STUDIE21. Okt. 2014

Mythos Full Service: Im Wertpapiergeschäft sind Kunden offen für Outsourcing

KWF, pinkypills/bigstock.com
KWF, pinkypills/bigstock.com
Deutsche Banken halten im Wertpapiergeschäft am Full-Service-Angebot fest und verschenken dadurch Kostensenkungspotenziale – sagen die Berater von KWF Business Consultants. Ihrer Studie zufolge seien 84 Prozent der Institute der Meinung, ein Full-Service-Angebot wäre ein maßgebliches Qualitätsmerkmal im Wertpapiergeschäft. Doch die Institute würden den „Alles aus einer Hand“-Anspruch der Bankkunden überschätzen.

Deutliche 80 Prozent der Banken gehen davon aus, dass ihre Kunden nur Dienstleistungen aus einer Hand akzeptieren. Doch auch das sei eine Fehleinschätzung – zeige die aktuellen Studie, die KWF unter Banken und Sparkassen zur Zukunft des Wertpapierdepotgeschäfts durchgeführt hat.

Aufgrund steigender aufsichtsrechtlicher Anforderungen (unter anderem MiFID II, Basel III, AnsFuG), strengerer Verbraucherschutz-Richtlinien und einem zunehmenden Verdrängungswettbewerb – etwa durch neue Marktteilnehmer – wird der Kostendruck für die Kreditinstitute stärker. Ein bewährtes Instrument zur Kostenreduzierung ist das Outsourcing von Dienstleistungen. Großes Einsparpotenzial sehen die für die KWF-Studie befragten Anbieter zum Beispiel im Wertpapiergeschäft, und dort am meisten im Portfoliomanagement (52 Prozent). Darüber hinaus gelten die Wertpapierabwicklung/-verwahrung (48 Prozent), die technisch-administrative Depotführung (47 Prozent) und die juristische Depotführung (41 Prozent) als lukrative Outsourcing-Bereiche.

Depotführung bietet lukratives und vergleichsweise risikoarmes Outsourcing-Potenzial

Einschätzung des Effizienzpotenzials KWF
Einschätzung des eigenen Effizienzpotenzials KWF
 „Im Bereich der Depotführung sollten die Institute unbedingt Outsourcing-Potenziale prüfen, denn hier besteht grundsätzlich Akzeptanz seitens der Kunden“, sagt Christian Kistler, Partner von KWF Business Consultants. „Durch die damit verbundene Zentralisierung von Verwaltungs- und Back-Office-Leistungen lassen sich nachweisbar Skalierungsvorteile erzielen, die sich langfristig positiv auf die Kosten auswirken.“

Wie eine aktuelle Befragung des Beratungsunternehmens unter Bankkunden zu den wichtigsten Auswahlkriterien für Wertpapieranbieter zeigt, sind geringe Gebühren (für 65 Prozent „sehr wichtig“) und ein fester Ansprechpartner (40 Prozent) den Kunden deutlich wichtiger als Anlageberatung und Depotverwaltung aus einer Hand (32 Prozent).
Konkret planen 14 Prozent der für die Marktstudie befragten Institute bereits die Auslagerung der technisch-administrativen sowie juristischen Depotführung. 49 Prozent haben die technisch-administrative Depotführung nach eigenen Aussagen bereits outgesourct, 28 Prozent die juristische Depotführung. Jüngstes Beispiel sind die Sparkassen, die aktuell prüfen, ob sie die Wertpapierdepots ihrer Kunden künftig von der Dekabank verwalten lassen – wobei die Deka der deutschen Sparkassen-Finanzgruppe angehört.

„Entscheidend bei der Auslagerung von Dienstleistungen im Bereich Depotführung ist die aktive und transparente Kundenkommunikation“, sagt KWF Outsourcing-Experte Christian Kistler. „Die Kunden müssen informiert werden, was die neue Vertragsbeziehung bedeutet, und zwar: gleich bleibend attraktive Konditionen, gute Produkte und Beratung, keine Erhöhung der Risiken für das Vermögensmanagement.“ Konkret befragt nach ihrer Reaktion auf ein Outsourcing ihres Wertpapieranbieters im Bereich der Depotführung, antwortete die
Mehrheit der Bankkunden, sie würden diesen Schritt akzeptieren, sofern ihnen keine Nachteile entstehen.

Weiterer Trend: Produktstandardisierung bei Depotvolumen unter 50.000 Euro

Outsourcing führt zu KundenverlustKWF
Outsourcing führt zu KundenverlustKWF
Die befragten Bankmanager sehen noch eine weitere Möglichkeit, Kosten zu senken: 71 Prozent denken darüber nach, Kunden mit einem Wertpapierdepotvolumen von unter 50.000 Euro künftig komplett standardisierte Produkte anzubieten. 47 Prozent können sich sogar vorstellen, dafür White Label Lösungen eines Kooperationspartners in Anspruch zu nehmen. „Da die Rentabilität im Wertpapiergeschäft in den nächsten Jahren voraussichtlich weiter sinken wird, sollten die Institute zügig die Umsetzung dieser Gedankenspiele prüfen“, sagt Christian Kistler von KWF Business Consultants. „Hier kommt es darauf an, einen verlässlichen, leistungsstarken Kooperationspartner mit hochprofessionellen Prozessen zu finden.“

Die Studie „Die Zukunft des Wertpapierdepotgeschäfts für Privatkunden“ wurde im Auftrag der KWF Business Consultants im Sommer 2014 durchgeführt. Befragt wurden Führungskräfte von in Deutschland tätigen Banken und Sparkassen. Es haben 34 Institute an der Befragung
teilgenommen.

Die parallel durchgeführte Studie „Depotführung im Privatkundengeschäft“ stellt die Ergebnisse einer Bevölkerungsbefragung dar, die im Auftrag der KWF Business Consultants durchgeführt wurde. Befragt wurden 1.000 Bundesbürger ab 18 Jahren, die Ergebnisse sind repräsentativ hochgerechnet.

Die Studien können per Mail an KWF-Marktstudie@zukunft-wertpapierdepot.de angefordert werden.

Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
http://www.it-finanzmagazin.de/?p=5159
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