NACHGEFRAGT9. Nov. 2016

Wegen Trump? InsurTech Knip verlässt US-Markt – geplanter Abbau von Obamacare mache US unattraktiv

Dennis Just, Gründer und Knip-CEOKnip
Dennis Just, Gründer und Knip-CEOKnip

Wenige Stunden nachdem klar ist, dass der 45. US‑Präsident Donald Trump heißen wird, verkündet das InsurTech Knip, man werde den US-Markt verlassen. Der Sieg des Republikaners schwäche das Wirtschaftsklima. Wir haben bei Dennis Just, Gründer und Knip-CEO nachgefragt.

Knip will – mit sofortiger Wirkung – alle Aktivitäten auf dem US-amerikanischen Markt einstellen. Das sei eine Reaktion auf den Sieg von Donald Trump bei der Wahl zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten, heißt es.

Dennis Just, Gründer und CEO von Knip AG erklärt die Entscheidung des Vorstands: „Für in­ves­ti­tions­in­tensive Technologieunternehmen wie Knip sind das politische und wirtschaftliche Umfeld sowie die binnenmarktspezifischen Rahmenbedingungen erfolgskritische Faktoren.

Bereits mit der Kandidatur von Donald Trump haben wir unsere Aktivitäten in den USA mit reduziertem Tempo betrieben, da wir die Entwicklung auf dem US-Markt kritisch gesehen haben. Nun haben wir uns schweren Herzens entschlossen, unser Engagement auf dem amerikanischen Markt zu beenden.“

Herr Just, hat Knip schon im Vorfeld die Entscheidung getroffen?

Wir haben bis zum heutigen Zeitpunkt einen 6-stelligen Betrag in die US-Expansion investiert und im Mai 2016 die Planungen für den US-Markt einer Revision unterzogen, da die sich abzeichnende Kandidatur von Donald Trump eine Veränderung der Marktgegebenheiten ankündigte.

In der Zwischenzeit haben wir verschiedene Szenarien entwickelt, somit reagieren wir in den Tag vorbereitet auf das aktuelle Ergebnis der Präsidentschaftswahl, da Vorstand und Aufsichtsorgane der Knip AG diesen Schritt als eine mögliche Option vorgesehen haben und diesen nun umsetzen.“

Wie lange war die Vorplanung?

Für ein technologie- und strukturintensives Geschäft wie das von Knip als digitaler Makler ist eine Vorplanung von rund 12 Monaten nötig, um einen Markt zu erschließen. Vor dem eigentlichen Marktstart werden im Expansionsprojekt unter anderem rechtliche, politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen geprüft und verschiedene Szenarien der Marktentwicklung simuliert.

Stand heute sind jedoch durch das makropolitische Umfeld unsere Prognosen für die USA nicht mehr belastbar genug, um einen Markterfolg absehen zu können.“

Warum wartet Knip nicht, bis sich herausstellt, ob Trump wirklich den erwarteten Einfluss haben wird?

Bei Unternehmen aus der FinTech- und InsurTech-Branche verlaufen Marktexpansionen entlang eines vorab klar definierten Fahrplan. Wir ziehen es vor, früh zu agieren, sobald uns alle dafür notwendigen Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung stehen. Die angekündigte Revision der Gesetze und der geplante Abbau der neu eingeführten Obamacare wird jedenfalls hinreichend negative Auswirkungen auf das Versicherungssystem in den USA haben.

Ist das Aufhängen einer wirtschaftlichen Entscheidung an Trump nicht nur eine jetzt passende Ausrede?

Es gibt keine weiteren Gründe für den definitiven Rückzug aus dem amerikanischen Markt, weshalb wir die Wirtschaftspresse darüber zeitnah informieren.

Wohin werden die nun eingesparten Investitionen fließen?

Hierüber werden Vorstand und Verwaltungsrat noch abschließend entscheiden. Grundsätzlich können eingesparte Investitionen mittelbar in den Ausbau unserer Online-Tools fließen, mit denen Verbraucher ihren Versicherungsbedarf selbst ermitteln. Freie Mittel werden sicher auch in ein schnelleres Entwicklungstempo in Deutschland und in der Schweiz umgesetzt. Zugleich wird die Expansion in weitere europäische Länder jetzt wieder ein Thema für Knip.

Herr Just – vielen herzlichen Dank für die äußerst schnelle Reaktion und Einschätzung.

Noch mehr FinTechs auf dem Rückzug?

Wie viele Technologie- und Finanzunternehmen wollte Knip in die USA expandieren, hatte dazu ein eigenes Tochterunternehmen gegründet. Mit der Knip-App können Verbraucher ihre Versicherungen digital verwalten und optimieren – ein Zukunftsmarkt. Mit Obamacare wurde die Krankenversorgung ausgebaut und der Versicherungssektor gestärkt. Allerdings bestehen wenig Zweifel, dass der 45. Präsident (der sein Amt am 20. Januar antreten wird) das Sozialsystem rückbauen wird. Damit verliere dieser amerikanische Markt für Investoren jegliche Attraktivität, so Knip.

In Deutschland und der Schweiz geht es weiter – doch auch da macht sich Knip Sorgen

Unverändert wolle Knip jedoch den Ausbau in Deutschland und der Schweiz fortsetzen, wo man soeben den ersten unabhängigen Online-Krankenversicherungsvergleich entwickelt habe. Gleichwohl sieht Knip aber auch die Entwicklung in Europa kritisch. Dennis Just: „Die Garantiezinssenkung durch die Europäische Zentralbank kommt zur Unzeit und belastet genau solche Versicherungslösungen, die Teil der Altersvorsorge sind.“ Hintergrund: Zum 1. Januar 2017 senkt die Europäische Zentralbank (EZB) den Garantiezins von 1,25 Prozent auf 0,9 Prozent. Dies verteuert alle ab 2017 neu abgeschlossene Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherungen. Lediglich Verträge, die bis 31.12.2016 abgeschlossen werden, bleiben davon verschont und haben auch zukünftig Bestandsschutz.

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