ANWENDUNG21. Januar 2026

Digitale Bezahlverfahren gewinnen im Mittelstand an Bedeutung

bigstock.com/Patrick Poendl

Kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland erweitern ihr Angebot an Bezahlmöglichkeiten zunehmend um digitale Verfahren. Zwar werden Zahlungen weiterhin überwiegend per Überweisung und Bargeld abgewickelt, doch Kartenzahlungen sowie Online- und Mobile-Payment-Lösungen gewinnen an Relevanz. Das zeigt die 12. Unternehmerkundenstudie der Commerzbank, für die das Marktforschungsinstitut Ipsos insgesamt 1.750 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 15 Millionen Euro befragt hat, darunter 300 repräsentativ für Deutschland. Befragt wurden vor allem Betriebe mit direktem Kundenkontakt, etwa aus Handwerk, Dienstleistungssektor und Einzelhandel.

Der Studie zufolge nutzen 86 Prozent der Unternehmen Überweisungen und 52 Prozent Bargeld. Gleichzeitig akzeptiert rund ein Drittel der Betriebe Zahlungen per Giro- oder Kreditkarte. Etwa jedes vierte Unternehmen bietet darüber hinaus Online- oder mobile Bezahlverfahren wie digitale Wallets oder Bezahldienste an. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass digitale Zahlungsoptionen zwar noch nicht flächendeckend etabliert sind, sich jedoch zunehmend als Ergänzung zu klassischen Zahlungsarten durchsetzen.

Parallel zur Angebotsseite verändert sich auch das Zahlungsverhalten der Kundinnen und Kunden. Immer mehr Unternehmen beobachten eine Verschiebung hin zu kontaktlosen Zahlungen, insbesondere über Smartphones, was den Druck erhöht, entsprechende Verfahren bereitzustellen. 45 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass kontaktloses Bezahlen in den vergangenen zwei Jahren zugenommen hat. Gleichzeitig berichten 44 Prozent von einem Rückgang der Bargeldzahlungen. Mehr als ein Drittel stellt zudem fest, dass Online- und Mobile-Bezahlsysteme häufiger genutzt werden als noch vor zwei Jahren. Diese Entwicklung spiegelt sich auch auf Verbraucherseite wider.

In einer ergänzenden, bundesweiten Befragung von 1.000 Privatpersonen geben 55 Prozent an, digitale Bezahlverfahren heute häufiger zu nutzen als noch vor zwei Jahren. Insgesamt sind Online- und Mobile-Payment-Lösungen bei Verbraucherinnen und Verbrauchern mit 69 Prozent inzwischen ebenso verbreitet wie Bargeld. Damit nähern sich digitale und klassische Zahlungsmittel in der Nutzung deutlich an. Für viele Unternehmen bedeutet diese Entwicklung eine Anpassung an veränderte Kundenerwartungen. Digitale Bezahlmöglichkeiten werden zunehmend als Bestandteil zeitgemäßer Serviceangebote wahrgenommen, insbesondere in verbrauchernahen Branchen.

Es zeigt sich, dass digitale Bezahlverfahren für Unternehmen vorteilhaft sein können: sowohl mit Blick auf die Kundenzufriedenheit als auch zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit in einem sich schnell entwickelnden Markt.“

Guido Groß, Bereichsvorstand Unternehmerkunden Commerzbank

Effizienzgewinne, Sicherheit und organisatorische Entlastung

Aus Sicht der Unternehmen sehen viele Betriebe konkrete Vorteile in der Nutzung bargeldloser Zahlungssysteme. Drei Viertel der Befragten bewerten den Zahlungseingang als sicherer, gut zwei Drittel schätzen die schnelle und einfache Abwicklung. Zudem berichten 60 Prozent von einer Reduzierung des Aufwands rund um Bargeld, etwa bei Kassenabrechnung oder Bargeldlogistik. Weniger bekannt oder bislang kaum relevant sind hingegen Zusatzfunktionen moderner Zahlungslösungen. Dazu zählen beispielsweise digitale Belege, integrierte Trinkgeldfunktionen oder weitergehende Auswertungsmöglichkeiten. Diese Potenziale werden von vielen Unternehmen bislang nicht als entscheidender Mehrwert wahrgenommen. Als mögliche Ursache nennt die Studie die hohe Komplexität des Marktes. 41 Prozent der Unternehmen empfinden die Vielzahl an Anbietern und Produkten als Herausforderung bei Auswahl, Einrichtung und Nutzung digitaler Bezahlsysteme.

KTstock / Bigstock

Neben Marktunübersichtlichkeit zählen Datenschutz und IT-Sicherheit zu den größten Hemmnissen bei der Einführung digitaler Zahlungsarten. Rund die Hälfte der befragten Unternehmen sieht hier relevante Herausforderungen. Technische Aspekte wie die Integration in bestehende Systeme oder eine unzureichende Internetanbindung nennen 46 Prozent als Problemfelder. Auch wirtschaftliche und organisatorische Faktoren spielen eine Rolle. 38 Prozent der Unternehmen führen Kosten als Hürde an, während ein Drittel angibt, im Tagesgeschäft nicht ausreichend Zeit für die Auswahl und Implementierung digitaler Zahlungslösungen zu haben. Diese Faktoren bremsen insbesondere kleinere Betriebe bei der weiteren Digitalisierung ihrer Zahlungsprozesse. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der Ausbau digitaler Bezahlinfrastruktur nicht allein eine technische Frage ist, sondern auch organisatorische und regulatorische Aspekte umfasst.

Erwartungen an künftige Entwicklungen im Zahlungsverkehr

Trotz bestehender Hürden rechnen viele Unternehmen mit weiteren Innovationen im Bereich der Zahlungssysteme. 66 Prozent erwarten zusätzliche Online- und Mobile-Bezahlverfahren. Mehr als die Hälfte der Befragten kann sich zudem den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Zahlungsverkehr vorstellen, etwa zur Betrugserkennung oder Prozessautomatisierung. Rund 40 Prozent sehen biometrische Verfahren wie Iris- oder Gesichtserkennung als möglichen Zukunftstrend. Mehr als jeder fünfte Betrieb plant laut Studie, sein Angebot an Bezahlmöglichkeiten weiter auszubauen, um besser auf das Zahlungsverhalten der Kundinnen und Kunden reagieren zu können. Zwar bewerten vier von fünf Unternehmen die Zahlungsmoral insgesamt als gut oder sehr gut, doch 13 Prozent berichten von einer Verschlechterung in den vergangenen zwei Jahren.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass digitale Bezahlverfahren eine wachsende Bedeutung erhalten und Verbraucher ein innovatives Angebot erwarten. Unternehmen sollten sich daher frühzeitig mit den Trends beschäftigen und deren Potenziale nutzen. Bei der Auswahl und Einrichtung des richtigen Zahlungssystems können auch wir sie unterstützen.“

Guido Groß, Bereichsvorstand Unternehmerkunden Commerzbank

Insgesamt zeigt die Studie, dass digitale Bezahlverfahren im Mittelstand weiter an Bedeutung gewinnen und zunehmend als Wettbewerbsfaktor verstanden werden. Unternehmen stehen dabei vor der Aufgabe, technologische Entwicklungen, Sicherheitsanforderungen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen miteinander in Einklang zu bringen.tw

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