EVENTS & MESSEN23. April 2026

FIBE 2026: Buy-vs.-Build kippt; KI stärkt Banken-Eigenentwicklungen; internationales Networking

Mittlerweile weiß man, an welcher S-Bahn-Station man aussteigen muss und wo der Eingang ist – und es fühlt sich weiterhin gut an, zur dritten Ausgabe der FIBE nach Berlin zu fahren. Mit über 2.000 Teilnehmern aus 47 Ländern und 214 Speakern auf zwei Bühnen und weit über 100 Partnern bot die FIBE 2026 erneut eine Plattform für das europäische Finanzökosystem in einer Phase des Wandels.

Die FIBE präsentiert eine lebhafte Veranstaltung in Berlin, bei der ein Redner auf der Bühne vor einem großen Publikum spricht. Die visuelle Gestaltung umfasst kreative Elemente, die die Internationalität und Innovationskraft der Messe unterstreichen.
Messe Berlin

Auch wenn die Veranstalter den Vergleich mit „dem“ internationalsten Format in Amsterdam nicht unbedingt hören wollen, gehört die FIBE – insbesondere in Bezug auf ihre Internationalität – zu den stärksten Formaten, die Deutschland aktuell zu bieten hat.

Das diesjährige Speaker-Line-up vereinte erneut wichtige Köpfe aus dem Finanz- und Technologiebereich, darunter Steffen Jentsch (Solaris), Meredith Whittaker (Signal), Dr. Tamaz Georgadze (Raisin), Murat Kalkan (BBVA), Yoni Assia (eToro) und Ramin Niroumand (Motive Partners), ergänzt durch zahlreiche Vertreter aus Venture Capital und Regulierung.

Die Zusammensetzung machte deutlich, wie wichtig es ist, dass Banken, FinTechs, Investoren sowie Technologie und Regulierung noch enger zusammenarbeiten. Gleichzeitig war die FIBE auch in Bezug auf Diversität stark aufgestellt: Mehr als ein Drittel der Speaker auf der Festival- und Club Stage war weiblich. Zu den internationalen Highlights zählte unter anderem ein Live-Auftritt von Cathie Wood, Gründerin und CEO von ARK Invest, die ihre Einschätzungen zu Innovation, Technologie-Investments sowie Unternehmen wie SpaceX und OpenAI teilte.

Immer wieder interessant zu beobachten, wie sich Menschentrauben um einen Fußball-Weltmeister und mittlerweile auch Investor bilden: Bastian Schweinsteiger ergänzte das Programm mit einem Fireside Chat zu Themen wie Führung, Resilienz und Performance unter Druck.

Auf der FIBE 2026 versammeln sich zahlreiche Teilnehmer in Menschentrauben um Bastian Schweinsteiger. Die Atmosphäre ist geprägt von intensiven Gesprächen über Künstliche Intelligenz und deren Einfluss auf die Finanzbranche.
Dirk Emminger

KI wird das SaaS-Verständnis massiv ändern

Über alle Keynotes und Paneldiskussionen hinweg zog sich ein Thema klar durch die FIBE 2026: Künstliche Intelligenz – insbesondere die schnelle Entwicklung agentischer Systeme – entwickelt sich zur Glaubensfrage, die Finanzdienstleistungen und Technologie aktuell beschäftigt.

Dabei zeigte sich deutlich in der Diskussion: weg vom Experimentieren, hin zur Umsetzung. Während KI die Eintrittsbarrieren senkt und Innovation beschleunigt, steigen gleichzeitig die Erwartungen an Performance, Skalierbarkeit und regulatorische Umsetzbarkeit. Besonders interessant waren dabei die Gespräche im direkten Austausch mit FinTechs: Der zunehmende Reifegrad von KI – insbesondere im Bereich Coding – führt spürbar zu einem Umdenken bei der klassischen Buy-vs.-Build-Strategie, vor allem mit Blick auf zentrale Systeme.

Auf der FIBE 2026 präsentiert Holvi, die FinTech-Bank für Geschäftskonten, ihre Lösungen für internationale Zahlungen. Das Standdesign kombiniert orange und blau, während das Team bereitsteht, um Informationen zu teilen und Networking zu fördern.
Dirk Emminger

Ein gutes Beispiel dafür ist Holvi: Die FinTech-Bank für Geschäftskonten mit finnischer Banklizenz, die nach Deutschland und Österreich „ge-passtportet“ wird, verfolgt seit jeher einen klaren Build-Ansatz. Neben dem Core Banking wurden auch zahlreiche Subsysteme in-house entwickelt. Der Vorteil zeigt sich aktuell deutlich: Holvi hat vollständige Kontrolle über den eigenen Code und kann diesen zunehmend durch KI-gestützte Prozesse und Agenten prüfen, weiterentwickeln und absichern. Gerade in einer Phase, in der neue Modelle und Entwicklungen – etwa im Kontext von Sicherheit und Code-Qualität – den Markt schnell verändern, wird dieser Ansatz zu einem strategischen Vorteil.

Je mehr Code man selbst unter Kontrolle hat, desto besser kann man beschreiben, was man will – und Systeme wie Claude setzen es um. An Vendor-Grenzen endet diese Möglichkeit.“

Tuomas Toivonen, Holvi CEO (LinkedIn)

Europäische Souveränität und Zusammenarbeit auf EU Ebene

Ein Thema, das sich in vielen Gesprächen immer wieder hereingeschoben hat, war europäische Souveränität – aber nicht als politisches Buzzword, sondern ziemlich konkret: Wo habe ich noch Kontrolle und wo nicht mehr? Und wie komme ich da wieder hin, ohne mich komplett neu zu erfinden? Sind europäische Anbieter überhaupt noch in der Lage, den Vorsprung aufzuholen?

Man sieht erste, sehr praktische Ansätze. euro-V zum Beispiel geht genau diesen Weg und verschiebt Teile der Payment-Infrastruktur aus einem klassischen AWS-Setup in Richtung einer souveränen Cloud-Umgebung. Das ist kein radikaler Schnitt, sondern eher ein realistischer Zwischenschritt: bestehende Infrastruktur nutzen, aber Stück für Stück mehr Kontrolle zurückholen.

Hans-Rainer van den Berg, Sovereignity vdB, steht vor einem farblich gestalteten Hintergrund mit der Aufschrift „FI x BE FINTECH BERLIN“. Die Veranstaltung betont die Bedeutung von KI und internationalen Netzwerken im Bankensektor.
Dirk Emminger

Wir nutzen für unseren aktuellen VoP-Stack und für zukünftige Lösungen die AWS Sovereign Cloud. In unseren Gesprächen hier auf der FIBE sehen wir, dass wir mit dieser Entscheidung nicht allein sind.“

Hans-Rainer van den Berg, Sovereignity vdB

Auf der Messe FIBE 2026 präsentieren sich Vertreter von Signicat. Die beiden abgebildeten Personen stehen vor einem Stand, der Lösungen für digitale Identität und Sicherheit anbietet. Der Fokus liegt auf innovativen Ansätzen im Bereich eID.
Dirk Emminger

Gleichzeitig haben wir in Europa selbst Anbieter, die seit Jahren präsent sind. Critical Software aus Portugal baut seit Jahren Lösungen für hochkritische Systeme – mit einem klar europäischen Ansatz, was Sicherheit, Regulierung und Betrieb angeht. Im Bereich Identität und Security wird es ähnlich spannend: Signicat ist mittlerweile in vielen Bank-Setups gesetzt, wenn es um KYC und Authentifizierung geht.

Auch PXL Vision aus der Schweiz passt gut in dieses Bild. Das Unternehmen ist im DACH-Umfeld aktiv und denkt das Thema Identität einen Schritt weiter: als möglicher API- und Orchestrierungs-Layer zwischen Banken und der künftig stark fragmentierten Welt aus EU-Wallets und nationalen Lösungen.

Zwei Personen stehen vor einem orangefarbenen Hintergrund mit dem Schriftzug „FIBE 2026 – Fintech Berlin“. Die Veranstaltung thematisiert aktuelle Entwicklungen im Finanzsektor, insbesondere im Hinblick auf Souveränität und Abhängigkeiten.
Dirk Emminger

Wenn man das zusammennimmt, wird relativ schnell klar: Souveränität kann nicht von heute auf morgen zurückkommen. Jeder muss sich aber klar machen, welche Teile halte ich selbst? Wo gehe ich bewusst in Abhängigkeiten? Und wo baue ich mir Alternativen auf?

Die Diskussion ist damit – ähnlich wie beim KI-Thema – spürbar von der Strategie in die Umsetzung gewandert, und genau das hat man auf der FIBE gesehen.

TechQuartier bringt Regulatorische Sandbox

Neben den großen Themen auf den Bühnen waren es vor allem die kleineren Formate und direkten Gespräche, die fachlich spannend wurden. Ein anschauliches Beispiel dafür ist der sogenannte „Späti-Talk“ – ein bewusst anderes Format direkt vor einem Berliner Späti, bei dem kurze, prägnante Pitches im Vordergrund stehen. Gerade in diesem Vortragsformat wurde deutlich, wie stark sich einzelne Firmen aktuell in Richtung Umsetzung bewegen. Neben der Zusammenarbeit mit dem DE-Hub berichtete das TechQuartier abseits der Bühne über die kommende regulatorische Sandbox – mit dem klaren Ziel, Banken und FinTechs einen Raum zu geben, um regulatorische Themen partnerschaftlich und pragmatisch zu lösen.

Auf der FIBE 2026 präsentieren Vertreter von Teylor ihre digitale Plattform für KMU-Finanzierung. Im Hintergrund ist eine grafische Darstellung der Technologie zu sehen, die den innovativen Ansatz des Unternehmens unterstreicht.
Dirk Emminger

In den 1:1-Gesprächen zeigte sich ein ähnliches Bild, insbesondere im Austausch mit Teylor. Das Unternehmen positioniert sich klar im Bereich digitaler KMU-Finanzierung und geht dabei technologisch einen konsequenten Weg. Neben der eigenen Plattform baut Teylor zunehmend Antragsstrecken für Ihre „Vermittler“ und Partner – etwa digitale Antragsstrecken, die sich in bestehende Systeme integrieren lassen. Der Ansatz ist dabei weniger „FinTech gegen Bank“, sondern klar auf Partnerschaft ausgelegt. Entsprechend wächst auch die Zahl der Bankpartner, die genau solche Lösungen nutzen, um schneller und effizienter in die Kreditvergabe zu kommen.

Embedded Finance darf nicht fehlen

Noch internationaler wurde das Programm auch in diesem Jahr wieder durch zahlreiche Side Events. Eines der größeren und dieses Jahr (Anmerkung der Redaktion: mit harter Berliner Tür) war das Event von Embedded Finance Review. Wie schon im vergangenen Jahr gelang es Lars Markull erneut, über 200 Teilnehmer zu einem der relevantesten Abendformate in der Nähe des Berliner Kurfürstendamms zu bringen.

Zwei Referenten stehen an einem Podium während der FIBE 2026. Im Hintergrund wird das Thema "Digitale Geschäftsmodelle: Zwischen Regulierung und Innovation" präsentiert. Die Veranstaltung fördert den Austausch über aktuelle Trends in der Bankenbranche.
Dirk Emminger

Und auch hier zeigte sich: Es geht nicht nur um Größe, sondern vor allem darum, wer im Raum ist. In mehreren kompakten Talk-Runden wurden konkrete Anwendungsfälle diskutiert. Die Qualität lag dabei weniger auf der Bühne, sondern wie so oft in den Gesprächen danach: auf der Rooftop-Bar, bei einem Bier, mit genau den richtigen Leuten.

Die FIBE hat gehalten, was sie versprochen hatte, und mehr. Von Gen Z, die FinTechs Regeln neu schreibt, bis zur zwingenden Weiterentwicklung von Brokern zur Full-Retail-Experience: Zwei Tage Berlin mit genau den richtigen Impulsen für die Branche.“

Joshua Olbrich, finwyz

Die Berliner Sparkasse präsentiert sich auf der FIBE 2026 mit einem Stand, der sowohl persönliche Interaktion als auch digitale Elemente umfasst. Die Atmosphäre ist positiv und einladend, was den Austausch fördert.
Die Berliner Sparkasse – ist da. Mit viel guter Stimmung.Dirk Emminger

FIBE 2026 – Berlin bleibt gesetzt

Die dritte Ausgabe der FIBE hat gezeigt, dass sich das Format in Berlin weiter etabliert. Die Mischung aus Bühne, Austauschformaten und Side-Events funktioniert – und vor allem: Die richtigen Leute kommen zusammen. Damit bestätigt sich, dass die FIBE mehr ist als ein weiteres Event im Kalender, sondern zum festen Treffpunkt für die europäische Finance- und Tech-Community wird.

Save the Date: Die nächste Ausgabe der FIBE findet am 7. und 8. April 2027 im CityCube Berlin statt.Dirk Emminger und Gerd Reinkimm/aj

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