EVENT: LONDON12. Feb. 2016

Innovative Finanz- und Bankentechnologie: Finovate Europe 2016 in London – FinTech für Banken

Sven Korschinowski, KPMG
Sven Korschinowski, KPMG

FinTech und London – beides in einem Atemzug genannt, da rauscht die Erwartung nach oben. Mit Level 39 in der Skyline von Canary Wharf durchaus architektonisch wörtlich zu verstehen. Vom 9. bis 10. Februar fand die „Finovate Europe 2016“ in Old Billingsgate in der City von London mit Blick auf die Tower Bridge statt – gemeinsam mit 1500 Teilnehmer aus Banken, Versicherungen und FinTechs.

von Sven Korschinowski, Partner Payments, FinTech & Innovation KPMG

Die Finovate ist eine jährliche internationale Konferenz, die sich auf innovative Finanz- und Bankentechnologie konzentriert. Die Bedeutung der Konferenz spiegelt sich durch ihr Publikum wieder: Bankvorstände, VCs, Presse, Regulatoren, Experten und Startups.

Finovate - 1500 Teilnehmer: Anzug und Kravatte sind bei FinTech-Themen in London üblich.Sven Korschinowski, KPMG
Finovate: 1500 Teilnehmer Sven Korschinowski, KPMG

Grandiose Location – Erinnerungen an längst vergangene Zeiten

Die Gestaltung des Interieurs erinnerte an einen Handelssaal einer Börse vergangener Zeiten. Wer nun erwartet hatte, das es bei einem Innovation-Kongress locker und FinTech-like zuginge, der täuscht. Die Mehrzahl der 1500 Teilnehmer waren so gar nicht Hipster. Anzug und Krawatte dominierten. Offenbar ist innovative Finanz- und Banktechnologie in London ein äußerst seriöses Thema.

Auch bei den Teilnehmern war der deutlich überwiegende Teil Banker. So fanden sich bei den Finanzinstituten neben englischen auch etliche internationale Banken. Deutsche Vertreter waren rar gesät. Teilgenommen haben die CommerzVentures und die Star Finanz. Die Sutor Bank und die M. M. Warburg (über die W&Z FinTech GmbH) schickten ihre FinTech-Scouts.

7 Minuten Speed Pitching

Mittelpunkt der Finovate waren die 7-minütigen Präsentationen der FinTechs: rund 70 Pitches in zwei Tagen. Vorherrschender Tenor war der Kooperations- und Integrationsgedanke mit Banken. Die Lösungen der FinTechs waren bunt gemischt. Ein Schwerpunkt lag bei biometrischen Startups sowie bei Robo Advice-Anbietern. Auch die deutsche FinTech-Szene war in den Pitches vertreten – beispielsweise:

Fintura: Kredite für Mittelständler ab 10.000 Euro

Fintura sieht sich als das Finanzportal des Mittelstands. Die CEOs Gernot Overbeck und Thomas Becher bieten Mittelständlern mit ihrem Online-Vergleichsportal Kredite ab 10.000 Euro an. Dabei versprechen sie eine Zusage binnen 72 Stunden (mehr dazu hier).

Sven Korschinowski, KPMG
Sven Korschinowski, KPMG

Qumram: Regulierung und Dokumentation in den Griff bekommen

Ein spannendes Produkt hat das schweizerdeutsche FinTech Qumram. Qumram ist ein Akronym aus „Qumran“ – den biblischen Schriftrollen, und RAM-Speicher, was die Überleitung zum Produkt darstellt. Der Hintergrund: Banken müssen viele regulatorische Anforderungen erfüllen und dokumentieren. Häufig erfolgt das als PDF. Qumram ermöglicht das Aufnehmen, Speichern, Wiedergeben und Analysieren von Informationen und Kommunikationen in allen Kanälen. Ein Beispiel ist die Dokumentation der Beratung im Kontext von MiFID2.

LendStar: P2P – Rechnungen unter Freunden teilen

Christopher Kampshoff und Johannes Schubert eröffneten den zweiten Pitch-Tag mit der Vorstellung ihrer Peer-to-Peer-App. Unter dem Schlagwert Social Finance können Nutzer direkt vom Bankkonto Zahlungen an Freunde ausführen bzw. Geld erhalten. Anwendungsfall ist beispielsweise das Teilen von Rechnungen in Restaurants. Schönes Beispiel einer FinTech-Banken-Kooperation: Die Volksbank Hellweg bietet die App als White Label-Produkt unter dem Namen Vostar ihren Kunden an.

Risk Ident: Fraud Prevention durch Big Data

eCommerce und mCommerce gewinnt massiv an Bedeutung. Eine Entwicklung, die Betrüger anlockt. Risk Ident bietet dazu passende Fraud-Prevention-Lösungen an. Durch die Verknüpfung von Transaktionen sei es möglich, über eine Vielzahl von Daten, Regelsets und Algorithmen Auffälligkeiten in Echtzeit festzustellen und Identitätsdiebstahl oder die Übernahme von Accounts zu verhindern.

Sven Korschinowski, KPMG
Sven Korschinowski, KPMG

Die Gewinner der Finovate Europe 2016

Capitali.se: Per Spracheingabe komplexe Handelsaufträge ausführen

Das israeli­sche FinTech Capitali.se ermöglicht es, Spra­che automatisch in Investment-Ideen und Handels­anweisun­gen zu überfüh­ren. So funktionie­re zum Bei­spiel folgen­de Anweisung: „Verkaufe mei­ne Auto-Ak­ti­en, wenn die chinesi­sche Wirt­schaft nur noch um 2% wächst oder wenn der EUR gegenüber dem USD um 15% auf­wertet.“ Capi­talis.se schlägt dabei automatisch leich­te Abwandlun­gen der Stra­tegie vor, die ei­ne höhe­re Rendi­te gewäh­ren.

Finovate - auch im Untergrund stimmungsvoll.Sven Korschinowski, KPMG
Finovate – auch im Untergrund stimmungsvoll.Sven Korschinowski, KPMG

EyeVerify: Biometrisches Selfie erzeugt hochsicheres Passwort

In der Kategorie Biometrie bietet EyeVerify eine coole Lösung. Ein Selfie wird in einen Schlüssel umgewandelt. Anhand der einzigartigen Blutgefäße des menschlichen Auges könne eine höhere Sicherheit als bei anderen biometrischen Verfahren erreicht werden – äquivalent zu einem 50-stelligen Passwort. Ein Blick reicht, das Handy zu entsperren oder eine Zahlung zu autorisieren.

IDscan: Authentifizierung, KYC und AML

Noch mal Biometrie: IDscan ermöglicht das Scannen und strukturierte Auslesen von Dokumenten zur Identifizierung wie beispielsweise Reisepässe, Führerscheine oder Arbeitserlaubnisse. Diese werden hierdurch authentifiziert. KYC und AML können dem Kunden in die Hand gegeben werden. Mit seinem Smartphone fotografiert er sie ab. Das kann für unterschiedliche Antragsstrecken von Bankprodukten interessant sein.

Valuto: Marktplatz für Geldtransfer – schneller und billiger Geld transferieren

Valuto bietet ein Multi-Currency-Konto in 61 Ländern an und verspricht dabei, Gelder billiger und schneller auf in- wie ausländische Konten zu überweisen sowie über einen Währungstausch-Marktplatz günstiger als Banken die Währung zu drehen. Valuto-Nutzer untereinander können sofort und kostenfrei Währungen transferieren.

SwipeStox: Das Tinder für Trading

Sven Korschinowski, KPMG
Sven Korschinowski, KPMG

SwipeStox vereinfacht den Handel enorm: Das Tinder für Trading, wie die Jungs aus Frankfurt es nennen. Yasin Qureshi, Founder, Benjamin Bilski, Founder und CEO, sowie Wladimir Huber, Co-Founder, haben eine äußerst clevere Anwendung entwickelt. Mit der Social Trading App kann jeder Kunde kinderleicht Devisen, Indizes oder CFDs kaufen. SwipeStox ist mit den größten Brokern und Handelshäusern der Welt verknüpft. Die besten Trades kann man einfach mit einem Swipe kopieren, teilen und für jeden Copy zusätzlich Geld verdienen. Hier werden mit hoher UX Erkenntnisse aus der Share Economy, Social Media und Plattformen verknüpft.

Fazit

Alles in allem war Finovate ein außergewöhnliches FinTech-Event. Anders als wir es zurzeit in Deutschland sehen. Insbesondere macht es Sinn, die Besonderheiten des jeweiligen Marktes zu berücksichtigen. Besonders erfreulich: Es waren FinTechs dabei, die eine hohe Relevanz im Banking haben oder bereits heute Banking-Probleme lösen.Sven Korschinowski

Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
http://www.it-finanzmagazin.de/?p=26525
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (9 Stimmen, Durchschnitt: 3,00 von maximal 5)
Loading...

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Markus-Haertner_258
IT Sicherheitsgesetz: Wichtige Teilaspekte treffen auch Banken, Sparkassen und Versicherer

Grundsätzlich dürfte das IT Si­cherheits­gesetz Banken, Sparkas­sen und Versi­che­rer nicht scho­cken - die Fi­nanz­wirt­schaft ist, was Si­cherheits-Regulierun­gen angeht, weit über jede Schmerz­grenze be­las­tet. Und...

Schließen