PAYMENT-EXPERIMENT9. Feb. 2016

Eine Woche ohne Bargeld: girocard top, girogo fast unbekannt, Kleinstbeträge per MasterCard

Habbel Franz Reinhard
Habbel Franz Reinhard

Diverse Studien behaupten, dass bereits in 10 Jahren E-Payment das Bargeld verdrängen würde. In nordeuropäischen Nationen würde sogar das tägliche Leben schon heute weitestgehend bargeldlos bestritten. Doch wie sieht es im Moment in Deutschland aus? Wäre es möglich, ohne Bargeld auszukommen? Eine Frage, der sich Franz-Reinhard Habbel stellte. In Anbetracht der aktuellen Bargeld-Diskussion (5000-Euro-Grenze und Abschaffung der 500 Euro-Scheine) ist die Frage besonders interessant. Vorigen Monat verzichtete Habbel (Pressesprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebund) für eine Woche gänzlich auf den Einsatz von Scheinen und Münzen und dokumentierte das Experiment in seinem Blog.

Das Experiment: Sieben Tage leben, reisen, arbeiten – ohne Bargeld. Im Portemonnaie von Franz-Reinhard Habbel: ausschließlich Karten – allen voran die EC-Karte (Verzeihung, heute heißt sie „girocard“). Das Ziel: Herausfinden, ob es heute schon möglich ist, in Deutschland ohne Bargeld zu Leben. Für „Eine Woche ohne Bargeld: Das Experiment“ dokumentierte und reflektierte Franz-Reinhard Habbel seinen Alltag ohne Bares in seinem Online-Tagebuch (Tag 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7).

Obwohl es zunächst ein ungewohntes Gefühl war, keine Münzen und Scheine mehr bei mir zu tragen, habe ich das Bargeld in den sieben Tagen nicht vermisst.“

Habbel weiter, „Hier und da habe ich Rückfragen gestellt oder nachgehakt, ob und welche Art der kartenbasierten Bezahlung möglich ist. Verändern musste ich meinen Alltag jedoch nicht. Für mich ist E-Payment zeitgemäß. Der Vorgang ist schnell und unkompliziert. Insbesondere die Einsatzmöglichkeiten der girocard und ihrer vielfältigen Funktionen in der Kommune haben mich überzeugt – nicht nur im Bürgeramt, sondern auch für den Einsatz im studentischem Wohnungsbau oder der Schulverpflegung“, resümiert Franz-Reinhard Habbel seine Erfahrungen.

Nach einer Woche ohne Bargeld – das Ergebnis in 10 Punkten

1. Die girocard hat überragende Bedeutung beim bargeldlosen Zahlen. Sie ist Habbels „Premium Card“. Er konnte sie nahezu überall einsetzen. Sogar im Bürgeramt Zehlendorf an allen Sachbearbeiterplätzen.

2. In seltenen Fällen wurde ein Mindestumsatz von fünf oder zehn Euro verlangt. Das sei ein Manko, denn im Alltagsleben gäbe es Bereiche, wo kleine Beträge anfallen. So sei es schwierig, ein Croissant für 0,35 Euro beim Bäcker zu kaufen. Im Ausland sei es möglich, Beträge mit der Maestro von 2,50 Euro problemlos bezahlen. Ein echter Vorteil. Das wünscht sich Habbels auch in Deutschland.

Schon mal gesehen? Das girogo-Akzeptanzstellen-Logo sucht man häufig vergebens.girogo
Das girogo-Akzeptanzstellen-Logo findet man äußert selten.EURO Kartensysteme
3.  Das kontaktlose Zahlen mit girogo im Bereich der Kleinstbeträge sei außerordentlich attraktiv. Es gäbe aber viel zu wenig Möglichkeiten mit girogo zu zahlen. Auch ist diese Zahlungsart bei den Händlern so gut wie unbekannt.

4. Die ideale Karte ist eine girocard mit kontaktloser NFC-Zahlfunktion. Leider gibt es bei der Hausbank von Habbels keine solche Karte – in der er die Zukunft sehen würde. Kontaktloses Zahlen für Beträge unter 25 Euro geht schnell und ist unkompliziert.

5. Das es möglich ist, auch Kleinstbeträge unter zwei Euro per Kreditkarte abzurechnen, zeigte Habbel die amerikanische Café Kette Starbucks, bei der er mit MasterCard zahlte. Denn: Seit Monaten ist es dort möglich, per Kreditkarten Beträge von beispielsweise 1,85 Euro zu bezahlen, sowohl mit PIN-Eingabe als auch kontaktlos. Das sei äußerst praktisch.

6. Auch die Geldkarte ist weitgehend unbekannt. In einem Blumengeschäft wurde Habbel gesagt, er sei seit elf Jahren der erste Kunde, der mit einer solchen Karte zahlen möchte. Bedauerlich sei auch gewesen, dass er damit keine Briefmarken am Automaten mehr bezahlen konnte. Damit war eine Cent genaue Abrechnung möglich.

7. Mit der Geldkarte Fahrscheine am Fahrkartenautomaten der BVG in Berlin zu bezahlen, war für Habbel hingegen ein echtes Highlight. Ein schneller und unkomplizierter Vorgang.

8. Unverständlich sei hingegen, dass die Deutsche Bahn in ihren Zügen die girocard nicht akzeptiert. Auch für Kleinbeträge wird dort die Kreditkarte angenommen. Warum nicht auch der Einsatz einer girocard?

9. Große Chancen sieht der Tester im berührungslosen Zahlen mit NFC-Funktion. Hierin liegt die Zukunft.

10. Um bedürftigen Menschen spontan Geld zu geben, beziehungsweise in einer Kirche zu spenden, fehle in einer bargeldlosen Welt eine Lösung. Darüber müsse noch nachgedacht werden.

Das Fazit: Bargeldlos ist möglich – Aufklärung und Information sind die Wegbereiter

Der Praxis-Check bewies: Grundsätzlich sei ein Alltag ohne Bargeld (wenn auch mit kleinen Einschränkungen) schon heute möglich – nur etwas mehr Know-how sei an vielen Stellen gefragt – insbesondere bei Händlern – noch notwendig. Kleinsthändler oder vereinzelt auch das Personal am Point of Sale zeigten Zurückhaltung oder Unsicherheiten.

Franz-Reinhard Habbels Alltag ohne Bargeld wird auch auf dem Parlamentarischen Abend der Initiative Deutsche Zahlungssysteme zu „Bezahlen in Deutschland – Innovationsbereitschaft vs. Macht der Gewohnheit“ am 17. März in Berlin Thema sein. Informationen zur Agenda gibt es hier.aj

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