TEST DER BANKENWEBSITES8. Sep. 2014

Verfügbarkeit im Netz: 15 Banken im Vergleich

Quelle: mkabakov/bigstock.com
Quelle: mkabakov/bigstock.com
Banking ist heute digital. Doch bei allem digitalen Hype nützt es nichts, wenn die Kunden auf die Inhalte lange warten müssen. Benötigt eine Website länger als drei Sekunden zum Laden, verlassen 40 Prozent der Besucher die Website. Jede weitere Sekunde kostet rund sieben Prozent. Internet-Performance-Spezialist Keynote hat für IT Finanzmagazin die Leistung von 15 Banken-Homepages untersucht – über einen Monat hinweg. Der Auftakt unserer monatlichen Leistungsmessung der Banken.

Vorweg die gute Nachricht: „Echte“ Serverprobleme, die die grundsätzliche Erreichbarkeit einer Bank während der Geschäftszeiten beeinträchtigt hätten, konnten im Messzeitraum nicht festgestellt werden. Aber: Die Ladezeiten und Verfügbarkeiten einzelner Banken sind von grandios bis zweifelhaft verteilt. Dazu haben wir neben den beliebtesten Banken (nach statista) jeweils zusätzlich eine Direktbank und ein stark auf Internet basierendes Banken-Startup gewählt. Diese Tests werden wir kontinuierlich fortführen und monatlich veröffentlichen.

Das Gesamtergebnis August 2014

Die Ergebnisse des Banken-Verfügbarkeits-Index in der grafischen Übersicht (Ladezeiten PC, Tablet, Smartphone). Qulle: Keynote/IT Finanzmagazin
Die Ergebnisse des Banken-Verfügbarkeits-Index in der grafischen Übersicht (Durchschnitt der Ladezeiten in Sekunden: Desktop/gelb, Tablet/orange, Smartphone/bordeaux). Quelle: Keynote/IT Finanzmagazin
Werte im Detail - Smartphone
AnbieterLadezeitErfolgsrateKBObj.
Santander1.9999.78%38358
Sparda-BW2.2099.86%677
Commerzbank3.4799.93%10518
ING-Diba3.5199.93%91138
Comdirect3.7199.35%18526
Haspa4.0799.93%98748
Targobank4.3599.93%96240
PSD-Koeln4.6199.72%751101
Postbank4.8899.57%85262
Fidor5.1299.50%115871
Hypovereinsbank5.1499.78%52135
Deutsche Bank5.1699.57%87526
DKB5.3599.86%122018
Berliner Volksbank6.1699.64%673106
Norisbank7.3999.86%227280
Alle Banken wurden auf „3 Screens“ – also jeweils über einen Desktop Browser (Internet Explorer 9) sowie über reale Mobilfunkverbindungen auf einem Smartphone (WebKit mit Apple iPhone 5 Profil) und einem Tablet (WebKit mit Samsung Galaxy Tab 10.1 Profil) getestet. Dabei wurden nicht nur die typischen Performance-Indikatoren wie die Gesamtladezeit bis zur vollständigen Bildschirmdarstellung erfasst, sondern auch Größe und Objektanzahl der Seiten, da die mobilen Webseiten bei den meisten Anbietern je nach Endgerät des Kunden unterschiedlich ausgeliefert werden. Die Erfolgsrate gibt dabei an, wieviel Prozent aller Seitenabrufe mit dem vollständigen Laden der Seite innerhalb des Timeouts von 60 Sekunden abgeschlossen werden konnten.

Sieger Santander nutzt CDN

Die Tabelle wird von Santander angeführt, und zwar überraschend auf allen drei Endgeräten. Die Seite läd auf dem Smartphone im Vergleich zu den anderen Banken am schnellsten, in durchschnittlich 1,99 Sekunden, auf dem Tablet ebenso in 1,96 Sekunden, und auf dem Desktop sogar in nur 0,97 Sekunden. Dies ist dem Umstand zuzuschreiben, dass die Seite statisch und für alle Endgeräte identisch von einem kommerziellen CDN (Content Delivery Network) ausgeliefert wird – sie ist also nicht für die Bedienung auf Smartphones optimiert, bietet aber Links zu allen Services der Bank.

Ganz anders die Sparda-BW und die Commerzbank auf Platz 2 und 3: Für mobile Zugriffe bieten diese Banken eine optimierte Login-Seite, die mit nur 7 beziehungsweise 18 Objekten besonders schnell lädt, während die regulären Homepages auf dem Desktop im Mittelfeld landen. Abgesehen davon bieten alle Banken der Tabelle auch eine eigene App an, deren Performanz wurde jedoch hier nicht untersucht.

Werte im Detail - Tablet
AnbieterLadezeitErfolgsrateKBObj.
Santander1.9699.50%34852
Sparda-BW2.19100.00%667
Commerzbank3.09100.00%10918
ING-Diba3.51100.00%91138
Comdirect3.8999.79%19326
Haspa4.1999.93%97945
Targobank9.26100.00%302999
PSD-Koeln4.5199.71%73896
Postbank10.3099.86%333269
Fidor5.0499.93%116171
Hypovereinsbank4.3799.79%1719108
Deutsche Bank5.24100.00%87426
DKB5.2699.93%121918
Berliner Volksbank5.9799.93%752108
Norisbank7.70100.00%226881
Der Rest der Tabelle verteilt sich weniger eindeutig – je nachdem, welches Endgerät verwendet wird, laden verschiedene Homepages zum Teil deutlich schneller oder langsamer als andere, aber nicht durchgängig auf allen Geräten. Dies deckt sich mit früheren 3-Screen-Erhebungen verschiedener Branchen weltweit – einerseits ist die Nutzung der digitalen Kanäle noch recht unterschiedlich verteilt, sodass die Anbieter bisher noch keine umfassende Performance-Optimierung für alle Endgeräte vornehmen mussten, andererseits beeinflussen zum Beispiel Live-Börsendaten und eingesetzte Technologien (Stichwort Responsive Design) die Ladezeiten erheblich.

Fehlende Mobil-Version der Websites

Die unterschiedlichen Ansätze sind durch Vergleich der Objektanzahl und der Seitengröße innerhalb einer Tabellenzeile gut zu erkennen: manche Banken (neben Santander auch ING-Diba, Fidor, Norisbank) haben keine spezielle mobile Version ihrer Webseite und laden daher auch auf dem Smartphone die Standardhomepage – mit allen zu erwartenden Nachteilen: zu viele Objekte, nicht optimierte Bilder, ganz abgesehen von der eingeschränkten Bedienbarkeit, die Zoomen und Scrollen erfordert. Andere Banken (zum Beispiel Targobank, Hypovereinsbank, Postbank) laden auf dem Tablet zwar die Desktop-Seite, aber auf dem Smartphone eine kleinere, dafür gut optimierte Version – ein in anderen Branchen (Travel, Retail) sehr verbreiteter Ansatz.

Zu lange Ladezeit durch zu viele Objekte

In diesem Zusammenhang fällt in der Tabelle beim Smartphone die Korrelation zwischen Ladezeit und Seitengröße/Objektanzahl auf. Bei allen mobilen Verbindungen besteht eine hohe Latenzzeit, das heißt jeder einzelne Request (auch bei hohen Übertragungsraten via 3G oder 4G) erfährt eine relativ hohe Verzögerung, und daher summieren sich die Objektladezeiten entsprechend auf. Bei Desktops (LAN-Verbindung) spielt dies hingegen keine sehr große Rolle. Bei Tablets hängt die Performance daher sehr von der Verbindung ab – in der Praxis werden Tablets oft per Wi-Fi genutzt, die Tabelle für Tablet stellt quasi den „worst case“, also eine mobile Verbindung dar.

Werte im Detail - Geräte mit großem Bildschirm (zum Beispiel PC)
AnbieterLadezeitErfolgKBObj.First PaintPage Interactive
Santander0.97100.00%381580.400.72
Sparda-BW2.8999.93%968790.952.04
Commerzbank2.2499.97%717410.912.20
ING-Diba2.2299.96%820350.901.68
Comdirect2.0799.67%7231320.441.81
Haspa1.9599.89%1167710.951.79
Targobank8.1395.46%26711121.537.72
PSD-Koeln3.6199.95%10171141.723.46
Postbank4.3699.92%3496721.503.66
Fidor2.2799.54%1088700.692.13
Hypovereinsbank3.5899.88%21341101.802.10
Deutsche Bank3.2699.82%1838581.452.99
DKB1.6499.84%706540.781.62
Berliner Volksbank3.4999.88%7951090.671.97
Norisbank3.9599.88%2395860.813.93

Gefühlte Performance 

Beim Vergleich der Desktop-Performance ist zu beachten, dass die Seiten ein sehr unterschiedliches Ladeverhalten aufweisen. Die „gefühlte Performance“, nämlich der Zeitpunkt, an dem der Browser nach Aufruf der Seite mit dem Bildaufbau beginnt, ist für den ersten Eindruck entscheidend. Dieser Zeitpunkt hängt sehr von der Architektur der Seite ab. Im vorliegenden Vergleich fangen zwei Drittel der gemessenen URLs schon innerhalb einer Sekunde mit dem Laden an, auch wenn der Bildaufbau dann noch einige Sekunden länger dauert. Hier liegen Santander, Comdirect und Berliner Volksbank vorn, aber auch der Rest startet durchweg in unter zwei Sekunden – alle Banken haben hier ihre Hausaufgaben gemacht.

Die Verfügbarkeit der gemessenen Seiten zeigt bei allen Teilnehmern Beeinträchtigungen bei den Stichproben auf. Betrachtet man zunächst die Desktop-Werte, hat dies ganz unterschiedliche Ursachen – einige Sites haben nachts ein kurzes Wartungsfenster, andere zeigen unterschiedliche Kampagnen oder Anzeigen externer Systeme, deren Verfügbarkeit schwankt und technisch die Ladezeit der Homepage beeinflusst. Auch die Verwendung externer Services wie zum Beispiel von Google Analytics, Facebook oder Twitter kann einen negativen Effekt auf die gemessene Gesamtladezeit haben, auch wenn die Besucher der Seite dies meistens nicht mitbekommen (siehe „gefühlte Performance“, First Paint).

Die Targobank zeigte zwischen dem 16. Mai und dem 22. August Probleme mit einem Chart in der Seite, die sich hier anteilig in der Erfolgsrate niederschlagen. Die externen Requests verursachten immer wieder technische Timeouts, während die Benutzer beim Laden der Seite davon aber nichts mitbekamen.

Bei den mobilen Messungen ist die Erfolgsrate der Messungen naturgemäß etwas geringer, da die Übertragung des Traffics stärkeren Schwankungen unterliegt.

Messverfahren

Jede Desktop-Website wurde von Keynote von fünf Standorten 240 Mal pro Tag 240 gemessen (n = 240 / URL / Tag). Gemessen wurde jeweils von Berlin (Level3), Frankfurt (DTAG), Frankfurt (Interroute), Hamburg (Teliasonera), München (C&W). Alle Desktop-Messwerte wurden mit Internet Explorer 9 ermittelt. Per Tablet und Smartphone erfolgten jeweils 48 Messungen pro Tag von Nürnberg (T-Mobile, Vodafone). Alle Mobil-Messwerte wurden mit einem iPhone 5 bzw. Galaxy Tab-Profil in WebKit über die Mobilfunkverbindungen ermittelt. (n = 48 / URL / Gerät / Tag).

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