STRATEGIE15. Mrz. 2016

Trade Stores: Die IT-Wunderwaffe für Banken in einer stark regulierten Welt?

Stefano Marmonti
Stefano Marmonti, DACH Sales Director bei MarkLogic MarkLogic

Kaum ein Monat vergeht, ohne dass eine weitere Bank eine saftige Geldstrafe von Regu­lierungs­be­hör­den erhält. Und die Geldstrafen sind nur ein Teil des Problems. Denn in diesem Zusammenhang fallen zusätzliche Kosten an: Kosten für Rechts­streitig­keiten (sollte man sich vor Gericht gegen die Geldstrafe wehren), Kosten hinsichtlich der Zeit, die Mitarbeiter benötigen, um die Probleme zu beheben, sowie die nicht unerheblichen  Kollateralschäden hinsichtlich der Marke. Sind Trade Stores als „Daten-Hub“ die IT-Lösung für verteilte Datensilos?

von Stefano Marmonti,
DACH Sales Director bei MarkLogic

Parallel dazu sind weitere Regelungen geplant, wie z. B. die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID II), die im Januar 2017 in Kraft tritt. Während MiFID II und andere regulatorische Anforderungen weitgehend von der Branche und der breiten Öffentlichkeit begrüßt werden, laufen viele Banken Gefahr, beim Inkrafttreten dieser Änderungen mehr schlecht als recht vorbereitet zu sein. Und die Aussicht auf entsprechend weitere Geldstrafen hängt wie ein Damoklesschwert über allem.

Aber der Druck aufgrund von Compliance-Vorgaben und ständig wechselnder regulatorischer Rahmenbedingungen muss kein wirkliches Problem sein. Denn bringen Banken ihre Datenlage jetzt in Ordnung, sind sie nicht nur vollends auf MiFID II vorbereitet, sondern auch auf alle anderen zukünftigen Regelungen.

Finanzdienstleister erkennen zunehmend, dass ein sogenannter Trade Store hierfür eine Lösung bietet: Mit diesem „Data Hub“ erhalten Unternehmen einen virtuellen Aktenschrank, der für alle Handelsvorgänge einer Bank eine zentrale Informationsquelle bietet – die oft zitierte „Single Source of Truth“. Hinter diesem Trade-Store-Konzept verbirgt sich ein System für die Verwaltung des gesamten Lebenszyklus von Handelsvorgängen: Jedes einzelne „Ereignis“ bei einem Handel oder Asset wird aufgezeichnet, was bedeutet, dass Wirtschaftsprüfer und Aufsichtsbehörden einfach nachvollziehen können, wie eine bestimmte Position erreicht wurde. Doch wie last sich so ein Trade Store realisieren?

Die IT-Herausforderungen für Banken lassen sich auf zwei Hauptfaktoren zurückführen: das Labyrinth von Datensilos und die traditionell bedingte Abhängigkeit von relationalen Datenbanken.“

Banken haben in der Regel viele einzelne Produktlinien und Handelssysteme, die bestimmte Informationen in getrennten Datensilos speichern. Die Flut von Fusionen und Übernahmen hat das weiter verschärft und zu noch mehr einzelnen Handelssystemen und Datensilos geführt, die irgendwie unter ein Dach gebracht werden müssen, um eine integrierte, konsolidierte Ansicht für Berichte und die Erfüllung gesetzlicher Vorschriften zu erhalten. Dies wird durch die Tatsache erschwert, dass bei Banken ständig Geld in Bewegung ist, um sich gegen bestimmte Positionen abzusichern.

Relationale Datenbanken als erster Schritt?

Einige Banken haben versucht, mit vorhandenen relationalen Datenbanken eigene Trade Stores aufzubauen – und sind gescheitert. Schuld daran ist die sich ständig wandelnde Natur, Vielfalt und Komplexität von Handelsdaten, die der Inflexibilität des schematischen, relationalen Modells zuwiderläuft. Mittlerweile wissen Banken, dass vorhandene relationale Datenbanken einfach nicht die notwendige Agilität bieten, um als zentrale Informationsquelle für alle Handelsvorgänge zu dienen.

In Ermangelung eines praktikablen Trade Stores auf Grundlage der vorhandenen relationalen Datenbanken haben sich viele Banken für eine Zwischenlösung entschieden: das Exportieren von Daten in eine Tabelle, die dann für die Berichterstellung dient. Bestenfalls lässt sich dieser Ansatz als kurzfristige, zeitaufwendige Notlösung bezeichnen – genauso könnte man ein Leck in einem Boot mit einem Heftpflaster flicken.

Doch Druck aus dem Unternehmen und von außen führt dazu, dass sich das Blatt wendet. Einige der größten Investmentbanken der Welt haben das Problem durch den Aufbau eines Trade Stores auf Grundlage einer Enterprise NoSQL-Datenbank-Plattform gelöst.

Nächster Schritt: NoSQL

Eine NoSQL-Datenbank ist flexibel, Schema-agnostisch und speziell für sich schnell verändernde, mehrfach strukturierte, komplexe Datenanwendungen vorgesehen – wie ein Trade Store. Wichtig dabei ist die Wahl der richtigen NoSQL-Datenbank. Open-Source-Varianten bieten z. B. nicht alle professionellen Funktionen, die Unternehmen benötigen – wie Unterstützung von ACID-Transaktionen, höchste Sicherheitszertifizierungen, Hochverfügbarkeit, Elastizität oder Skalierbarkeit und Disaster Recovery.

Stefano Marmonti
Portrait_Stefano_Marmonti-high-res-516Autor Stefano Marmonti, DACH Sales Director bei MarkLogic, beleuchtet eine mögliche Lösung hinsichtlich der zunehmenden und sich ständig ändernden Compliance-Vorgaben für Banken.
Sinnvoll sind auch Datenbanken, die eine bitemporale Datenverwaltung unterstützen. Mit dieser „Zeitmaschinen“-Funktion können Banken und Aufsichtsbehörden feststellen, was ein Benutzer zu jedem Zeitpunkt wusste. Dies ist wichtig für regulierte Unternehmen, um Vorschriften wie z. B. den Dodd-Frank-Act einzuhalten.

Eine Enterprise NoSQL-Datenbank kombiniert die Flexibilität von NoSQL mit unternehmenserprobten Funktionen, wie sie relationale Datenbanken bieten. Einige der größten internationalen Banken gehören zu den Early Adopters. Durch den frühzeitigen Umstieg auf Enterprise NoSQL-Datenbanken verfügen diese Finanzinstitute jetzt über Trade Stores, die die Berichterstellung für Aufsichtsbehörden deutlich vereinfachen und Daten für alle berechtigten Benutzer leichter zugänglich machen.

Unstrukturierte Daten

So baute eine globale Investmentbank einen Trade Store auf der MarkLogic-Datenbank in nur sechs Monaten auf. Dieser funktioniert als zentrale Informationsquelle für Handelsvorgänge und die damit verbundenen Daten und gewährleistet so die Datenintegrität. Mehr als 30 interne Systeme wurden überarbeitet, um riesige Mengen an unstrukturierten und strukturierten Daten in einem zentralen Repository zusammenzuführen und in nachgeordneten Systemen im Unternehmen verfügbar zu machen. Auf diese Weise kann die Bank verschiedene Berichtsanforderungen erfüllen – einschließlich gesetzlich vorgeschriebener Berichte – und Bußgelder vermeiden.

Mittlerweile umfasst dieser Trade Store Daten aus mehreren Handelsquellen und drei Referenzdatenquellen. Damit werden mehr als 25 TB an unstrukturierten Daten in einem einzigen Repository vereinheitlicht und gespeichert. Derzeit speichert die Datenbank über eine Milliarde Handelsvorgänge und Inhalte in nahezu Echtzeit sowie bis zu 2 Millionen Handelsereignisse und Referenzdatensätze pro Tag von vorgelagerten Produktionssystemen, einschließlich Versionsmanagement, Gültigkeits- und Doppelprüfungen.

Da MarkLogic eine Enterprise NoSQL-Datenbank mit ACID-Funktion bietet, werden selbst die größten Datensätze einheitlich und zuverlässig verarbeitet, ohne dass Daten in irgendeiner Form geändert werden oder verloren gehen. Wichtig ist, dass das System auch schnell an wechselnde geschäftliche und gesetzliche Anforderungen angepasst werden kann und jederzeit Erweiterungen und Ergänzungen zulässt.

Kosten senken, empfindliche Geldstrafen vermeiden

Mit diesem Ansatz können Banken nicht nur empfindliche Geldstrafen vermeiden, sondern auch Kosten senken, weil keine Notwendigkeit mehr besteht, mehrere Systeme zu entwickeln und zu pflegen. Zudem laufen Enterprise NoSQL-Datenbanken auf Standardarchitekturen, die einfach skalierbar sind. Das Ergebnis sind geringere Kosten pro Handelsvorgang. Ein weiterer Vorteil ist das bessere Risikomanagement, das der Trade Store bietet. Aufsichtsbehörden gestatten dann in der Regel den Banken, weniger Kapital zu halten.

Trade Store als Vorstufe für BCBS 239

Was die Zukunft betrifft, erwägen einige Banken eine Art „Super Trade Store“, der auch die Bewertung aggregierter Risiken – zum Beispiel für BCBS 239 – übernimmt. Denn wer weiß, wo er zu jedem Zeitpunkt beim Rendite-Risiko-Profil steht, kann auch berechnen, wie viel Kapital zum Handeln bleibt.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Zum einen machen sich Aufsichtsbehörden weniger Sorgen über den verwendeten Prozess  – solange sie bei Bedarf alle Daten im Detail überprüfen können (von IM-Protokollen bis hin zu Analysen einzelner Handelsvorgänge) –, zum anderen bietet ein Trade Store auf Enterprise NoSQL-Basis einen bewährten Ansatz mit schneller Entwicklung und Bereitstellung.

Im heutigen regulatorischen Klima ist es ein ernüchternder Gedanke, dass ein großer Teil der Technologien, auf die sich Banken verlassen, nicht mehr auf dem neuesten Stand, wenn nicht sogar veraltet sind. Und das ist ein weltweites Phänomen.“

Mit MiFID II werden noch strengere Berichtsanforderungen eingeführt. Daher müssen Banken jetzt handeln, um ihre digitale Archivierung in Ordnung zu bringen und um sicherzustellen, dass sie nicht mit empfindlichen – und völlig vermeidbaren – Geldstrafen belegt werden.

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http://www.it-finanzmagazin.de/?p=28124
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