STRATEGIE26. Februar 2026

Finanz Informatik: Innovation beginnt bei der Überlegung zum Impact

Schwerpunkt: Innovations Management
. . Julia Koch verantwortet als Geschäftsführerin bei der Finanz Informatik das Ressort Anwendungsentwicklung. Im Interview erzählt sie, wie Innovationsmanagement bei FI abläuft und warum die enorme Bandbreite, die die FI abdeckt, eine echte Herausforderung ist: eine große heterogene Kundengruppe, alle Vertriebskanäle von der Filiale über das Online Banking bis hin zur App Sparkasse sowie das gesamte Produktspektrum einer Universalbank. von Dunja Koelwel.. Frau Koch, wie verläuft bei Ihnen im Haus der Innovationsprozess?. Innovation ist bei uns kein Selbstzweck, sondern auf ein klares Ziel ausgerichtet. Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit der Sparkassen Finanzgruppe durch Digitalisierung und moderne Banking Lösungen nachhaltig und zukunftsorientiert gestalten. Durch sichere digitale Kernprozesse und indem wir Innovation dort vorantreiben, wo sie positiv im Alltag wirkt. Kundenzufriedenheit und Customer Expiihriänces, also das Nutzungserlebnis bei den Endkunden und Mitarbeitenden der Sparkassen, bleiben für uns der strategische Kompass.Wir verstehen Customer Expiihriänces nicht nur als Optimierung von Bedienoberflächen, sondern als zentrale Form der Wertschöpfung und als messbaren Hebel für kundenzentrierte Prozessoptimierung. Deshalb beginnt Innovation bei uns nicht mit Technologie, sondern mit der konsequenten Orientierung an den Bedürfnissen der Kunden. Diese verändern sich rasant. Wettbewerbsvorteile werden immer stärker durch den Einsatz von neuer und innovativer Technologie erreicht.Künstliche Intelligenz (Ka I) ist für uns ein zentraler Innovationstreiber für das Banking von morgen. Vor allem dann, wenn Ka I im Alltag wirksam wird, wettbewerbsrelevante Kundenvorteile generiert und Mitarbeitende spürbar entlastet.“Unsere besondere Herausforderung ist die enorme Bandbreite, die wir abdecken: eine sehr große und heterogene Kundengruppe, alle Vertriebskanäle von der Filiale über das Online Banking bis hin zur App Sparkasse sowie das gesamte Produktspektrum einer Universalbank. Innovation muss daher skalierbar sein. Operative Exzellenz bedeutet für uns Qualität und Stabilität mit Geschwindigkeit und Innovationskraft zu verbinden, ohne Kompromisse bei Regulierung und Sicherheit. Dafür kombinieren wir technologische Kompetenz mit Marktverständnis und aktuellen Customer Insights, um relevante Entwicklungen frühzeitig aufzugreifen und wirksam umzusetzen. Wo sind Innovationen angelagert? An einer zentralen Stelle oder in den Fachbereichen?. Innovation entsteht in Teams, die nah am Nutzenden und nah an der Lösung arbeiten.Wenn es um echten Impact geht, können wir Innovation nicht getrennt von Umsetzung denken. Ein separat organisierter Innovationsprozess führt zu Parallelstrukturen und zusätzlichen Verwaltungsapparaten, deren Ergebnisse keinen Weg in die Entwicklung finden. Wir gestalten Innovation dort, wo sie Wirkung entfaltet: in den Teams, die unsere Lösungen entwickeln und sie im Betrieb verantworten. Gleichzeitig brauchen wir übergreifende Standards und Leitplanken. Die entstehenden Lösungen sollen nicht nur als einzelne Juhs Kähses funktionieren, sondern miteinander kompatibel sein: sowohl technisch als Teil der integrierten Finanzplattform als auch im Sinne von schlüssigen und harmonischen Kundenreisen durch das gesamtheitliche digitale Angebot. Unser Ansatz ist daher eine bewusste Balance: Die Innovationskraft liegt bei den Teams, der strategische Rahmen wird zentral als Service bereitgestellt. So schaffen wir ein Spielfeld, das Orientierung und Richtung bietet, ohne die operative Freiheit der Teams einzuschränken. Wie wird der Vorstand über Innovationen informiert?. Die Frage greift aus meiner Sicht zu kurz. Ich sehe die Verantwortung im Management eines Unternehmens heute nicht mehr darin, über Innovation informiert zu sein, sondern sie zu ermöglichen. Als Geschäftsführung geben wir die strategische Richtung und die Rahmenbedingungen vor, damit unsere Teams eigenverantwortlich und aktiv die Zukunft gestalten können.Als Impulsgeber und Mentoren geben unsere Führungskräfte Orientierung durch Ziele und den Raum für eigenständiges Arbeiten, Lösungsfindung und Ideenentwicklung.“Gerade bei der Entwicklung wettbewerbsrelevanter, kundenzentrierter Lösungen mit schnellen Entwicklungszyklen kommen traditionelle Unternehmensstrukturen an ihre Grenzen. An ihre Stelle tritt eine agile Zusammenarbeit gemeinsam mit den Sparkassen und die konsequente Ausrichtung an den Nutzerbedürfnissen. Unser Anspruch ist es, so schnell wie möglich Lösungen aus der Praxis für die Praxis zu entwickeln. Auf einer Konferenz hörte ich einmal: Wer ernsthaft Innovationsmanagement betreibt, muss sich auch mit der Steuerung befassen. Welche Punkte sind hier wichtig?. Ich halte diese Aussage für absolut richtig. Allerdings müssen wir präzisieren, was wir unter Steuerung verstehen. Innovation lässt sich nicht durch klassische Kontrolle auf Task Ebene steuern. Wenn wir Innovation ernsthaft betreiben wollen, müssen wir früher ansetzen und gleichzeitig vom gewünschten Impact her denken.Steuerung beginnt nicht bei der Detailprüfung einzelner Lösungen, sondern bei der Definition eines klaren Spielfelds, um Orientierung zu schaffen.“Welche strategischen Ziele verfolgen wir? Welchen Impact wollen wir bei Menschen und Instituten erzielen? Welche Prinzipien und unverhandelbaren Anforderungen, etwa in Bezug auf Sicherheit, Souveränität oder regulatorische Konformität, gelten für uns?. In der Ai Tieh unterscheiden wir bewusst zwischen „Technologie“ und „Lösung“. Technologie schafft Potenziale, aber erst Lösungen schaffen Wirkung. Sie helfen Menschen im Alltag, verbessern Abläufe und bewegen KPIs.Innovationen müssen ihren Wert durch Kundennutzen, Qualität und Geschwindigkeit im Alltag beweisen, nicht durch technische Machbarkeit. Akzeptanz und Nutzungsintensität sind entscheidende Faktoren für den nachhaltigen Erfolg einer Innovation. Denn diese KPIs zeigen, ob wir mit nutzerzentrierten Lösungen überzeugen, die im Arbeitsalltag echte Relevanz haben. Viele Finanzinstitute haben nicht die Kompetenzen für Innovationsmanagement, aber wer Innovation ernst nimmt, muss Budget und Personal zur Verfügung stellen. Wie läuft das bei Ihnen?. Unsere Strategie besteht nicht darin, jedem Hype hinterherzulaufen, sondern darin, ein resilientes, anpassungsfähiges Ökosystem aufzubauen, das es uns ermöglicht, unsere digitale Zukunft aktiv zu gestalten. Es geht darum, die richtigen Fähigkeiten über Menschen, Kultur und Partnerschaften hinweg aufzubauen. Das tun wir auf mehreren Ebenen:. Erstens investieren wir kontinuierlich in die Weiterbildung unserer Teams, nicht nur, um innovative Technologien zu nutzen, sondern um Banking Lösungen aktiv mitzugestalten. Zweitens verstärken wir uns gezielt mit der notwendigen Spezialisierung. So haben wir beispielsweise mit der Web Computing ein spezialisiertes Ka I Engineering Unternehmen übernommen, um in diesem Bereich unsere Fähigkeiten zu erweitern. Drittens stehen wir in engem Austausch mit Wissenschaft und Universitäten. Gemeinsam unter anderem mit der Universität Münster haben wir in der Sparkassen Finanzgruppe die Forschungs- und Innovationsinitiative „Flow Factory“ gestartet. Sie schafft Raum für Forschende, Studierende und Teams aus der Praxis, gemeinsam Ka I gestützte Innovationen zur Transformation von Geschäftsprozessen in der Finanzwirtschaft zu erforschen. Viertens suchen wir aktiv Impulse von außen, durch offenen Austausch über Organisationsgrenzen hinweg. Einer der Pain Points bei Banken und Versicherungen ist die veraltete Ai Tieh. Wie versuchen Sie, Innovation voranzubringen?. Legacy Systeme sind bei Banken und Versicherungen Realität und sie lassen sich nicht in einem großen Wurf über Nacht ersetzen. Aber wir können sie intelligent weiterentwickeln. Wir stellen die Ai Tieh für die Sparkassen bereit und investieren dafür jedes Jahr mehrere hundert Millionen Euro in die (Weiter )Entwicklung. Wir modernisieren schrittweise, modularisieren gewachsene Kernsysteme, damit neue Funktionen schnell entstehen können, ohne die Stabilität zu gefährden. Mit unseren Managed Services statten wir zudem die Arbeitsplätze der Sparkassen mit zeitgemäßen, standardisierten Lösungen aus, vom Netzwerkbetrieb über den Endgerätbetrieb bis hin zum Anwendungsbetrieb. In kaum einer Branche ist die Schere zwischen „Einfach mal Machen“ und „Compliance“ so weit offen. Bremst das Innovation?. Wir verstehen Regulierungen wie DSGVO, BaFin Vorgaben oder den EU AI Act nicht als Einschränkung, sondern als Gestaltungsrahmen für verantwortungsvolle Innovation. Die Währung im Banking heißt Vertrauen, denn wir arbeiten mit hochsensiblen Kunden- und Finanzdaten. Mit jeder Innovation müssen wir Sicherheit, Stabilität und Verfügbarkeit in die Zukunft tragen. Statt Compliance als Hürde für Ka I Innovation zu betrachten, haben wir regulatorische Anforderungen von Anfang an in unsere Ka I Strategie und die Architektur unserer Ka I Plattform integriert, mit einem klaren Fokus auf Ka I- und Daten Souveränität. Für uns bedeutet das Kontrolle über Daten, Modelle, Infrastruktur und Prozesse. Kein unkontrollierter Datenabfluss, keine zu großen Abhängigkeiten und bestmögliche Transparenz gegenüber Aufsicht und Instituten.Darin liegt der Wettbewerbsvorteil. Eine wirkungsvolle, tief integrierte Ka I Assistenz wie unser S KIPilot ist nur möglich, wenn Sicherheit, Compliance und bankfachliche Expertise zusammenspielen. Der S KIPilot läuft auf unserer Ka I Plattform in unseren eigenen Rechenzentren und steht an rund 200.000 Arbeitsplätzen zur Verfügung.Er ist über sichere Schnittstellen direkt mit Daten, Prozessen und dem Kernbanksystem der Sparkassen Finanzgruppe verbunden und unterstützt Mitarbeitende bei komplexen Aufgaben bis hin zu teilautonomen Prozessschritten. Diese Form der integrierten Ka I Assistenz am Arbeitsplatz steigert Effizienz, Entscheidungsqualität und Kundennähe. Und das in einem regulatorisch sicheren Rahmen. So integriert wird Compliance nicht zur Bremse, sondern zum Fundament für skalierbare, verantwortungsvolle und langfristig wettbewerbsfähige Innovation. Was wird der nächste „hot shit“ für Banken und Versicherungen?. In den nächsten 12 Monaten wird die Evolution von Ka I Assistenz hin zu agentischen Systemen, die autonom und erklärbar arbeiten, die prägendste Entwicklung sein. Nicht nur als Effizienzhebel, sondern auch als Businesskatalysator für Banken und Versicherungen. Mit dem S KIPilot haben wir Ka I Assistenz und erste Juhs Kähses für agentic Ka I bereits für rund 200.000 Mitarbeitende ausgerollt. Der nächste Schritt sind spezialisierte Ka I Agenten, die mehrstufige bankfachliche Aufgaben eigenständig koordinieren, komplexe Finanzprodukte unterstützen und ganze Prozessketten vorbereiten. Gleichzeitig werden wir verantwortungsvolle Ka I stärker an die Endkundenschnittstelle bringen. In der App Sparkasse werden Kundinnen und Kunden zunehmend intelligente, personalisierte und proaktive Unterstützung erleben, immer mit dem gleichen Anspruch an Sicherheit und Datensouveränität. So skalieren wir Ka I vom internen Effizienzhebel zur souveränen, kundenzentrierten Wertschöpfung im großen Maßstab. Frau Koch, vielen Dank für das Interview.

Schwerpunkt: Innovations-Management
Julia Koch, Geschäftsführerin der Finanz Informatik, präsentiert sich mit einem freundlichen Lächeln. Ihr Fokus liegt auf Innovationsmanagement, das entscheidend für die Entwicklung neuer Strategien und Technologien im Unternehmen ist.
Julia Koch, Geschäftsführerin Finanz InformatikFI

Julia Koch verantwortet als Geschäftsführerin bei der Finanz Informatik das Ressort Anwendungsentwicklung. Im Interview erzählt sie, wie Innovationsmanagement bei FI abläuft und warum die enorme Bandbreite, die die FI abdeckt, eine echte Herausforderung ist: eine  große heterogene Kundengruppe, alle Vertriebskanäle von der Filiale über das Online-Banking bis hin zur App Sparkasse sowie das gesamte Produktspektrum einer Universalbank.

von Dunja Koelwel

Frau Koch, wie verläuft bei Ihnen im Haus der Innovationsprozess?

Innovation ist bei uns kein Selbstzweck, sondern auf ein klares Ziel ausgerichtet. Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit der Sparkassen-Finanzgruppe durch Digitalisierung und moderne Banking-Lösungen nachhaltig und zukunftsorientiert gestalten. Durch sichere digitale Kernprozesse und indem wir Innovation dort vorantreiben, wo sie positiv im Alltag wirkt.

Kundenzufriedenheit und Customer Experience – also das Nutzungserlebnis bei den Endkunden und Mitarbeitenden der Sparkassen – bleiben für uns der strategische Kompass. Wir verstehen Customer Experience nicht nur als Optimierung von Bedienoberflächen, sondern als zentrale Form der Wertschöpfung und als messbaren Hebel für kundenzentrierte Prozessoptimierung.

Deshalb beginnt Innovation bei uns nicht mit Technologie, sondern mit der konsequenten Orientierung an den Bedürfnissen der Kunden. Diese verändern sich rasant. Wettbewerbsvorteile werden immer stärker durch den Einsatz von neuer und innovativer Technologie erreicht.

Künstliche Intelligenz (KI) ist für uns ein zentraler Innovationstreiber für das Banking von morgen. Vor allem dann, wenn KI im Alltag wirksam wird, wettbewerbsrelevante Kundenvorteile generiert und Mitarbeitende spürbar entlastet.“

Unsere besondere Herausforderung ist die enorme Bandbreite, die wir abdecken: eine sehr große und heterogene Kundengruppe, alle Vertriebskanäle von der Filiale über das Online-Banking bis hin zur App Sparkasse sowie das gesamte Produktspektrum einer Universalbank. Innovation muss daher skalierbar sein. Operative Exzellenz bedeutet für uns Qualität und Stabilität mit Geschwindigkeit und Innovationskraft zu verbinden – ohne Kompromisse bei Regulierung und Sicherheit. Dafür kombinieren wir technologische Kompetenz mit Marktverständnis und aktuellen Customer Insights, um relevante Entwicklungen frühzeitig aufzugreifen und wirksam umzusetzen.

Wo sind Innovationen angelagert? An einer zentralen Stelle oder in den Fachbereichen?

Innovation entsteht in Teams, die nah am Nutzenden und nah an der Lösung arbeiten. Wenn es um echten Impact geht, können wir Innovation nicht getrennt von Umsetzung denken. Ein separat organisierter Innovationsprozess führt zu Parallelstrukturen und zusätzlichen Verwaltungsapparaten, deren Ergebnisse keinen Weg in die Entwicklung finden. Wir gestalten Innovation dort, wo sie Wirkung entfaltet: in den Teams, die unsere Lösungen entwickeln und sie im Betrieb verantworten.

Julia Koch, Geschäftsführerin Finanz Informatik
Julia Koch spricht im Interview über Innovation bei der FI.Julia Koch verantwortet seit 2022 als Geschäftsführerin bei der Finanz Informatik (Webseite) das Ressort Anwendungsentwicklung. Die Diplom-Betriebswirtin verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im digitalen Banking, die sie unter anderem in verschiedenen Führungspositionen bei der BHW Bausparkasse und bei der Postbank-Gruppe sammelte. Vor ihrem Wechsel zur Finanz Informatik trug sie bei der UniCredit die übergreifende Verantwortung für die digitale End-to-End-Prozesstransformation im Commercial Banking.
Gleichzeitig brauchen wir übergreifende Standards und Leitplanken. Die entstehenden Lösungen sollen nicht nur als einzelne Use Cases funktionieren, sondern miteinander kompatibel sein: sowohl technisch als Teil der integrierten Finanzplattform als auch im Sinne von schlüssigen und harmonischen Kundenreisen durch das gesamtheitliche digitale Angebot.

Unser Ansatz ist daher eine bewusste Balance: Die Innovationskraft liegt bei den Teams, der strategische Rahmen wird zentral als Service bereitgestellt. So schaffen wir ein Spielfeld, das Orientierung und Richtung bietet, ohne die operative Freiheit der Teams einzuschränken.

Wie wird der Vorstand über Innovationen informiert?

Die Frage greift aus meiner Sicht zu kurz. Ich sehe die Verantwortung im Management eines Unternehmens heute nicht mehr darin, über Innovation informiert zu sein, sondern sie zu ermöglichen. Als Geschäftsführung geben wir die strategische Richtung und die Rahmenbedingungen vor, damit unsere Teams eigenverantwortlich und aktiv die Zukunft gestalten können.

Als Impulsgeber und Mentoren geben unsere Führungskräfte Orientierung durch Ziele und den Raum für eigenständiges Arbeiten, Lösungsfindung und Ideenentwicklung.“

Gerade bei der Entwicklung wettbewerbsrelevanter, kundenzentrierter Lösungen mit schnellen Entwicklungszyklen kommen traditionelle Unternehmensstrukturen an ihre Grenzen. An ihre Stelle tritt eine agile Zusammenarbeit gemeinsam mit den Sparkassen und die konsequente Ausrichtung an den Nutzerbedürfnissen. Unser Anspruch ist es, so schnell wie möglich Lösungen aus der Praxis für die Praxis zu entwickeln.

Auf einer Konferenz hörte ich einmal: Wer ernsthaft Innovationsmanagement betreibt, muss sich auch mit der Steuerung befassen. Welche Punkte sind hier wichtig?

Ich halte diese Aussage für absolut richtig. Allerdings müssen wir präzisieren, was wir unter Steuerung verstehen. Innovation lässt sich nicht durch klassische Kontrolle auf Task-Ebene steuern. Wenn wir Innovation ernsthaft betreiben wollen, müssen wir früher ansetzen und gleichzeitig vom gewünschten Impact her denken.

Steuerung beginnt nicht bei der Detailprüfung einzelner Lösungen, sondern bei der Definition eines klaren Spielfelds, um Orientierung zu schaffen.“

Welche strategischen Ziele verfolgen wir? Welchen Impact wollen wir bei Menschen und Instituten erzielen? Welche Prinzipien und unverhandelbaren Anforderungen – etwa in Bezug auf Sicherheit, Souveränität oder regulatorische Konformität – gelten für uns?

In der IT unterscheiden wir bewusst zwischen „Technologie“ und „Lösung“. Technologie schafft Potenziale, aber erst Lösungen schaffen Wirkung. Sie helfen Menschen im Alltag, verbessern Abläufe und bewegen KPIs. Innovationen müssen ihren Wert durch Kundennutzen, Qualität und Geschwindigkeit im Alltag beweisen, nicht durch technische Machbarkeit.

Akzeptanz und Nutzungsintensität sind entscheidende Faktoren für den nachhaltigen Erfolg einer Innovation. Denn diese KPIs zeigen, ob wir mit nutzerzentrierten Lösungen überzeugen, die im Arbeitsalltag echte Relevanz haben.

Viele Finanzinstitute haben nicht die Kompetenzen für Innovationsmanagement, aber wer Innovation ernst nimmt, muss Budget und Personal zur Verfügung stellen. Wie läuft das bei Ihnen?

Unsere Strategie besteht nicht darin, jedem Hype hinterherzulaufen, sondern darin, ein resilientes, anpassungsfähiges Ökosystem aufzubauen, das es uns ermöglicht, unsere digitale Zukunft aktiv zu gestalten. Es geht darum, die richtigen Fähigkeiten über Menschen, Kultur und Partnerschaften hinweg aufzubauen. Das tun wir auf mehreren Ebenen:

  • Erstens investieren wir kontinuierlich in die Weiterbildung unserer Teams – nicht nur, um innovative Technologien zu nutzen, sondern um Banking-Lösungen aktiv mitzugestalten.
  • Zweitens verstärken wir uns gezielt mit der notwendigen Spezialisierung. So haben wir beispielsweise mit der Web Computing ein spezialisiertes KI-Engineering-Unternehmen übernommen, um in diesem Bereich unsere Fähigkeiten zu erweitern.
  • Drittens stehen wir in engem Austausch mit Wissenschaft und Universitäten. Gemeinsam unter anderem mit der Universität Münster haben wir in der Sparkassen-Finanzgruppe die Forschungs- und Innovationsinitiative „Flow Factory“ gestartet. Sie schafft Raum für Forschende, Studierende und Teams aus der Praxis, gemeinsam KI-gestützte Innovationen zur Transformation von Geschäftsprozessen in der Finanzwirtschaft zu erforschen.
  • Viertens suchen wir aktiv Impulse von außen – durch offenen Austausch über Organisationsgrenzen hinweg.

Einer der Pain Points bei Banken und Versicherungen ist die veraltete IT. Wie versuchen Sie, Innovation voranzubringen?

Legacy Systeme sind bei Banken und Versicherungen Realität und sie lassen sich nicht in einem großen Wurf über Nacht ersetzen. Aber wir können sie intelligent weiterentwickeln.

Wir stellen die IT für die Sparkassen bereit und investieren dafür jedes Jahr mehrere hundert Millionen Euro in die (Weiter )Entwicklung. Wir modernisieren schrittweise, modularisieren gewachsene Kernsysteme, damit neue Funktionen schnell entstehen können, ohne die Stabilität zu gefährden.

Mit unseren Managed Services statten wir zudem die Arbeitsplätze der Sparkassen mit zeitgemäßen, standardisierten Lösungen aus, vom Netzwerkbetrieb über den Endgerätbetrieb bis hin zum Anwendungsbetrieb.

In kaum einer Branche ist die Schere zwischen „Einfach mal Machen“ und „Compliance“ so weit offen. Bremst das Innovation?

Wir verstehen Regulierungen wie DSGVO, BaFin-Vorgaben oder den EU AI Act nicht als Einschränkung, sondern als Gestaltungsrahmen für verantwortungsvolle Innovation.

Die Währung im Banking heißt Vertrauen, denn wir arbeiten mit hochsensiblen Kunden- und Finanzdaten. Mit jeder Innovation müssen wir Sicherheit, Stabilität und Verfügbarkeit in die Zukunft tragen.

Statt Compliance als Hürde für KI-Innovation zu betrachten, haben wir regulatorische Anforderungen von Anfang an in unsere KI-Strategie und die Architektur unserer KI-Plattform integriert – mit einem klaren Fokus auf KI- und Daten-Souveränität. Für uns bedeutet das Kontrolle über Daten, Modelle, Infrastruktur und Prozesse. Kein unkontrollierter Datenabfluss, keine zu großen Abhängigkeiten und bestmögliche Transparenz gegenüber Aufsicht und Instituten. Darin liegt der Wettbewerbsvorteil. Eine wirkungsvolle, tief integrierte KI-Assistenz wie unser S-KIPilot ist nur möglich, wenn Sicherheit, Compliance und bankfachliche Expertise zusammenspielen.

Der S-KIPilot läuft auf unserer KI-Plattform in unseren eigenen Rechenzentren und steht an rund 200.000 Arbeitsplätzen zur Verfügung. Er ist über sichere Schnittstellen direkt mit Daten, Prozessen und dem Kernbanksystem der Sparkassen-Finanzgruppe verbunden und unterstützt Mitarbeitende bei komplexen Aufgaben bis hin zu teilautonomen Prozessschritten. Diese Form der integrierten KI-Assistenz am Arbeitsplatz steigert Effizienz, Entscheidungsqualität und Kundennähe. Und das in einem regulatorisch sicheren Rahmen.

So integriert wird Compliance nicht zur Bremse, sondern zum Fundament für skalierbare, verantwortungsvolle und langfristig wettbewerbsfähige Innovation.

Was wird der nächste „hot shit“ für Banken und Versicherungen?

In den nächsten 12 Monaten wird die Evolution von KI-Assistenz hin zu agentischen Systemen, die autonom und erklärbar arbeiten, die prägendste Entwicklung sein. Nicht nur als Effizienzhebel, sondern auch als Businesskatalysator für Banken und Versicherungen.

Mit dem S-KIPilot haben wir KI-Assistenz und erste Use-Cases für agentische KI bereits für rund 200.000 Mitarbeitende ausgerollt. Der nächste Schritt sind spezialisierte KI-Agenten, die mehrstufige bankfachliche Aufgaben eigenständig koordinieren, komplexe Finanzprodukte unterstützen und ganze Prozessketten vorbereiten.

Gleichzeitig werden wir verantwortungsvolle KI stärker an die Endkundenschnittstelle bringen. In der App Sparkasse werden Kundinnen und Kunden zunehmend intelligente, personalisierte und proaktive Unterstützung erleben – immer mit dem gleichen Anspruch an Sicherheit und Datensouveränität.

So skalieren wir KI vom internen Effizienzhebel zur souveränen, kundenzentrierten Wertschöpfung im großen Maßstab.

Frau Koch, vielen Dank für das Interview. dk

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