Genossenschaftsbanken wollen mit digitaler Beratung bei junger Kundschaft aufholen

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«Wir haben keinen Grund, in Panik zu verfallen – im Gegenteil“, sagte Hoeck, der den Verband seit dem 1. September führt, angesichts wachsender Konkurrenz.
Wir kommen aus einer soliden Marktposition, die wir über die Jahre ausgebaut haben, und wir stellen jetzt Wettbewerber fest, die wir aufmerksam beobachten müssen.“
Michael Hoeck, Vorstandsvorsitzende des Genoverbandes
Stabile Mitgliederzahlen wären schon ein Erfolg
Die genossenschaftlich organisierten Volks- und Raiffeisenbanken sind bemüht, ihre Kundschaft als Mitglieder enger an sich zu binden. Bei den 264 Instituten im Gebiet des Genoverbandes blieb die Zahl der Mitglieder im laufenden Jahr nach Angaben von Hoeck stabil – entgegen dem bundesweiten Trend rückläufiger Mitgliederzahlen. „Aber die Altersstruktur lässt natürlich schon erkennen, dass wir überdurchschnittlich mehr alte Mitglieder haben und dass wir uns in den jüngeren Kundengruppen schwerer tun.“
Der Verbandschef, der zuvor lange in führender Funktion in Volksbanken tätig war, bilanziert: «Wir haben unsere digitalen Kompetenzen deutlich ausweiten können, aber wir haben natürlich noch Luft nach oben.“ Hoecks Credo: „Wir sollten in der Gruppe Mitgliedschaft so gestalten, dass wir in der jungen Zielgruppe relevant bleiben. Und dann gelingt es uns auch, die Mitgliederzahlen stabil zu halten. Bei dem demografischen Druck, der dahinter ist, sind stabile Mitgliederzahlen schon ein Erfolg.“
Keine Lockangebote bei Zinsen
Über Zinsaktionen will Hoeck aber nicht zum Erfolg kommen: „Mit Lockangeboten haben wir noch nie einen Blumentopf gewonnen.“ Was ihn mit beim Thema Geldanlage besorge, sei vielmehr, dass „ein Phänomen aus der Niedrigzinsphase“ zurückkomme: „Die Menschen verlieren wieder ihre Struktur beim Geldanlegen.“ Traditionell lassen viele Menschen in Deutschland reichlich Geld auf niedrig oder gar nicht verzinsten Tages- und Girokonten liegen. Jetzt fange „diese Lethargie schon wieder an“, bedauerte Hoeck. Es gebe leider „eine deutsche Angst, dass man am Aktienmarkt viel Geld verlieren kann“. Hoeck betonte: „Sie können mit Tagesgeld die Inflation nicht schlagen.“ Abzüglich der Teuerungsrate verlieren Ersparnisse dann an Wert. „Unser Job ist es, die Menschen dahin zu beraten, dass sie die Inflation schlagen können.“
Beraten wird auch bei Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken immer häufiger auf digitalen Kanälen. Gerade kleinere Filialen auf dem Land werden geschlossen. Und auch die Zahl der Institute sinkt seit Jahren: „Wir hatten dieses Jahr elf Fusionen, und für nächstes Jahr sind schon wieder zehn angemeldet“, schilderte Hoeck. „Ich rechne auch in den nächsten Jahren mit einer zweistelligen Zahl von Fusionen in unserem Verbandsgebiet.“
Digitale Services nicht mehr nur Nice-to-Have-Features
Aus technischer Sicht steht die genossenschaftliche Bankengruppe damit noch immer an einem Wendepunkt. Die digitale Leistungsfähigkeit ist in den vergangenen Jahren zwar deutlich gestiegen, doch der Maßstab wird zunehmend von Plattformanbietern und App-basierten Neobanken gesetzt. Für jüngere Kundinnen und Kunden ist digitale Exzellenz kein Zusatzangebot mehr, sondern Grundvoraussetzung. Erwartet werden durchgängige digitale Prozesse, sofortige Verfügbarkeit von Services, hohe Performance sowie intuitive Nutzerführung über alle Kanäle hinweg. Die Herausforderung für Volks- und Raiffeisenbanken liegt aber weniger in der historisch gewachsenen IT-Landschaft mit komplexen Kernbanksystemen, hohen Abhängigkeiten und langen Release-Zyklen – Geschwindigkeit entsteht hier nicht allein durch neue Frontends, sondern durch tiefgreifende Modernisierung von Architektur, Datenhaltung und Prozessautomatisierung.
Gleichzeitig gewinnt die Digitalisierung der Beratung strategisch an Bedeutung. Wenn persönliche Nähe und Mitgliedschaft auch in digitalen Kanälen erlebbar bleiben sollen, braucht es intelligente Unterstützungssysteme, die Berater entlasten und Kunden Orientierung geben – etwa durch KI-gestützte Analysen, personalisierte Finanzübersichten oder hybride Beratungsmodelle. Gerade im Kontext von Geldanlage, Inflation und langfristigem Vermögensaufbau kann technologiegestützte Beratung helfen, Komplexität zu reduzieren und Vertrauen aufzubauen. dpa, Einordnung tw
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