BANKEN & FINTECHS2. Nov. 2015

Umdenken: Bankenverband sieht FinTechs als Chance für Deutschland und fordert harmonisierte Regeln

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des BankenverbandesBankenverband/Fotograf: Die Hoffotografen
Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des BankenverbandesBankenverband/Fotograf: Die Hoffotografen

Nicht Konkurrenz, sondern Treiber für den Fort­schritt – auch der Bankenver­band sieht F­inTechs nun als Be­rei­cherung des Marktes. Ei­ne Ein­stellung die zuse­hens in der ge­sam­ten Fi­nanz­wirt­schaft zu beobach­ten ist. „FinTechs sind ei­ne Chance für den Fi­nanz- und Tech­no­logie­stand­ort Deutsch­land. Politik und Regula­to­ren sind auf­gefordert, die Bedingun­gen für Gründung und Wachs­tum die­ser Un­ternehmen wei­ter zu ver­bes­sern“, erklärt Mich­a­el Kem­mer, Hauptge­schäftsfüh­rer des Bankenver­ban­des. Dazu zäh­le ei­ne weite­re Harmonisierung von Regeln im eu­ropäi­schen Fi­nanzbinnen­markt, zum Bei­spiel bei der Kun­den­identifizierung, also auch bei Ma­SI und PSD2.

Junge, innovative Unternehmen im Finanzbereich – FinTechs – sind bei Investoren derzeit weltweit heiß begehrt. So verdreifachten sich 2014 die globalen Investitionen in FinTechs auf über 14 Milliarden US-Dollar. „Die Digitalisierung vollzieht sich extrem dynamisch und ist unumkehrbar. Sie betrifft alle Geschäftsbereiche und wird das Bankgeschäft und damit die Banken langfristig verändern“, so Kemmer.

Die Politik müsse einen klugen Mittelweg zwischen notwendiger Regulierung im Interesse von Kundenschutz und Finanzmarktstabilität einerseits und dem Zulassen und Ausprobieren von Innovationen andererseits finden – appelliert der Bankenverband.

Aber das weithin gezeichnete Bild von den trägen Banken ist falsch. Banken gestalten die digitale Industrialisierung aktiv mit. Die einen sind weiter, die anderen ziehen nach, aber klar ist: Alle haben die Zeichen der Zeit erkannt“

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverband

Die Mischung mach es: Kundenfreundliche Innovation plus Systemsicherheit

FinTechs punkten mit kundenfreundlicher Innovationen. Banken mit Daten- und Systemsicherheit. Laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage im Auftrag des Bankenverbandes, bei der erwachsene Bürger befragt wurden, gaben vier von fünf Befragten an, dass sie ihre persönlichen Daten bei Banken und Sparkassen gut bis sehr gut geschützt sehen. „Die Bürger schenken den Banken in Sachen Datensicherheit großes Vertrauen. Dieses Vertrauen gilt es besonders gut zu schützen, denn Datensicherheit wird in Zukunft eine noch wichtigere Rolle einnehmen als es derzeit der Fall ist“, so Kemmer.

Der Bankenverband sieht die FinTechs aber nicht nur als Konkurrenz. „Die privaten Banken scheuen den Wettbewerb nicht, wir sehen jedoch auch eine Menge Kooperationspotential zwischen FinTechs und Banken“, so Kemmer. Dies gelte insbesondere für die FinTechs, deren Geschäftsmodell in der technischen Unterstützung von Bankdienstleistungen liegt.

Nichtsdestotrotz ist für Kemmer wichtig, dass gleiches Geschäft auch weiterhin gleich reguliert wird. „Wenn der Wettbewerb unter gleichen Spielregeln stattfindet, dann sehen wir dem selbstbewusst entgegen“.

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