STRATEGIE13. Mai. 2015

Zwingt die elektronische Signatur Banken zum Umdenken?

KPMG
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Während bei unseren europäischen Nachbarn Anwendungen für mobile Bankgeschäfte, Business Lösungen und öffentliche Verwaltung auf dem Vormarsch sind, steckt die Entwicklung in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Besonders die Banken müssen sich beeilen, da digitale Lösungen die bisherigen Abläufe im klassischen Privat- und Firmenkundengeschäft ablösen werden. Anbieter von modernen Technologien für die Bereitstellung finanzieller Dienstleistungen drängen in den Markt, der bislang den Kreditinstituten und Kartenemittenten vorbehalten war. Wenn die Banken nicht den Anschluss verlieren wollen, müssen sie handeln.

von Sven Korschinowski, KPMG

Die elektronische Signatur per Handy, die den Ausdruck und Versand von Papierdokumenten unnötig macht, kann Bezahl- und Verwaltungsabläufe beschleunigen und stark vereinfachen.

Für das Privatkundengeschäft würde das zum Beispiel bedeuten, dass das Eröffnen von Konten oder Depots künftig ohne Gang zur Bank- oder Postfiliale möglich wäre. Auch beim Crowdsourcing und bei Peer-to-Peer-Finanzierungen können Geldflüsse mit der digitalen ID über die SIM-Karte noch schneller und komfortabler abgewickelt werden. Ein mobiles, vernetztes Zahlungsmanagement ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Besonders in Schwellenländern, in denen es in ländlichen Gebieten keine Bankfilialen gibt, finden mobile Zahlungssysteme eine rasant wachsende Verbreitung.

Autor Sven Korschinowski
Sven Korschinowski leitet als Partner den Bereich „Payment & Innovation Consulting“ bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG und verantwortet die Deutschland-Aktivitäten zum Thema Mobile Payment.
Im Firmenkundegeschäft bietet die elektronische Unterschrift per Handy das wohl größte Potential. Medienbrüche würden dank Echtzeitübertragung der Vergangenheit angehören. Manche Finanzchefs, Treasurer oder Geschäftsführer können schon heute Zahlungsfreigaben über mobile Geräte abarbeiten und müssen sie nicht mehr aufschieben, bis sie per Rechner ans Firmennetzwerk angebunden sind.

Durch das Verschwinden von Medienbrüchen, kommt es auch nicht mehr zu Unterbrechungen in den Arbeitsabläufen. Ob in der Pause zwischen Meetings, auf dem Flughafen oder im Zug: Die Freigabe über mobile Geräte kann jederzeit erfolgen.

Kunden wollen Zeit und Geld sparen und Abläufe vereinfachen

Banken sind gut beraten, mobile Lösungen in ihr Angebot aufzunehmen, denn sie werden die bisherigen Abläufe im Privat- und Firmenkundengeschäft ersetzten und neue Prozesse und Abläufe definieren. Dazu ist eine institutsübergreifende Zusammenarbeit unerlässlich, um einheitliche Lösungen zu schaffen. Banken, Sparkassen und genossenschaftliche Institute in Deutschland haben sich zu lange auf die Entwicklung innovativer, eigenständiger Lösungen konzentriert. Jedoch nimmt das geplante gemeinsame Internet-Bezahlverfahren der Banken „Pay Direkt“ jetzt Fahrt auf. Für den Kunden zählt am Ende des Tages vor allem die Bequemlichkeit und Anwenderfreundlichkeit. Ein mobiles vernetztes Zahlungsmanagement bietet ihm diese Möglichkeiten.

Beispiele aus dem europäischen Ausland zeigen, wie es geht. So haben sich in den Niederlanden schon vor langem mehrere große Banken zusammengetan, um mit iDEAL eine gemeinsame Zahlungslösung für den E-Commerce zu entwickeln. In Schweden hat eine Allianz von Banken mit swish eine erfolgreiche Mobile-Payment-Lösung entwickelt. Ein weiteres Beispiel ist „pay:m“ in Großbritannien, ein Peer-to-Peer-Überweisungsdienst. In Deutschland sind dagegen mehr als 30 Lösungen am Markt – erst in einem langwierigen Konsolidierungsprozess wird sich dieser auf wenige einfache und handhabbare Apps verringern.

Die elektronische Signatur per Handy ist angesichts der Veränderungen durch Digitalisierung nur ein erster Baustein.aj

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