INTERVIEW DR. HOCHBERGER, SPK MÜNCHEN31. Okt. 2016

yomo wird dynamisch weiterentwickelt; Sparkassen können ab Anfang Q2/2017 einsteigen

Dr. Hochberger - Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse München - und der Kopf hinter Yomo.Stadtsparkasse München
Dr. Hochberger – Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse München – und der Kopf hinter yomo.Stadtsparkasse München

Langsam verdichten sich die Informationen rund um yomo – dem Girokonto und der Banking-App der Sparkassen für junge Leute (wir berichteten). Wir konnten mit Dr. Bernd Hochberger (seit 2012 Vorstands­mitglied der Stadtsparkasse München) – dem Kopf hinter yomo sprechen.

Herr Dr. Hochberger, hat Sie N26 (damals noch number26) mit dem Smartphone-Girokonto erschreckt?

So leicht erschrickt uns nichts. Wir hatten auch schon vor number26 überlegt, wie wir unsere Finanzdienstleistungen gerade für unsere jungen Kunden optimieren können. Das Smartphone ist mittlerweile der Gegenstand, den wir so gut wie immer dabei haben und mit dem wir unser digitales Leben steuern.

Wie sind Sie dann darauf gekommen yomo machen zu wollen?

Wir wollen ein Produkt für die Zielgruppe der digital affinen 18- bis 35-Jährigen entwickeln. Diese Zielgruppe möchte alle Vorzüge eines Smartphone-Kontos nutzen: Es soll kostengünstig, schnell, einfach und flexibel sein. Gleichzeitig haben wir als Sparkassen einen völlig anderen Hintergrund als FinTechs wie N26.

Wir sind Finanzmarktführer bei den Privatkunden in Deutschland, haben eine ganz andere Infrastruktur und höchste Sicherheitsstandards. Da war es klar, dass wir ein eigenes Produkt für eben diese Zielgruppe entwickeln wollen.“

Wäre es nicht die einfachste Variante wäre gewesen, sich N26 einfach zu kaufen?

Kaufen oder selbst entwickeln, wenn es Neuerungen am Markt gibt, die interessant sind. Das ist schon immer die Frage, die sich stellt. Diesmal haben wir die Frage mit „selbst entwickeln“ beantwortet. Denn gerade hier ist uns wichtig, dass wir die Stabilität des Systems, seine Verfügbarkeit und eben die höchsten Sicherheitsstandards als Sparkasse am besten sicherstellen können. Sparkassen genießen nicht umsonst so hohes Vertrauen.

Nun entwickelt die FI-Tochter Starfinanz yomo im Auftrag einiger großer Sparkassen. Ist das vom Konstrukt her nicht sehr kompliziert? Wäre es nicht auch direkt bei der FI möglich gewesen?

Die Starfinanz ist als Tochter der FI speziell für die Entwicklung von Apps zuständig. Auch die mehrfach ausgezeichneten Sparkassen-Apps stammen von der Starfinanz. Wir wollten hier außerdem den Versuch starten, bei Bedarf ein Entwicklungsprojekt schneller zum Erfolg zu führen als dies sonst in unserem Sparkassen-Verbund möglich ist.

Ich finde den eingeschlagenen Weg spannend, wir sammeln damit viele neue Erfahrungen, die der ganzen Sparkassen-Finanzgruppe dienen können.“

Was war schließlich der Auslöser, das Projekt in die eigene Hand zu nehmen?

Wir haben festgestellt, dass in unserem Portfolio ein Produkt fehlt, das die Generation Y anspricht – wir wollten unsere eigene junge, frische und dynamische Produktmarke entwickeln. Dabei war uns wichtig, yomo eine eigene Markenidentität im Lifestyle-Segment zu geben, die die moderne Agilität und die Sicherheit (gekennzeichnet durch den Zusatz „powered by Sparkasse“) vereint. Ein solches Produkt gab es bis dato nicht auf dem Markt, daher haben wir es also selbst in die Hand genommen.

Es war nicht risikolos. Wie haben Sie das Projekt zum Fliegen gebracht? Wen mussten Sie überzeugen?

Kein neues Projekt ist ohne Risiken – wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Entwickelt wird das Projekt von besagten zehn Investorensparkassen, die zukunftsorientiert denken und voll hinter yomo stehen.

In Deutschland gibt es jedoch insgesamt über 400 Sparkassen, die wir alle von yomo überzeugen wollen. Unsere Strategie ist, ein gutes Produkt zu entwickeln, das für sich selbst spricht. Ich gehe davon aus, dass sehr viele Sparkassen yomo einführen werden.“

Dr. Bernd Hochberger
dr-hochberger-vorstandsmitglied-stadtsparkasse-muenchen-516Dr. Bernd Hochberger ist seit 2012 Vor­standsmit­glied der Stadtsparkasse Mün­chen, bei der er seit 2004 be­schäftigt ist. Zuvor war er Direk­tor für Stra­tegi­sche Pla­nung und dana­ch für Tre­asury. Er ab­solvier­te sei­ne Aus­bildung zum Bankkaufmann bei ei­ner Genos­senschaftsbank, studier­te Betriebs­wirt­schaft und arbeite­te als Pro­jekt-Mana­ger bei Ro­land Ber­ger Stra­tegy Consultants. Hoch­ber­ger ist derzeit zuständig für die Be­rei­che Pro­zesse und IT, Ver­triebs­man­age­ment, Kredit­ma­na­ge­ment, Zen­traler Service, Compli­ance sowie Immobili­en- und Facility-Management.
Die Verbindung von Innovation und Tradition, die yomo kennzeichnet, prägt auch die Sparkassen-Finanzgruppe. Die Sparkassenvorstände wissen, dass es für einen dauerhaften Erfolg notwendig ist, sich zu verändern und Neuheiten gegenüber aufgeschlossen zu sein, um die Spitzenpositionen in der deutschen Finanzwelt beizubehalten.

Wie groß ist das finanzielle Risiko, das die Sparkassen tragen?

Nachdem wir die Entwicklungskosten unter den zehn Investorensparkassen zu gleichen Teilen tragen und uns auch selbst an der Entwicklung aktiv beteiligen, ist das finanzielle Risiko für jedes Haus überschaubar.

Wie wichtig ist es Ihnen, dass alle Sparkassen einsteigen?

Nach der Testphase, die voraussichtlich Ende des ersten Quartals 2017 abgeschlossen sein wird, soll yomo allen interessierten Sparkassen offenstehen. Der genaue Vertriebsprozess wird derzeit erarbeitet. Es wäre natürlich schön, wenn möglichst alle Sparkassen yomo anbieten.

Was ist aus Ihrer Sicht DAS Besondere an yomo?

DAS Besondere an yomo ist die Art der Entwicklung – wir wollen die App nämlich interaktiv und kontinuierlich weiterentwickeln.“

Wir fragen die Nutzer explizit nach ihrer Meinung und beziehen dieses Feedback dann in die Entwicklung der App ein. yomo ist dynamisch – wir wollen die App kontinuierlich verbessern und den Nutzer-Bedürfnissen anpassen.

Wie verhindert die Gruppe, dass yomo den bisher bekannten Features von N26 nicht schon vom Start weg nur hinterherlaufen muss? Stichwort: Siri.

Die Sparkassen sind Marktführer. Sie müssen nicht laufend die ersten mit neuen Features sein.“

Wenn sie dann bewährte Features sicherheitserprobt einführen, profitieren davon auf einen Schlag viele Millionen Kunden. Das setzt Marktstandards.

Nun würde sich yomo ja auch als zentrale Test-Plattform für die Kooperation mit FinTechs anbieten. Als Test-Lab der Sparkassen-Gruppe. Denken Sie in die Richtung?

Es geht uns im ersten Schritt darum, eine attraktive Sparkassenlösung für die junge Zielgruppe zu entwickeln. Wenn sich diese Vorgehensweise bewährt, lassen sich sicher auch andere innovative Konzepte in ähnlicher Form entwickeln.

Was würden Sie sich als nächsten Schritt wünschen? Welche Funktionen muss yomo Ihrer Ansicht nach noch bekommen?

Die in Kürze anlaufende Betaphase werden wir in erster Linie dazu nutzen, das Feedback von Usern einzuholen. Wenn sie Anregungen hinsichtlich gewünschter Funktionalitäten äußern, werden wir versuchen, diese Features so schnell wie möglich umzusetzen.

Wir haben bisher von den Kunden gelernt, dass bei den Funktionen „weniger mehr“ ist. Benutzerfreundlichkeit und Optik sind oftmals wichtiger.“

Welche Bedeutung wird yomo innerhalb der Sparkassen-Gruppe in drei Jahren haben?

Wir gehen davon aus, dass yomo in drei Jahren von den meisten Sparkassen angeboten und von einer großen Kundenschicht genutzt wird. yomo füllt eine Lücke im Sparkassen-Produktportfolio für eine bestimmte Zielgruppe, für die wir noch die richtige Banking-Lösung benötigen: schnell, einfach, unkompliziert und rein digital per Smartphone oder Tablet.

Herr Dr. Fahrenschon (DSGV) sprach eben erst davon, dass das kostenlose Girokonto keine Zukunft hat. Warum dann nun doch bei yomo?

Die Preise für Girokonten sind durch die anhaltende Niedrigzinsphase und damit einen Einbruch der Zinserträge bei Banken alle in Bewegung.

Auch bei yomo werden die Sparkassen mit Ausnahme des Basisangebots die Möglichkeit haben, individuell die Preise für einzelne Leistungen zu gestalten.“

Und für Sie persönlich: Ist yomo „Ihr“ Kind? Wie soll es sich Entwickeln?

yomo ist das Kind der Sparkassen – solidarisch vorangetrieben von zehn Sparkassen für die ganze Gruppe. Und wie bei allen Kindern wünschen wir uns natürlich, dass wir sie so bei der Entwicklung unterstützen können, dass sie sobald wie möglich erfolgreich auf eigenen Beinen stehen können.

Herr Dr. Hochberger, vielen herzlichen Dank für die ersten Einblicke!aj

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