ANWENDUNG13. Februar 2026

Digitaler Euro: HDE warnt vor Komplexitätsfalle

Das Bild zeigt das Logo des Handelsverbands Deutschland (HDE). Es besteht aus einem stilisierten Buchstaben „h“ in einem grünen Kreis sowie dem Schriftzug „HDE Handelsverband Deutschland“ in blauer Schrift. Der Handelsverband Deutschland (HDE) warnt in einer aktuellen Stellungnahme vor dem Scheitern des Projekts zum digitalen Euro durch eine zu komplexe und realitätsferne Ausgestaltung. Der HDE schlägt hier erstmals deutlich kritische Töne an – auch wenn der Verband die Einführung des digitalen Euro weiterhin grundsätzlich unterstützt.

Der deutsche Einzelhandel wickelt jährlich rund 20 Milliarden Transaktionen ab und sieht sich mit stetig steigenden Kosten durch die Marktdominanz amerikanischer Zahlungssysteme konfrontiert. Besonders im E-Commerce und bei grenzüberschreitenden Zahlungen sind europäische Alternativen kaum vorhanden. Der HDE sieht im digitalen Euro die Chance auf ein neutrales, staatlich garantiertes Zahlungsmittel – vergleichbar mit Bargeld im analogen Raum.

Ulrich Binnebößel, HDE-Abteilungsleiter Zahlungsverkehr, äußert Bedenken hinsichtlich der Komplexität des digitalen Euro. Diese könnte die Chancen auf eine Unabhängigkeit von privaten Zahlungssystemen gefährden.
Ulrich Binnebößel/Twitter

Der digitale Euro hat das Potenzial, die Abhängigkeit von privaten internationalen Zahlungssystemen zu durchbrechen. Die aktuellen Planungen könnten diese Chance allerdings verspielen. Das Projekt droht, in eine Komplexitätsfalle zu geraten.“

Ulrich Binnebößel, HDE-Abteilungsleiter Zahlungsverkehr

Scharfe Kritik übt der HDE (Website) jedoch am geplanten Kompensationsmodell, mit dem die Aufwände der Banken durch den Handel ausgeglichen werden sollen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte bereits im Oktober 2023 in ihrem Beschluss zum Start der Vorbereitungsphase für den digitalen Euro erklärt, dass ein Kompensationsmodell erforderlich wäre, das analog zum Interchange-Modell bei Kreditkarten funktionieren sollte.

Das vorgesehene Modell bedeutet praktisch eine Übernahme des ineffizienten Interchange-Modells aus dem Kreditkartengeschäft. Wenn die Kosten der Wallet-Anbieter von den Händlern getragen werden sollen, führt das nicht zu einer effizienten Abwicklung von Transaktionen.“

Ulrich Binnebößel

Statt einer Orientierung an marktüblichen Preisen der etablierten Verfahren fordert der HDE konkret transaktionsbasierte Gebühren von maximal vier Cent statt prozentualer Entgelte. Der öffentliche digitale Euro unterscheide sich von privaten Zahlungsmethoden dadurch, dass er mit einer obligatorischen Akzeptanz einhergehe und für die ausstellenden Banken kein Kreditrisiko bestehe. Das müsse sich auch in den Kosten widerspiegeln.

Zudem müssten praxisgerechte Haltegrenzen für Händler eingeführt werden, um Buchungskosten zu vermeiden und B2B-Zahlungen zu ermöglichen. Die EZB hatte für Unternehmen ein Haltelimit von Null vorgeschlagen, um eine Anhäufung von digitalem Euro zu vermeiden.

Eine generelle Akzeptanzpflicht lehnt der HDE daher entschieden ab, solange die Kostenstruktur nicht effizient gestaltet ist.

Bei richtiger Ausgestaltung könnte der digitale Euro zu einem Erfolgsmodell werden, das Effizienz und Innovation fördert. Europa kann es sich nicht leisten, diese Chance zu verspielen. Die Entscheidungen der kommenden Monate werden darüber bestimmen, ob der digitale Euro seine transformative Kraft entfalten kann oder als kostenintensives Zwangssystem scheitert.“

Ulrich Binnebößel

Damit könnten die Banken jetzt bei ihrem Engagement für eine stärkere Praxisorientierung beim digitalen Euro (https://www.it-finanzmagazin.de/digitaler-euro-hohe-kosten-fraglicher-nutzen-banken-fordern-kurskorrektur-228403/) mit dem Handel einen neuen Verbündeten an ihrer Seite haben.fb

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert