STRATEGIE5. Mai. 2016

Mobile Payment: Erfolgsfaktoren, die zu mehr Akzeptanz führen – Payback macht es richtig!

Alexander von Franckenstein, CBDO der UMT AGUMT AG
Alexander von Franckenstein, CBDO der UMT AGUMT AG

Allen modernen Technologien zum Trotz bleibt Deutschland eine Bargeld-Hochburg. Zwar verkünden viele Banken und FinTechs, dass das Bargeld in Zukunft verschwinden und das mobile Bezahlen die Regel werden wird, doch die Realität sieht noch anders aus: 53 Prozent aller Zahlungen werden laut aktuellsten Bundesbankzahlen bar getätigt. Bezahlen mit dem Handy findet sich unter „Sonstiges“ mit gerade einmal fünf Prozent.

von Alexander von Franckenstein, CBDO der UMT AG

Warum ist die Akzeptanz für mobiles Bezahlen trotz der zahlreichen Technologien so gering? Gründe hierfür sind vermutlich in erster Linie immer noch Sicherheitsbedenken bei der Nutzung des Smartphones für Geldgeschäfte, aber auch Berührungsängste bei der Technik und Bedienung. Zudem gibt es einfach zu viele unterschiedliche Anbieter, die alle ihr eigenes Modell etablieren wollen.

Die Frage ist nun: Welche Faktoren spielen eine entscheidende Rolle, um die Akzeptanz von Mobile Payment zu erhöhen?

1. Kombination aus Loyalty und Payment anbieten

Mobile Payment muss mehr sein als bloßes Bezahlen – Bezahlmöglichkeiten gibt es bereits zur Genüge. Um die Gewohnheiten des Verbrauchers zu verändern, muss ihm ein starker Anreiz gegeben werden, mobil zu bezahlen. Ein solcher Anreiz wäre das Zusammenlegen von Loyalty/Bonus-Programmen mit dem Bezahlvorgang.

Mobile Payment muss so attraktiv werden, dass es die Gewohnheit des Verbrauchers verändert. Ohne echten Mehrwert wird dies jedoch nicht geschehen.“

An der Kasse müssen Kunden häufig zwei Karten zücken: Zuerst die Bonuspunkte-Karte (z.B. PAYBACK, Miles & More etc.) und danach noch die EC-Karte. Könnten diese zwei Schritte in einem zusammengefasst und auch noch die PIN-Eingabe mit einem Fingerscan ersetzt werden, dann wäre die Abwicklung des Bezahlvorgangs deutlich schneller und komfortabler. Für Händler wie für Verbraucher ein Vorteil.

Die Schaffung eines noch höheren Anreizes könnte, insbesondere beim Start, durch die Vergabe zusätzlicher Bonuspunkte oder Rabatte für mobile Zahlungen erreicht werden. Zusatzdienstleistungen wie die bereits teilweise eingeführten (z.B. bei Edeka) Bargeldauszahlungen an der Kasse erhöhen dabei die Attraktivität.

2. Maximale Ausschöpfung & Optimierung von Vertriebskanälen

Die maximale Ausschöpfung der bestehenden Vertriebskanäle wie der Point of Sale oder Onlinehandel sowie die Erschließung neuer Kanäle wie beispielsweise Werbeplattformen & Kataloge spielen für Händler eine enorme Rolle. Ziel dabei ist es, aus jedem Kaufimpuls eine erfolgreiche Kauftransaktion zu generieren und dadurch die Umsatzerlöse signifikant zu erhöhen. Hierbei spielen die meisten Händler einen großen Vorteil des mobilen Bezahlens noch gar nicht aus: Das Bezahlen muss nicht zwangsläufig an der Kasse stattfinden. Das Handy ermöglicht unter anderem, den in einem Printmagazin hinterlegten QR-Code zu scannen und damit nicht nur das beworbene Produkt sofort zu bestellen, sondern auch gleich zu bezahlen.

Spontane Käufe bräuchten dann nur noch einen Schritt und man spart sich dabei den Umweg über den klassischen Bestellvorgang im Online-Shop mit entsprechend langem Bezahlprozess.“

Einen großen Vorteil bietet Mobile Payment beim Online-Shopping, indem der Check-out-Prozess deutlich verkürzt werden kann. Anstatt bei jedem Händler immer wieder die eigenen Login-Daten sowie die entsprechende Adresse und Bankverbindung anzugeben, sind Verbraucher jetzt in der Lage, einfach das Handy an den Bildschirm zu halten und in wenigen Sekunden sowohl entsprechende Rechnungs- und Lieferadresse zu übermitteln, als auch ganz bequem zu bezahlen. Aus gefühlt zehn Schritten würde somit ein einziger und die Abbruchquote würde zur Freude der Händler enorm sinken. Die Technologie ist längst dazu in der Lage, nur die Händler setzen diese noch nicht entsprechend ein. Die Sicherheit ist durch einen Fingerscan ebenfalls gewährleistet und kann auch auf Wunsch sogar mit einer PIN ergänzt werden. Durch diese doppelte Verifikation wäre das Bezahlen mit Handy noch sicherer als die EC-Karte. Weitere Vorteile für den Händler sind eine Optimierung der Logistik und Lagerhaltung.

3. Strategische Kooperationen & Reichweite schaffen

Sven Korschinowski von der Beratungsgesellschaft KPMG fasste das Problem im Mobile Payment so zusammen: „Gerade Start-Ups müssen einen echten Mehrwert schaffen und Reichweite bieten.“ Und genau hier ist der Knackpunkt: Reichweite.

Alexander von Franckenstein
Foto_Alexander-von-Franckenstein-516Alexander von Franckenstein ist Chief Business Development Officer der UMT AG. Er verantwortet die strategische Geschäftsentwicklung und treibt die Innovation des FinTech-Unternehmens voran.

Der Diplom-Wirtschafts­wissen­schaft­ler war zuvor als erfolgreicher Manager beim Family Office Focam und den Privatbanken Julius Bär und Sal. Oppenheim tätig.

Verbraucher springen auf den Mobile Payment Zug unter anderem nicht auf, weil sie in jedem Geschäft wieder umsteigen müssen. Andere Händler, andere App – darauf haben die Nutzer keine Lust. Verbraucher wollen eine gewisse Reichweite und Abdeckung sowie einen zusätzlichen Mehrwert.

Ein sehr positives Beispiel ist hier PAYBACK. Mit seinen 28 Millionen Kunden und über 650 Partnern ist PAYBACK Deutschlands führendes Bonusprogramm und gleichzeitig die größte Multichannel-Marketingplattform. Dass PAYBACK ab Juni 2016 eine mobile Bezahlfunktion innerhalb der neuen Shopping App einführt, macht somit Sinn – bestehende Reichweiten und Kooperationen werden genutzt.

Fazit: Die Händler sind gefragt

Mit diesen drei Faktoren könnte der mobile Bezahlmarkt an Schwung gewinnen und die Prophezeiungen der Branchenexperten würden dann in Erfüllung gehen. Doch jetzt sind die Händler gefragt: Es ist in erster Linie ihre Aufgabe, das Bezahlen mit dem Handy so schmackhaft zu machen, dass es auch genutzt wird. Die Technologie ist schon längst so weit, nur der Handel noch nicht.

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