CIO STEPHAN MÜLLER28. Jul. 2016

IT-Strategie-Interview: Commerzbank konsolidiert alle Daten der AG per SAP Hana in einen Datenpool

Commerzbank CIO Stephan Müller, Bereichsvorstand Group Information TechnologyCommerzbank
Commerzbank CIO Stephan Müller, Bereichsvorstand Group Information TechnologyCommerzbank

Echte Digitalisierung ist im Grunde kein Thema von schicken Smartphone-Apps: Die wirklich wichtigen und zukunftsträchtigen Schritte laufen im Hinter­grund und haben immer mit dem Datenhaushalt, oft mit schlanken Prozessen und manchmal auch mit Regulierung zu tun. Die Commerzbank hat mit dem IT-Projekt „Group Finance Architecture“ einen wichtigen Digitalisierungs-Grundstein gelegt. Wir haben CIO Stephan Müller, Bereichsvorstand Group Information Technology, gebeten, uns die Idee und das System dahinter zu erklären.

Herr Müller, Ihre neue Finanzplattform Group Finance Architecture, was ist das eigentlich und was kann die Plattform?

Interne und regulatorische Anforderungen haben uns vor die Aufgabe gestellt, die Finance-Landschaft und -Prozesse zu optimieren. Dafür haben wir nun einen konsistenten und zentralen Grunddatenhaushalt konzipiert und im Oktober 2015 implementiert. Das Ganze basiert auf Standardsoftware von SAP. Das hört sich jetzt vielleicht noch nicht so spannend an, aber dieses neue Financial Data Warehouse (FDWH) bildet einen gemeinschaftlichen Grunddatenhaushalt gleichermaßen für Finanz- und Risikofunktionen. So können wir mit dieser Plattform, wir nennen sie kurz GFA, die strukturelle Basis liefern, um die Abschlüsse nach IFRS und HGB zu integrieren.

Damit ist die Plattform eine sehr gute Grundlage für einen gemeinschaftlichen Datenhaushalt von Finanz- und Risikofunktion und dem regulatorischen Meldewesen.“

Aber können Sie noch einmal genauer sagen, was an dieser Plattform so besonders ist?

Mit dem GFA-Programm haben wir eine völlig neue Finanzarchitektur für die AG Inland entwickelt und eingeführt. Wir erreichen damit eine höhere Qualität in der Berichterstattung: Konsistente Zahlenwelt in Accounting & Controlling, auch auf Ebene der Segmentberichterstattung. Zudem haben wir eine erhöhte Konsistenz: Die Nachvollziehbarkeit von Finanzinformationen durch alle Systeme der Bank bis auf Ebene von Einzelgeschäften wird deutlich vereinfacht. Wir können damit jederzeit schnell und effizient auf ständig neue regulatorische Anforderungen reagieren.

Und wir sind schneller in den Prozessen: die HGB- und IFRS-Abschlussprozesse werden qualitativ schneller und sicherer. Und nicht zuletzt haben wir auch weniger Kosten.“

Und was bedeutet das jetzt für die Commerzbank?

Wir haben hier das größte interne Projekt seit der Dresdner-Bank-Integration abgeschlossen. Das stellt einen Meilenstein für die Commerzbank dar. Durch die wirklich enorme Einsatzbereitschaft jedes Projektmitarbeiters wurde GFA fristgerecht, in der geplanten Qualität und im geplanten Budgetrahmen abgeschlossen. Und die zu Beginn konzipierte fachliche und technische Architektur hat sich als langfristig tragfähig erwiesen.

Sie sind ja schon 2009 mit dem Projekt gestartet, sechs Jahre bis zum Go-live sind doch eine lange Zeit, wie kam es dazu?

Bei der Entwicklung unserer neuen Finanzarchitektur standen wir vor einer äußerst komplexen Aufgabe. Wir mussten die Finanzfunktionen und -prozesse all unserer Bankprodukte, den Datenhaushalt mit der Anbindung der Front- und Backoffice-Systeme und die Buchungs- und Bewertungsfunktionen sowie die Reportingfunktionen analysieren, konzipieren und implementieren. Das ist sehr zeitaufwändig. Außerdem muss die GFA-Plattform in der Lage sein, eine sehr große Vielzahl von Schnittstellen zu bedienen und enorme Datenmengen zu verarbeiten. Diese riesigen Datenmengen müssen über Nacht verbucht werden, das stellt höchste Anforderungen an die Systemperformance. Erreicht haben wir das, weil wir gemeinsam mit SAP erstmals die Hana-Technologie, ein hoch performantes, innovatives Datenbanksystem eingeführt haben.‎ All dies musste entwickelt und kontinuierlich getestet werden, um die fachliche Korrektheit sowie die technische Robustheit zu gewährleisten.

In Summe waren durchschnittlich 300 Mitarbeiter von der Fachseite, der IT sowie externer Partner an diesem Gesamtprojekt beteiligt. Allein diese Zahlen belegen, wie aufwändig dieses Programm war.“

Welche Auswirkungen ergeben sich durch die GFA-Plattform und wie geht es danach weiter?

Seit Oktober 2015 arbeitet die Commerzbank bereits mit und auf der GFA-Plattform. Mit dem Jahresabschluss 2015 hat das Projekt schließlich seine Feuertaufe bestanden und wir streben die Weiterentwicklung unserer Finanzarchitektur an. Ziel für uns ist es, alle Daten, das heißt auch Risikodaten, von dieser einen Plattform zu beziehen. Daher arbeiten wir alle, die Finanz-, Risiko- und IT-Funktion bereits eng im Projekt Safir (Strategische Architektur Finanz und Risiko), um im nächsten Schritt die Daten internationaler Tochtergesellschaften integrieren zu können.

Beeindruckend – vielen Dank, Herr Müller.aj

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