DAS PAYMENT-DOSSIER28. Dez. 2014

Payment Dossier 2014/2015: Banken im Wandel

SeanPavonePhoto/bigstock.com
SeanPavonePhoto/bigstock.com

2014 war aus Sicht des Banking ausgesprochen ereignisreich. Das gilt in besonderer Weise für die zweite Jahreshälfte. Einige Ereignisse sind von so markanter Natur, dass ihre Wirkung bis weit ins nächste Jahr und darüber hinaus zu spüren sein werden. Die Banking-Bilanz und Prognose für 2015.

Von Ralf Keuper

Denn was ist ein großes Ereignis? Nicht das, welches für kurze Zeit den größten Lärm macht, sondern, das, welches die meisten und wichtigsten Konsequenzen hat. Konsequenzen treten nicht immer sofort auf, sie hängen von der Zeit ab.“

Historiker Fernand Braudel – Geschichte als Schlüssel zur Welt

Apple-PayEs war wohl das entscheidendste Datum des Jahre 2014:
der 9. September, als Tim Cook während der Vorstellung des iPhone 6 – nebenbei – die mobile Bezahllösung Apple Pay präsentierte. Noch wenige Tage zuvor war von verschiedenen Seiten zu hören und zu lesen, dass es sich dabei lediglich um eine weitere Marketing-Aktion handeln und am Schluss nur ein zusätzliches Feature vorgestellt werden könnte.

Dem war, wie wir heute wissen, nicht so. Zwar ist Apple Pay nicht „die“ Killer-App, die den Mobile Payments binnen weniger Wochen oder Monate zum Durchbruch verhelfen wird, jedoch hat sich das Bild der Branche seitdem grundlegend gewandelt. Was zuvor noch in weiter Ferne lag, die Entwicklung einer bedienungsfreundlichen und sicheren Lösung, war auf einmal Realität.

Montage: So könnte der Einsatz der girogo-Karte aussehenApple.com, DSGV, ITFM
Montage: So könnte der Einsatz der girogo-Karte aussehenApple.com, DSGV, ITFM

Apple Pay war nur der Startschuss

Wie weit der Arm Apples im Banking inzwischen reicht, wurde offensichtlich, als Informationen über die Konditionen zwischen Apple und den großen Banken wie auch den Kreditkartenunternehmen bekannt wurden. Demzufolge sind die Banken und Kreditkartenunternehmen bereit, Apple Sonderkonditionen einzuräumen. Doch damit nicht genug: Die Banken sind sogar willens, Transaktionsgebühren an Apple für die Verwendung der Kreditkarten zu zahlen. Selbst in Deutschland rennen zumindest DSGV und BVR Apple vorsorglich die Türen ein.

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Als hätte es nur dieses Signals bedurft, wurden auf einmal fast täglich Meldungen von neuen mobilen Bezahllösungen bekannt, die kurz vor der Markteinführung stehen. Der prominenteste Vertreter dürfte CurrentCvon MCX, der Dachorganisation einiger der größten Einzelhandelskonzerne der USA, darunter Wal Mart, sein. Anders als andere Anbieter, ist das Konsortium hinter und um CurrentC nicht bereit, Apple Pay an seinen Kassenterminals zu unterstützen, weshalb in einigen Medien vom „Krieg der Titanen“ gesprochen wurde.

Alipay und Apple verhandeln – schon das hat Konsequenzen

Unterdessen wurde Apple bei der Suche nach neuen Verbündeten im Reich der Mitte fündig. Kein geringerer als Alipay, einer der größten Anbieter und Abwickler von Online-Zahlungen weltweit, zeigte Interesse an einer Zusammenarbeit mit Apple Pay. Seitdem laufen intensive Gespräche, in die auch die größte Kreditkartenorganisation der Welt, Union Pay, eingebunden ist. Sollte Apple der Einstieg in den chinesischen Markt gelingen, wäre das ein Ereignis mit Folgen weit über das Reich der Mitte hinaus.

Aber auch andere Anbieter haben in den letzten Monaten ihren Hut in den Ring geworfen; darunter Snapchat, Venmo/Braintree (beides PayPal-Tochterunternehmen), Line sowie in Deutschland Payfriendz und Elopay. Die großen Messagingdienste wie Line und Snapchat ebenso wie Elopay setzen dabei nicht nur auf den reinen Bezahlvorgang, sondern reichern ihr Angebot mit diversen Informationsdiensten an.

Deutsche Kreditwirtschaft spielt auf Zeit?

In Deutschland spielen die Banken dagegen auf Zeit. Erst Ende des kommendes Jahre, so ließ der Verband der Deutschen Kreditwirtschaft verlauten, könne man den ersten Entwurf einer mobilen Bezahllösung vorstellen.

Banken bald nur noch API-Anbieter?Fidor Bank
Banken bald nur noch API-Anbieter?Fidor Bank

Das wurde in der Branche nicht nur mit Erleichterung aufgenommen. In den Betriebswirtschaftlichen Blättern der Sparkassenfinanzgruppe sprach Professor Hans-Gert Penzel von der Gefahr, die Banken und Sparkassen könnten auf die Rolle reiner, austauschbarer Infrastrukturanbieter reduziert werden.
In den anderen europäischen Ländern, wie Polen, Schweden, Österreich und Norwegen haben die Banken bereits eigene mobile Bezahllösungen entwickelt und erfolgreich am Markt platziert.

Digitale Ökosysteme breiten sich im Banking aus

Derweil bauen Apple, Amazon, Alibaba & Co. munter an dem Ausbau ihrer digitalen Ökosysteme. Dabei scheuen sie auch nicht vor Kooperationen mit direkten Wettbewerbern zurück, wie am Beispiel Apple und PayPal deutlich wird. Apple lässt in seinen Online-Shops PayPal als Bezahlverfahren nicht nur zu, sondern bietet über PayPal Direct auch die Möglichkeit des Ratenkaufs an. Bis auf weiteres will Apple für das Angebot keine Zinsen verlangen.

Ein weiterer Paukenschlag war die Gründung einer der wohl größten Finanzgruppen außerhalb des klassischen Bankensektors. Gemeint ist Ant Financials, der, wenn man so will, Finanzarm von Alibaba und Alipay. Mittlerweile sind auch Tencent und Baidu dem Beispiel gefolgt und haben Banklizenzen beantragt. Tencent konnte Mitte Dezember mit Stolz verkünden, die Zustimmung der chinesischen Regulierungsbehörden für das Betreiben einer privaten Bank erhalten zu haben. Neben Baidu befinden sich noch weitere chinesische Internetkonzerne in der Warteschleife.

FinTech-Startup-Szene in Deutschland erreicht neue Dynamik

André M. Bajorat, Geschäftsführer der figo GmbH
André M. Bajorat, Geschäftsführer der figo GmbH

Noch Endes des vergangenen Jahres war die FinTech-Startup – Szene in Deutschland im europäischen Vergleich nur ein Schattengewächs. Seitdem hat die Zahl der FinTech-Startups in Deutschland sprunghaft zugenommen. André Bajorat kam bei seiner letzten Zählung auf 145 FinTech-Startups. Inzwischen dürften es noch einige mehr geworden sein. Das FinTech-Startup – Ökosystem in Deutschland hat in kurzer Zeit einen hohen Reifegrad erreicht. Noch ist Berlin die Hochburg der FinTech-Startups. Diese Rolle versucht Frankfurt der Spree-Metropole streitig zu machen. Gegen Mitte des Jahres rief die Commerzbank hierfür den Mainincubator ins Leben. Mit Veranstaltungen wie Between the Towers will man den Status Frankfurts als FinTech-Metropole untermauern.

Main Incubator GmbH
Main Incubator GmbH

Viele Banken haben in den letzten Monaten ihre Vorbehalte FinTech-Startups gegenüber abgelegt und suchen, wie die Commerzbank mit dem Mainincubator, deren Nähe oder gründen, wie die Deutsche Bank, ein Innovationszentrum. Aber auch die wesentlich kleinere Sutor Bank aus Hamburg verfolgt einen ausgesprochen innovativen Ansatz, was die Zusammenarbeit mit FinTech-Startups angeht. Es setzt sich die Devise: „Wir holen uns FinTechs als R&D“ durch. Einige FinTechs legen es auch ganz offen darauf an, in Banken integriert zu werden.

Digitale Währungen und die Blockchain-Technologien sind mehr als nur ein vorübergehendes Phänomen

Bild: Tsokur Julia/Bigstock.com
Tsokur Julia/Bigstock.com

Ein großes Thema waren in diesem Jahr, wie wohl nicht anders zu erwarten, die digitalen Währungen mit Bitcoin als der Galionsfigur. Und wie stellt es sich aus Bankensicht dar? Die Eindrücke, die man sammeln konnte, sind gemischt. Einerseits sind die Fortschritte, was die Verbreitung angeht, nicht zu übersehen, andererseits aber sind die Fragen der Sicherheit noch immer nicht zufriedenstellend gelöst. Mitte des Jahres sah es so aus, als könne Ripple, das sich als Brückenwährung versteht, den Graben zwischen alter und neuer Welt überwinden helfen. Seitdem kommt das Projekt jedoch nicht so richtig vom Fleck, wenngleich immer neue strategische Partnerschaften bekannt gegeben werden. Irritierend waren auch Meldungen, die im Zusammenhang mit dem Ausscheiden der Gründer in den Medien erschienen.
Nun will die EBA zwar virtuelle Währungen bei Banken wegregulieren, die Kunden wird das aber nicht daran hindern mit virtuellen Währungen zu zahlen – dann halt ohne Banken.

Auffallend einig sind sich viele Beobachter bei der Bewertung der Zukunftschancen der Blockchain-Technologie, die quasi das technologische Rückgrat von Bitcoin bildet. Hier werden in den nächsten Jahren noch Verwendungsmöglichkeiten auftauchen, die wir uns derzeit kaum oder gar nicht vorstellen können. Nebenbei wächst die Zahl prominenter Unterstützer von Bitcoin wie Microsoft, das für seine Neuerwerbung Minecraft Zahlungen in Bitcoins akzeptiert.
Florian Brenneis glaubt bereits die ersten Digital Money Natives gesichtet zu haben. Die heranwachsende, sich noch im Grundschulalter befindliche Generation, sei schon so mit den Gepflogenheiten des Netzes und digitaler Währungen vertraut, dass hier im Gegensatz zu den Altvorderen keine Überzeugungsarbeit mehr nötig sei. Im Gegenteil: Man wird große Mühen aufwenden müssen, sie mit den vermeintlichen Vorzügen des Bar- und Buchgeldes vertraut zu machen.

diego cervo/bigstock.com
diego cervo/bigstock.com

Medialisierung führt zu neuen
Sprach- und Symbolwelten im Banking 

Dertiefgreifendste Wandel in den nächsten Jahren im Banking wird weniger von der Digitalisierung, sondern von der Medialisierung des Bankgeschäfts ausgehen. Damit ist gemeint, dass sich durch die veränderte Mediennutzung vor allem der jüngeren Generationen auch das Verhältnis zu den Banken als Institution wie überhaupt zum Banking verändern wird. Schon jetzt lässt sich die Entstehung neuer Sprach- und Symbolwelten im Banking beobachten, die mit den vertrauten, aus der alten Welt stammenden nur noch wenig zu tun haben. Der Begriff Bank wandelt sich. Die Banken werden mit einem Kultur-und Sprachproblem konfrontiert.

Rolle der Banken in Wirtschaft und Gesellschaft vor tiefgreifendem Wandel

Das Bild und die Rolle der Banken werden sich ändern. Es dürfte nur sehr wenigen Häusern gelingen, den zahlreichen äußeren Einflüssen, die in diesem Ausmaß wohl historisch zu nennen sind, erfolgreich Paroli zu bieten.

Autor Ralf Keuper
Ralf Keuper ist Bank- und Diplomkaufmann. Bild: Xing
Blog-Autor Ralf Keuper privat

Dossier-Autor Ralf Keuper ist seit über 15 Jahren als Berater im Banking tätig. Der Studierte Bank- und Diplomkaufman hat unter anderem als Senior Consultant Banking bei der COR&FJA AG und Senior Consultant Banking & Financing bei Steria Mummert Consulting AG gearbeitet. Neben seiner Beratertätigkeit verfasst Ralf Keuper Technologie-Dossiers für das IT Finanzmagazin und gibt das Bankstil-Blog heraus.

Es ist gut möglich, dass es als Folge oder Begleiterscheinung davon zu eine Rückbesinnung auf das eigentliche Kerngeschäft einer Bank kommen wird. Von besonderer Bedeutung ist dabei das Thema Sicherheit. In den nächsten Jahren dürften Fragen der Datensicherheit, der Verwertung von Daten und der Datenidentität die öffentliche Diskussion prägen. Banken können hier mit ihrer Expertise und Reputation punkten und sich als Treuhänder für die digitalen Vermögenswerte ihrer Kunden präsentieren.

Mehr Chancen als Risiken

Die Banken werden in den nächsten Jahren nicht verschwinden. Wohl aber wird sich ihre Rolle für die Wirtschaft und Gesellschaft wesentlich wandeln. Neben den Risiken sollten dabei die Chancen nicht übersehen werden. Auch wenn einige Geschäftsfelder an neue Mitbewerber gehen, so bleiben für die Banken noch genügend Bereiche über, in denen sie ihre Expertise einbringen können.

Ihre alte Bedeutung werden Banken verlieren – die cleveren könne dafür eine neue bekommen.

Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
http://www.it-finanzmagazin.de/?p=7564
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