ANWENDUNG14. Januar 2026

P2P per App: Klarna integriert Peer-to-Peer-Zahlungen in seine Banking-Architektur

Klarna

Mit der Einführung von Peer-to-Peer-Zahlungen in 13 europäischen Ländern, darunter Deutschland, erweitert Klarna seine digitale Banking-Plattform um eine zentrale Funktion für den täglichen Zahlungsverkehr. Nutzer können künftig direkt aus der Klarna-App Geld an Kontakte senden, etwa zum Ausgleich gemeinsamer Ausgaben oder für private Transfers. Technisch fügt sich der neue Dienst in die bestehende Konten- und Karteninfrastruktur des Unternehmens ein und markiert einen weiteren Schritt in Richtung einer vollintegrierten Digitalbank, die klassische Girokontofunktionen mit modernen Payment-Services verbindet.

Der neue Service baut auf den bereits etablierten Klarna-Balance-Konten sowie der rasch wachsenden Nutzung der Klarna Card auf. Beide Komponenten bilden inzwischen das Rückgrat von Klarnas Banking-Stack, der nicht mehr nur den Checkout im E-Commerce adressiert, sondern zunehmend alltägliche Finanztransaktionen abdeckt. Die Peer-to-Peer-Funktion erweitert dieses Ökosystem um einen Anwendungsfall, der bislang vor allem von spezialisierten Zahlungs-Apps oder traditionellen Banken dominiert wurde. Zeitlich kommt das gerade recht – und könnte als Antwort auf Wero verstanden werden (und natürlich auf Paypal, bei denen das quasi ein Standard-Feature darstellt).

Zwischen klassischer Infrastruktur und neuen Modellen

Aus technischer Sicht setzt Klarna bei der Einführung zunächst auf bestehende Bankeninfrastrukturen. Die Abwicklung der Zahlungen erfolgt über regulierte Kontenmodelle und etablierte Zahlungsrails, wodurch sich das Unternehmen in die bestehenden europäischen Zahlungsverkehrssysteme integriert. Die Nutzer können Empfänger über Telefonnummern, E-Mail-Adressen, QR-Codes oder gespeicherte Kontakte identifizieren. Vor der Ausführung einer Transaktion durchläuft jede Zahlung automatisierte Prüfprozesse, die sowohl Betrugsprävention als auch Berechtigungs- und Compliance-Anforderungen abdecken sollen.

Parallel dazu prüft Klarna den Einsatz alternativer technischer Modelle, insbesondere auf Basis von Stablecoins. Ziel ist es, mittelfristig Überweisungen schneller, skalierbarer und kosteneffizienter zu gestalten, insbesondere bei grenzüberschreitenden Szenarien. Dieser Ansatz folgt einem breiteren Branchentrend, bei dem Zahlungsdienstleister und Neobanken zunehmend evaluieren, inwieweit blockchainbasierte Abwicklungsmodelle klassische Clearing- und Settlement-Prozesse ergänzen oder perspektivisch ablösen können. Gleichzeitig bleibt die regulatorische Einbettung solcher Lösungen ein zentrales Thema, da gerade im europäischen Markt hohe Anforderungen an Geldwäscheprävention, Verbraucherschutz und Systemstabilität gelten.

Klarnas Transformation zur Digitalbank

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Die Peer-to-Peer-Zahlungen sind Teil einer umfassenderen strategischen Neuausrichtung. Klarna positioniert sich ja bekanntermaßen zunehmend nicht mehr nur als Zahlungsdienstleister im E-Commerce, sondern als Plattform für ganzheitliches Finanzmanagement. Seit der Einführung von Klarna Balance im August 2024 haben sich die Einlagen nach Unternehmensangaben nahezu verdoppelt und stiegen bis September 2025 von 9,5 auf 14 Milliarden US-Dollar. Parallel dazu hat die Klarna Card innerhalb weniger Monate rund vier Millionen Nutzer gewonnen, wie das Unternehmen erklärt. Kartenzahlungen machen inzwischen etwa 15 Prozent des gesamten Zahlungsvolumens aus und stärken damit die Rolle von Klarna als dauerhafte Zahlungsinstanz im Alltag.

Aus Sicht des Unternehmens reagieren diese Entwicklungen auf eine wachsende Unzufriedenheit vieler Verbraucher mit der Komplexität und Kostenstruktur traditioneller Banken. Digitale Anbieter, die Kontoführung, Kartenfunktionen und Zahlungsverkehr in einer einzigen Anwendung bündeln, profitieren von dieser Marktdynamik. Mit der Integration von Peer-to-Peer-Zahlungen schließt Klarna eine funktionale Lücke, die für die Wahrnehmung als vollwertige Banklösung entscheidend ist.

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Kunden sind die Komplexität und Gebühren traditioneller Banken leid. Deshalb haben sich innerhalb weniger Monate Millionen für die Klarna Card angemeldet. Mit Peer-to-Peer-Zahlungen machen wir es nun noch einfacher, sämtliche Zahlungen über Klarna zu verwalten – einschließlich kleiner Überweisungen.“

Sebastian Siemiatkowski, Mitgründer und CEO von Klarna

Gesamteuropäische Ausrichtung unterstrichen

Der Rollout in Deutschland, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Portugal, Spanien, Schweden und dem Vereinigten Königreich unterstreicht den paneuropäischen Anspruch der Plattform. Gleichzeitig erhöht der Schritt den Wettbewerbsdruck auf klassische Banken, deren digitale Angebote in vielen Märkten noch fragmentiert sind, sowie auf spezialisierte Payment-Anbieter, deren Geschäftsmodelle stark auf einfache Geldtransfers ausgerichtet sind.

Gleichwohl bleibt die weitere Entwicklung des Angebots von verschiedenen Unsicherheiten geprägt. Regulatorische Rahmenbedingungen, technologische Veränderungen und die Dynamik im FinTech-Markt werden maßgeblich bestimmen, wie schnell und in welchem Umfang Klarna zusätzliche Funktionen wie grenzüberschreitende Zahlungen oder Transfers realisieren kann. Vor diesem Hintergrund ist die Einführung der Peer-to-Peer-Zahlungen weniger als isoliertes Feature zu verstehen, sondern als Baustein in einer langfristigen Plattformstrategie, die Klarna schrittweise von einem Zahlungsanbieter zu einer umfassenden digitalen Bank transformieren soll.tw

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