EVENTS & MESSEN11. März 2026

International Bankers Forum: Banken bauen KI produktiv – Berater zeigen noch Voicebot-Demos

Das IBF (International Bankers Forum) bringt mit knapp 100 Teilnehmern die Branche zum Thema AI in Frankfurt zusammen. Mit einem guten Mix von Praxis und Sponsorenbeiträgen liefert die Veranstaltung Einblicke, wo die Branche aktuell bei der Umsetzung von KI und KI-Agenten steht und zeigt, dass einige Institute bei konkreten Anwendungen bereits weiter sind als viele der anwesenden Anbieter erwarten.

Im Rahmen des International Bankers Forum eröffnet Samira Maleki eine Präsentation zum Thema Risikomanagement im Spannungsfeld von Regulierung und KI. Die Veranstaltung versammelt Fachleute der Finanzbranche in einem modernen Konferenzraum.
Dirk Emminger

Das International Bankers Forum (Website) ist ein unabhängiges Netzwerk der Finanzbranche mit Sitz in Frankfurt. Seit seiner Gründung 1986 bringt das Team, Finanzdienstleister, Beratungen, Aufsichtsbehörden und Institutionen zusammen. Zu den institutionellen Mitgliedern zählen unter Deutsche und internationale Großbanken, Privatbanken, sowie Börsen. Das IBF organisiert regelmäßig Konferenzen und Netzwerkveranstaltungen und dient als Plattform für den fachlichen Austausch zu Themen wie Regulierung, Digitalisierung und Entwicklungen im globalen Finanzmarkt.

Die Konferenz wurde von Samira Maleki eröffnet. Sie stellte gleich zu Beginn klar, dass die Transformation der Finanzindustrie nicht von einzelnen Akteuren entschieden werden kann.

Die technischen Herausforderungen unserer Zeit können nur in einem Ökosystem gemeistert werden, das alle relevanten Player an einen Tisch setzt, um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.“

Samira Maleki

Das IBF versteht sich dabei als Plattform zwischen Banken, Technologieanbietern und Beratungen. Entsprechend wurde die Veranstaltung gemeinsam mit Partnern wie Wavestone, Roland Berger, Accenture und dem AI Hub Frankfurt organisiert.

Christian Rhino, CIO der Private Bank der Deutschen Bank, präsentiert während des International Bankers Forum. Im Hintergrund ist eine Präsentation zur Cloud-Transformation zu sehen, die die Grundlage für die Nutzung von KI thematisiert.
Dirk Emminger

Den ersten Vortrag übernahm Christian Rhino, CIO der Private Bank der Deutschen Bank. Er sprach dabei in einer doppelten Rolle: Einerseits als Vorstandsmitglied des IBF andererseits als CIO Private Bank der Deutsche Bank. In seinem Vortrag ging er darauf ein, welche konkreten Auswirkungen künstliche Intelligenz aktuell auf die Banken hat.

Das erste Jahr bei der Deutschen Bank fühlt sich an wie fünf Jahre – nicht wegen der Menge an Themen, sondern weil neue Technologien die Bank an vielen Stellen gleichzeitig verändert und wir diese Chancen konsequent umsetzen müssen.“

Christian Rhino

Rhino brachte sehr gut Beispiele, wie sich neben der Technologie auch der Kunde verändert hat und in der Konsequenz sich damit das Interface zum Kunden verändern muss. Sein Beispiel aus dem täglichen Betrieb – kein Kunde benötigt ein Vollmachten Dokument 1:1 im Papierbasierten Format das Banken vor X Jahren in der Filiale benutzten. Der Kunde braucht eine Bestätigung – gerne auch rein als Nachrichten Feed, dass diese Vollmacht erstellt worden und gültig ist. Das benötigen die Kunden in einem Format und einem Kanal der zeitgemäß ist und auf den er sofort und 24/7 Zugriff hat. Das Ganze darf auch nicht 2 Tage inkl. Druck brauchen. Bei der ganzen Transformation muss festgehalten werden, dass das größte Asset einer Bank immer Trust ist. Daher muss der Maßstab auch immer eine maximale Qualität aber in der aktuellen Zeit mit einer Response Time von 1 Sekunde für Standard-Geschäftsvorfälle sein. Einblicke gab es ebenfalls und damit beindruckende Zahlen. Die Deutsche Bank beschäftigt aktuell ca. 4.500 Entwickler und 800 KI Entwickler von denen coden im eigentlichen Sinne „nur“ die Hälfte. Die Mehrzahl der Aufgaben und Aufwände liegen heute in der Entwicklung im Bereich der Validierung und im Monitoring der Governance. Die Deutsche Bank arbeitet aktuell mit einem Release pro Woche und man strebt hier auch noch kürze Zyklen an. Steuerung der Entwicklung erfolgt rein über Customer Value. Bringt eine Entwicklung keine Mehrwerte auf dem Customer Value, wird diese nicht umgesetzt.

Wir stecken jetzt nicht die Lebenszeit der Mannschaft in bedingungslose Optimierung der Infrastruktur – weil… wir müssen damit rechnen, dass KI Modelle das in 3 Jahre besser können. Christian Rhino

Von Datensilo zum Entscheidungsmotor: IT und KI im Schulterschluss

Stephan Simmang – CIO der Börse Stuttgart, präsentiert auf dem International Bankers Forum. Er betont die Bedeutung von KI als Business-Thema und die Notwendigkeit, Entwickler und IT-Experten in Teams zu integrieren.
Dirk Emminger

Der nächste Speaker – Stephan Simmang – CIO der Börse Stuttgart startete seinen Vortrag mit dem Statement, das KI kein IT Thema sondern ein Business Thema ist und man als Institut heutzutage besser einen Entwickler und einen ITler in ein Team setzen muss um die Herausforderungen zu meistern. Intern setzen die Stuttgarter – KI auch schon an vielen Stellen ein. Sei es im in Fachbereichen, wo der klassische RFI/RFQ Prozess mit KI und kleineren Agenten unterstützt wird oder wo zum Leidwesen einiger Anbieter SaaS Produkte ersetzt werden. In dem konkreten Fall war es z.B. Deepl (das Übersetzungstool) – das von einer KI unterstützten Eigenentwicklungen abgelöst wurde.

Vielleicht ist der Erfolg der Börse Stuttgart aber auch, dass man KI von Anfang an nicht nur aus der IT heraus gesteuert hat sondern als Wissen-Thema ins Business gegeben hat. KI nicht als Tool zu betrachten, hilft und wenn es darum geht, die KI zu betreiben und die dafür nötig Infrastruktur bereitzustellen, dann sind wir erst bei der IT.

Berater müssen fachlich und technisch tiefer und vor allem konkreter werden

Ohne Dienstleister und Sponsoren sind solche Veranstaltungen nur schwer möglich – daher gehörten die nächsten drei Slots auch genau diesen. Roland Berger, Wavestone und Accenture zeigten ihre Herangehensweise an KI Projekte und mögliche Prototypen insbesondere aus der Beratung. Angekündigt als Showcases und mit unterschiedlichen Marketing-Budgets produziert, wurden Voice Bots von Wavestone und Banking Agenten von Accenture gezeigt. Leider wenig konkrete Umsetzungsbeispiele aus realen Projekten sondern Roadmap und wie gesagt Showcases. Wavestone setzt richtigerweise bei Agenten mit Cross Selling und Value Added Services an – Accenture zeigt neben vielen Folien und neuem Wording einen Hochglanz Marketing Film. Beide sind unabhängig voneinander der Meinung, dass man sich auf neue Kundentypen einstellen muss. Leider beschrieb keiner der Anbieter ein Lösungsszenario für Agenten als „technischen“ Kunden – oder die Bank als Plattform für KI Agenten. Was interessanterweise auch bei keinem der Anbieter zum Tragen kam, waren technische Referenzen und Beispiel Architekturen – das Thema scheint verglichen mit den Ausführungen der Institute hier eher auf der Meta Ebene und Strategie zu stehen.

Prof. Dr. Jürgen Moormann der Frankfurt School of Finance & Management präsentiert auf dem International Bankers Forum. Im Hintergrund sind ein Bildschirm und ein Stehtisch sichtbar, während er aktiv Informationen vermittelt.
Dirk Emminger

Top Podiumsdiskussion AI HUB und Deka

Am Nachmittag zwei weitere Vorträge von Jörg Hessenmüller – COO, Standard Chartered zum Thema Risikomanagement im Spannungsfeld von Regulierung und AI und Prof. Dr. Jürgen Moormann der Frankfurt School of Finance & Management.

Warum müssen wir führend in der AI Regulierung sein – wir sollten uns dafür entscheiden führend in der AI Entwicklung zu sein.“

Jörg Hessemüller

Auch das Format der Podiumsdiskussion fehlte nicht bei dem IBF. Marcel Isbert – Co Founder AI Hub im Interview mit Dr. Cacilia Zim der Deka Bank. Diese Podiumsdiskussion war zwar inhaltlich nicht tief in Usecases – aber perfekt, um einen Einblick in ein Institut zu bekommen, welches früh auf eine eigene Strategieabteilung rund um das Thema im Haus gesetzt hat. Die hier vorgestellten Einblicke und Erfahrungen waren hochinteressant und zeigten wieder einmal, dass es im Wesentlichen um Befähigung der Mitarbeiter und das Anpassen der internen Prozesse an die neue (schnelle) Realität geht. Beispiel Budgetierung:

Die Budgetierung mit einem Jahr Vorlauf ist in der aktuellen Zeit hinderlich und so ist eines unserer Themen das Anpassen und Planungszyklen aufzuweichen. Die Deka hat ein KI Board und ein exklusives Budget dazu geschaffen, um auch kurzfristig zu reagieren.“

Breite Befähigung ist bei der Deka ein Thema. KI-Kompetenz soll nicht nur in einzelnen Spezialteams entstehen, sondern möglichst in der gesamten Organisation.

Zwei Personen diskutieren auf einer Bühne während des International Bankers Forum. Im Hintergrund ist ein Banner von Wavestone zu sehen. Die Veranstaltung fokussiert sich auf den Einsatz von KI in Banken und die Rolle von Agenten in der Transformation.
Dirk Emminger

Hilfreich ist dabei auch die Unterstützung auf oberster Ebene. Zwei KI-affine Vorstände treiben das Thema aktiv voran und schaffen damit Rückhalt für die Transformation. Neben Begeisterung gab/gibt es wie in vielen Organisationen zunächst auch Unsicherheiten oder Berührungsängste.

Um diese abzubauen, setzt man bei der Deka unter anderem auf niedrigschwellige Formate zur Wissensvermittlung. Ziel ist es dabei nicht nur, Werkzeuge zu erklären, sondern Mitarbeitende zu ermutigen, eigene Ideen und Anwendungsfälle zu entwickeln.

Parallel dazu werden Experimentierräume geschaffen. Niedrigschwellige KI-Anwendungen dürfen nach einem einfachen Prüfungsprozess ausprobiert werden, ohne dass jedes Projekt sofort einen umfangreichen Governance-Prozess durchlaufen muss. So entstehen erste Erfahrungen und praktische Use Cases aus den Fachbereichen selbst.

Gelungener Abschluss jetzt auch von Roland Berger mit non Banking Focus

Eine gelungene Idee war es, zum Abschluss einen Speaker auf die Bühne zu holen, der nicht aus dem klassischen Banking-Umfeld kommt. Unter dem Titel „Life and Brandbuilding in Context of AI“ sprach Beate Rosenthal, Partner Global Consumer & Health bei Roland Berger, über die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf Marken, Konsumentenverhalten und Entscheidungsprozesse. Ihre zehn Beobachtungen zur Rolle von KI im Zusammenspiel von Technologie, Markenführung und Konsum wären Stoff für einen eigenen Artikel.

Beate Rosenthal, Partner Global Consumer & Health bei Roland Berger, präsentiert auf dem International Bankers Forum. Im Hintergrund sind Folien zu zukünftigen Einzelhandelskonzepten zu sehen, die autonome und erlebnisorientierte Ansätze thematisieren.
Dirk Emminger

Die Konferenz zeigte insgesamt, dass die Markteilnehmer unterschiedlich weit sind. Von globalen groß angelegten Strategien beim der Deutschen Bank über GPTs Piloten an Universitäten und abstrakten Folien bei Beratern.

Auch wenn die Eingangsworte des Ökosystems mit Sicherheit richtig sind, so bleibt abzuwarten, ob insbesondere die großen Banken und Technologieanwender nicht in Zukunft Ihre Strategie und auch die Umsetzung mehr in die Hand nehmen. Anstelle der anwesenden Berater (Mehrzahl des Publikums) würde ich schnellstmöglich meine Technischen Kompetenzen ausbauen und mich mit Requirements Engineering beschäftigen und weniger mit neu geschaffenen künstlichen Begriffen oder B2C Voicebot Simulationen.Dirk Emminger

 

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