KOMMENTAR25. Jul. 2016

number26 wird als N26 mit Banklizenz deutlich gefährlicher – nicht normaler

Maik KlotzMaik-Klotz
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Mit einer Finanzierung von 40 Mio. Euro und jetzt mit eigener Banklizenz gilt N26 aka Number26 als Vorzeige-FinTech Nummer Eins. Auf der anderen Seite steht kaum ein Startup so stark unter Beobachtung wie das FinTech aus Berlin, und jede Aktivität wird kritisch beäugt und kommentiert. Denn spätestens nach der desaströsen Unternehmenskommunikation nach Kündigung von 400 Kunden wegen zu häufigem Bargeld abheben genießt N26 keinen Welpenschutz mehr. Das ist gut so, denn N26 spielt mit der eigenen Banklizenz in einer anderen Liga und da sind die Spielregeln andere. Aber: Zu glauben, das N26 mit der eigenen Banklizenz nun eine klassische Bank wird, ist gefährlich. Mit der Banklizenz wird N26 noch gefährlicher für die traditionellen Banken. Eine Bestandsaufnahme mit Ausblick.

von Maik Klotz

Innerhalb weniger Monate hat Number26 mit über 200.000 Nutzern für einen Achtungserfolg gesorgt. Gemessen an den Nutzerzahlen der etablierten Banken spielt N26 noch im homöopathischen Bereich und trotzdem hat das FinTech einen Nerv getroffen, was auch das Investment von knapp 40 Millionen Euro zeigt. 200.000 Kunden in etwas mehr als einem Jahr zu generieren, ist auch für Sparkasse, Volksbank und Co. eine Nummer, die man nicht weglächeln kann.

N26 steht immer wieder in der Kritik

Als Number26 vor rund fünf Wochen knapp 400 Kunden das Konto wegen missbräuchlicher Nutzung kündigte, führte das zu einem Shitstorm. Kaum ein Nachrichtenportal, das nicht über diesen Vorfall berichtet hätte. Zuvor stand N26 wegen den kontaktlosen Kreditkarten in Kritik, die man (wie viele andere Karten auch) auslesen konnte. Auch die jetzt eingeführte Fair Use Policy und das neue Konto „N26 Flex“ wird nicht unkommentiert gelassen. N26 ist auch nicht besser als die Bestandsbanken, so der Tenor. Nur scheint es der Nutzer nicht so zu sehen.

Banking Manufaktur

Nichts was N26 bietet kann nicht auch mit einem Konto der Sparkasse oder Volksbank erledigt werden. Zwar ist N26 kostenlos, das sind viele andere Konten auch. Wenn man sich die jüngst eingeführten Preise für Bargeldabhebungen anschaut, sind die Konditionen bei N26 schlechter als bei vielen anderen Produkten. Im Grunde ist N26 ein einfaches Girokonto und auch wenn weitere, kontonahe Dienste geplant sind, ist N26 funktional recht überschaubar.

Und trotzdem entscheidet sich eine signifikante Anzahl von Kunden für das Produkt, ohne das zur Primetime TV-Werbung geschaltet wurde.“

Im Appstore steht N26 zwar deutlich hinter den ganz großen Banken, aber immerhin vor der Targobank und der Comdirect. Um den Hype um N26 zu verstehen, muss man sich anschauen, wie das Produkt konzipiert ist.

Autor Maik Klotz
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Maik Klotz ist als Senior Consultant in der Payment und Banking Branche tätig mit Schwerpunkt digitale Transformation. Er hat über viele Jahre in der Produktkonzeption bei einem der größten OnlineBanking-Hersteller in Deutschland gearbeitet. Maik Klotz ist Speaker und freier Autor zu den Themen Mobile Payment, Mobile Loyalty, Mobile Wallet, Online-Banking und Design Thinking und gehört zu den einflussreichsten Impulsgebern der Deutschen TinTech-Szene. Maik Klotz ist Jahrgang 1975. Sie finden Maik Klotz auf XING oder Twitter.
N26 positionisiert sich nicht als Bank, sondern als Banking-Manufaktur. N26 wird nicht als industriell hergestelltes Produkt vertrieben, sondern als ein mit viel Liebe zum Detail entwickeltes Werkzeug. Im Kern mag N26 ein Banking-Produkt wie jedes andere sein, die Art und Weise wie das Produkt positioniert und konzipiert ist, unterscheidet sich massiv von herkömmlichen Giro-Produkten. N26 ist ein emotionalisiertes Produkt und adressiert die Bedürfnisse der Nutzer, in dem man verspricht, ein finanzielles zu Hause für alle Finanzen und Versicherungen zu bieten und für Transparenz sorgt, indem man proaktiv über Finanztransaktionen informiert. Das bieten im Grunde auch andere Anbieter, aber nicht in der Einfachheit und einem nutzerzentrierten Design. N26 hat erkannt, wie wichtig Design und Usability ist und setzt es entsprechend um.

Der Unterschied zwischen Banken und Banken

Wenn Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) sagt „Die Zeit von kostenlosen Girokonten ist vorbei“, hat das eine andere Wirkung auf den Nutzer, als wenn N26 die Fair-Use-Policy einführt, die im Grunde nichts anderes ist als sich einen bei anderen Banken kostenlosen Service bezahlen zu lassen. Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Das die Nutzer augenscheinlich kein Problem damit haben, für diverse Leistungen zu bezahlen, hat damit zu tun, das N26 nicht als klassische Bank wahrgenommen wird.

Was Island bei der EM war, ist N26 in der Bankbranche.“

Ein Underdog, den man schon alleine deshalb sympatisch findet, weil eben nicht die großen Teams immer alles abbekommen sollen. Island hatte bis zum Viertelfinale 12 gelbe Karten und 68 Fouls, der Sympathie um das Team tat das kein Abbruch. Wenn N26 Kunden mal eben so kündigt und danach dann Gebühren einführt mag das kein Fair-Play sein, aber es reicht im übertragenen Sinne immerhin fürs Viertelfinale. Island wird Fußball weiter vorantreiben und verbessern. N26 macht das gleiche im Banking.mk

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