MOBILE PAYMENT11. Mrz. 2015

Reality Check: Google, Apple, Samsung – kommt Mobile Payment 2015?

Quelle: SIX Payment-Services
Quelle: SIX Payment-Services

2015 kommt der Wettlauf um die Dominanz im Mobile Payment in die heiße Phase – was machen die Big Player? Nachdem Apple Pay seinen mobilen Bezahldienst Ende letzten Jahres veröffentlichte, zieht Samsung nach: Samsung Pay soll (laut mobiflip.de) für Händler kostenlos sein. Google will im Mai die neuen Pläne zur Google Wallet vorlegen und im Sommer „Android Pay“ auf den Weg bringen. Sascha Breite, Head Future Payments beim Payment-Spezialisten SIX Payment Services, macht den Reality Check.

Mobile Payment ist eines der großen Themen für Händler 2015. Laut BITKOM wollen etwa ein Drittel aller Smartphone-Nutzer gerne mobil mit ihrem Handy bezahlen können – im Restaurant und Café dagegen nur sieben Prozent. „In Zukunft wird die Mobile Wallet die Geldbörse komplett ersetzen“, ist sich BITKOM-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder dennoch sicher. In der Praxis fehlten lediglich Akzeptanzstellen für bargeldlose Zahlungen mit dem Smartphone.

Smartphone-Hersteller sollen dominieren

Doch welche Bezahlart soll die Geldbörse samt Plastik- und Münzgeld ablösen? Eine Umfrage von SIX Payment Services im Februar 2015 unter 199 Besuchern der EUROCIS, der Messe für Groß- und Einzelhändler, zeigte: 50 Prozent der Händler sehen NFC als den technologischen Nachfolger des Bargelds, in erster Linie in Form von kontaktlosen Kartenzahlungen und App-Payment (24 Prozent). Das von Google experimentell eingeführte Peer-to-Peer-Bezahlsystem per Email halten nur 13 Prozent der Befragten für zukunftsfähig – für wahrscheinlicher halten die Händler eher andere Dienste, die noch nicht bekannt geworden sind (19 Prozent).

Smartphone-Hersteller wie Apple, Samsung und Co. werden die Richtung von Mobile Payment bestimmen, sagen 43 Prozent der Befragten. Software-Riesen wie Google werden diese Auseinandersetzung verlieren; weniger als ein Drittel glaubt an deren Sieg.

Mobile Payment in den USA bisher nicht erfolgreich

Das Payment per Apple iPhone6 nutzt ein "Secure Element" in dem Kartendaten gespeichert sind.VISA
Das Payment per Apple iPhone6 nutzt ein „Secure Element“ in dem Kartendaten gespeichert sind.VISA

Google experimentiert bereits seit 2006 mit alternativen Zahllösungen, damals noch unter dem Namen Checkout. Seit 2011 führt Google mit Wallet diesen Versuch weiter, bisher jedoch ohne großen Erfolg. Im Mai 2013 wollte der Software-Gigant seine Bezahllösung mit seinem Emaildienst Gmail verschmelzen, konnte sich jedoch damit nicht durchsetzen.

Jüngste Bestrebungen waren laut TechCrunch die Übernahmeversuche des mobilen Bezahldienstes Softcard sowie geplante Kooperationen mit US-Mobilfunkanbietern. Verhandlungen mit VISA und Mastercard waren laut Wall Street Journal nicht erfolgreich. Bisher scheint es also, als könne Google der Coup nicht gelingen; im Mai soll die neue Strategie für Google Wallet auf der internen Entwicklerkonferenz I/O vorgestellt werden.

Apple wird boykottiert, Samsung setzt auf alte Technik

Apple sprang drei Jahre nach Google auf den Mobile-Payment-Zug auf: im September 2014 wurde Apple Pay vorgestellt. Bisher ist der Ansatz vergleichsweise der erfolgreichste – Apple konnte bereits etliche Unternehmen, Banken und Kreditkartenanbieter zur Kooperation bewegen. Ein Konglomerat aus US-Handelsketten boykottiert Apples Versuche jedoch. Walmart, KMart, BestBuy und 7-Eleven wollen eine eigene Paymentlösung namens CurrentC durchsetzen.

Als weiterer großer Player steigt nun auch Samsung ins Mobile Payment ein. Mit dem Galaxy S6 will man den Konkurrent Apple einholen und setzt anders als bisherige Lösungen nicht nur auf NFC, sondern auch auf Magnetstreifen. Erst kürzlich hatte Samsung den Anbieter LoopPay übernommen, dessen Lösung angeblich bei zehn Millionen Händlern eingesetzt werden kann. Samsung Pay soll dank bereits existierender Magnetstreifentechnik bei 90 Prozent aller Händler sofort eingesetzt werden können – wenn man LoopPay glaubt. Samsung plant den Einsatz seiner Lösung zunächst in den USA und in Südkorea.

Geldbörsen vorerst behalten

Die großen Player im Smartphone- und Software-Markt haben Mobile Payment bisher nicht durchgesetzt. Samsung könnte 2015 Erfolg haben, hat jedoch Europa als Markt vorerst ausgeschlossen. In Deutschland gilt bei Händlern weiterhin die Sicherheit als größte Hürde, glauben 54 Prozent in der erwähnten Umfrage auf der EUROCIS. Ein Drittel nennt Shops ohne gute Mobile-Payment-Optionen als zweiten Grund für ein mögliches Scheitern. Wenn 2015 das Jahr des Mobile Payment werden sollte, dann nicht in Europa; hier müssen zunächst Vertrauen und Kooperationen aufgebaut werden. Bis dahin lohnt es sich, die Geldbörsen zu behalten.aj

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