MOBILE PAYMENT1. Aug. 2016

Europäische Banken und ihre Sorgen mit Apple Pay: Wie sag ich’s meinem Kunden?

Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth
Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth

In neun Ländern ist Apple Pay nun verfügbar. Aber nicht alle Banken machen mit. Deren Kunden fragen jetzt nach auf Twitter, wie denn die zukünftige Strategie aussieht. Die Antworten fallen je nach Bank und Land unterschiedlich aus. Wirklich überzeugend ist keine. Auch N26 hat keine überzeugenden Antworten. Wir haben exemplarisch ein paar Bankreaktionen in Europa zusammengetragen.

von Rudolf Linsenbarth

Wer ein wenig durch Twitter streift und die Suchfunktion mit den Stichworten „Apple Pay“ plus einen beliebigen Banknamen verwendet, erkennt schnell, wie viel Druck die Kunden für diese Zahlungsart aufbauen. Reihenweise Anfragen wann sie denn endlich loslegen.

Interessanterweise ist die Kommunikationsstrategie weniger durch die jeweilige Bank vorgegeben, sondern orientiert sich eher an kulturellen Gegebenheiten des betroffenen Landes.

Frankreich – Motto: „Wir wissen nichts, aber wir schätzen unsere Kunden.“

Im Prinzip bemühen sich die Banken auf jede Kundenanfrage einzugehen, ohne die Kunden dabei brüsk vor den Kopf zu schlagen. BNP die größte französische Bank bedauert keine detaillierten Informationen liefern zu können. Die französische Bank CIC gehört zur gleichen Bankengruppe wie die Targobank: hier kommt (in puncto Formulierung) noch ein „leider“ hinzu. Neuigkeiten gibt es aber nicht. Bei der französischen ING ist man aber zumindest in einem Überlegungsprozess.

CIC-600 ING-France-600 BNP-Paribas-600

Was bei der französischen ING gilt – gilt auch für ING Australien – allerdings ist man da noch etwas robuster unterwegs:

ING-Australien-600

Schweiz: Ausweichen oder auf eigenen Verfahren hinweisen

Während in Frankreich doch die allermeisten ordentlich gestellten Twitter-Anfragen beantwortet werden. Hält sich die UBS auf diesem Kanal ziemlich bedeckt und antwortet schriftlich. Auf die Anfrage, warum die Bank in den USA mitmacht aber in der Schweiz nicht, geht die Bank nicht ein. Die Crédit Suisse dagegen verweist in ihrer Standardantwort auf TWINT und Paymit.

UBS-600-2 Credit-Suisse-600

Deutschland: „Wir warten auf Apple“

Die Banken in Deutschland haben es derzeit noch recht einfach: Apple hat Apple Pay noch nicht für den hiesigen Markt angekündigt. Dennoch kommen auch hier schon die ersten vereinzelten Anfragen – die in aller Regel noch sehr abwartend mit Hinweis auf Apple abgehakt werden. Einige wenige Banken (z.B. comdirect) gehen in die Offensive, nach dem Motto: „Wenn es da ist, sind wir dabei“ – aber so lange Apple sein „Go“ verweigert, haben die Banken nur eine Statistenrolle.

Interessant ist jedoch die Kommunikationsstrategie von N26. Bei den deutschen Kunden zeigt man sich recht entspannt und verweist auf die unklare Situation zum Apple Pay Start in Deutschland …

Rudolf Linsenbarth
Linsenbarth-Rudolf-516Rudolf Linsenbarth ist Seni­or Consultant für den Be­reich Mobile Payment und NFC bei COCUS Con­sul­ting. Zuvor war er elf Jah­re im Bank­bereich als Seni­or Technical Specia­list bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Banken­gruppe).

Linsenbarth ist ei­ner der pro­fi­lier­tes­ten Blog­ger der Fi­nanz­szene und kommentiert bei Twit­ter un­ter @holimuk die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Rudolf Linsenbarth im eigenen Namen.

N26-600

… die Anfragen der französischen Kunden werden vorsichtshalber aber gar nicht erst beantwortet. N26 meint also hier, schlau spielen zu können. Aus der desaströsen Kundenkommunikation nach der Kündigungswelle hat man offenbar nichts gelernt.

Fazit: Eine Mischung aus nicht können,
nicht wollen und abwarten

Insgesamt ist festzuhalten: Einen goldenen Weg hat keine Bank gefunden. Allerdings: Wie wäre es denn mal mit ehrlicher Kommunikation. Die Banken in den Ländern, in denen Apple Pay schon gestartet ist, haben hoffentlich stichhaltige Gründe, warum sie Apple Pay nicht unterstützen. Die sollte man auch mitteilen können.rl

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http://www.it-finanzmagazin.de/?p=34585
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