STUDIEN & UMFRAGEN12. Okt. 2016

IT-Investitionen: 20 Prozent fließen in die Erneuerung – bei Kreditbanken sogar 30 Prozent

Sopra Steria Consulting
Sopra Steria Consulting

In einer Umfrage für den „Branchen­kompass Banking 2016„(Sopra Steria, 75 Euro) beurteilten führende Finanzinstitute in Deutschland und Österreich ihre Geschäftsaussichten deutlich pessimistischer als vor zwei Jahren. Schuld daran sind hauptsächlich das ruinöse Zinsniveau, der wachsende Compliance-Druck und der verschärfte Wettbewerb mit zunehmender Konkurrenz aus der digitalen Welt. Das Gros der Branche setzt als Ausweg auf verstärkte Digitalisierung. Doch wird auch dieser Rettungsring nicht lange oben schwimmen – wenn Banken ihr Geschäftsmodell nicht von Grund auf neu aus der Sicht des „digitalisierten Kunden“ umgestalten, sagt Sopra Steria.

Zwei Drittel aller deutschen und österreichischen Banken rechnen damit, dass sich die Kreditwirtschaft bis 2019 schlechter entwickeln wird als die jeweilige Gesamtwirtschaft in beiden Ländern – vor zwei Jahren waren nur halb so viele derart pessimistisch gestimmt.

Niedrigzinsen und Regulatorik – Banker-Befragung zeige dramatischen Stimmungseinbruch

Besonders negativ wirke sich die fortgesetzte Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank aus. Viele Banker sehen dadurch die Rentabilität mancher herkömmlichen Finanzprodukte grundsätzlich in Frage gestellt. Schwer belastet werden die Bilanzen aber auch vom steigenden Aufwand infolge immer neuer regulatorischer Anforderungen – zum Beispiel die anspruchsvollen Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften im Risikomanagement-Framework von Basel III.

Bedrohung durch „branchenfremde Anbieter“

Nicht zuletzt sehen viele Studienteilnehmer ihre Ertragslage durch branchenfremde Anbieter bedroht, die ihre digitalen Dienstleistungen direkt an die Wertschöpfungskette etablierter Banken andocken.

Verständlich, dass vor diesem Hintergrund 84 Prozent der befragten Entscheider die Digitalisierung im eigenen Haus für besonders dringlich halten.“

Fast alle (97 Prozent) glauben, dass der Regulierungsdruck die Prozess- und IT-Standardisierung weiter vorantreiben wird. Auch das Industrialisierungstempo dürfte in den kommenden zwei Jahren deutlich zulegen: 87 Prozent der befragten Entscheider planen bis 2019 entsprechende Investitionen im Bereich Gesamtbanksteuerung sowie 73 Prozent im Vertriebskanalmanagement.

Durchschnittlich 20 Prozent der Investitionsetats fließen in die Erneuerung der IT-Anwendungslandschaft.“

Bei Genossenschaftsbanken und Sparkassen sind es mit 17 beziehungsweise 15 Prozent etwas weniger, bei Kreditbanken dagegen mit fast 30 Prozent deutlich mehr. Den größten Block im durchschnittlichen Investitionsbudget macht nach wie vor das Vertriebs- und Kundenmanagement aus. Hier stieg der Anteil in den vergangenen zwei Jahren von 20,9 auf 22,5 Prozent.

Sopra Steria Consulting
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Mit ihren aktuellen Investitionsplanungen reagieren Banken offenbar auf die Tatsache, dass der Wettbewerb um die Kunden im Zuge der technologischen Entwicklung, aber auch aufgrund der neuen Konkurrenz durch FinTech-Unternehmen stark zugenommen hat.“

Stefan Lamprecht, Division Director Banking bei Sopra Steria Consulting

Um auf lange Sicht erfolgreich zu sein, genüge es allerdings nicht, traditionelle Servicekonzepte lediglich eins zu eins auf digitale Medien zu übertragen. Stattdessen sollten Banken die Beziehung zu ihren Kunden komplett überdenken: „Anspruchsvolle Serviceindividualisierung auf standardisierte Art und Weise umzusetzen – das ist die große Herausforderung für Banken im Zeitalter der Digitalisierung“, so Stefan Lamprecht.

Über die Studie

Im Juli 2016 befragte das Meinungsforschungsinstitut forsa insgesamt 120 Vorstandsmitglieder und Führungskräfte der bedeutendsten Banken Deutschlands und Österreichs – davon 100 Institute aus Deutschland und 20 aus Österreich. In den computergestützten Telefoninterviews (CATI) ging es insbesondere um die Einschätzung wichtiger Branchentrends sowie um Investitionsziele der Teilnehmer bis 2019. Durch einen Ergebnisabgleich mit früheren Studien soll der aktuelle Managementkompass neben dem Status quo auch die zeitliche Entwicklung herausarbeiten.

Der „Branchenkompass Banking 2016“ kann hier für 75 Euro bestellt werden. Ein kurzes Exposé können Sie hier kostenlos als PDF herunterladen.

Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
http://www.it-finanzmagazin.de/?p=38320
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Quelle: agencyby/bigstock.com
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