Zukunft der Münchener Hypothekenbank aus?

Das Zielbild wurde aus dem Architekturmanagement heraus definiert, wobei es strategisch vom fachlichen „Top-Down“ abgeleitet wird. Technologische Impulse wirken dabei gegengerichtet „Bottom-up“. Bei der Zielbebauung ist selbstverständlich, dass der Anteil der digitalisierten Kanäle und der digitalisierten Abwicklung deutlich steigen wird. Beispiel dafür ist die Einführung der „elektronischen Akte“. Diese muss natürlich mit den Themen regulatorische Anforderungen und Kosteneffizienz betrachtet werden. Somit gibt es große Herausforderungen, der sich die Münchener Hypothekenbank und ihre IT stellen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Bank als von der EZB unmittelbar beaufsichtigtes Institut immer wieder neue aufsichtliche Anforderungen zeitnah umzusetzen hat. Ein Beispiel für eine „Win-Win-Situation“ aus Regulatorik und IT ist, dass der Ansatz des Daten-Managements für BCBS239 auch für die Bank-Bereiche Markt und Marktfolge verwendet werden kann. Somit gibt es Synergie-Effekte aus den durch die Regulatorik notwendigen Sockel- bzw. Grund-Investionen. Zudem wird es durch eine einheitliche Methodik für die Gesamtbank auch für die sog. „Follower“, also Vertrieb oder Kreditabwicklung, günstiger, da diese Bereiche ansonsten solche Themen initial vorantreiben müssten. Allgemein betrachtet, scheitern solche Querschnittsthemen oft schon am Business Case oder am fehlenden fachlichen Gesamt-Owner. Hier ist die Regulatorik sogar ein Business-Enabler im weitesten Sinne.

Herr Strucken, vielen Dank! Ich freue mich auf Ihren Vortrag beim Event in Frankfurt – dem „Digital Transformation in Banken und Versicherungen.aj

Boris Strucken
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Boris Strucken

Boris Strucken ist Diplom-(Wirtschafts)Informatiker und leitet seit 2012 die IT-Abteilung Anwendungen Kapitalmarkt und Steuerung bei der Münchener Hypothekenbank eG. In dieser Funktion ist er auch verantwortlich für die Anwendungsentwicklung und das strategische IT-Architektur-Management. Vor seinem Wechsel zur MünchenerHyp Ende 2009 war er als IT-Projektleiter, IT-Architekt und IT-Spezialist, sowie QS-Experte bei HypoVereinsbank, BMW Bank und BMW AG tätig, ebenso als IT-Berater für Banken bei Accenture.

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