UnzerAI – Agenten statt Chatbot: CTO Liran erklärt die Funktion des internen KI-Assistenten im Interview

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Herr Liran, Unzer hat vor etwa einem Jahr einen internen KI-Assistenten entwickelt, den Sie UnzerAI genannt haben. Warum?
Unser Ziel mit UnzerAI war es, den Zugang zu unternehmensspezifischem Wissen zu beschleunigen, Prozesse effizienter zu gestalten und die Produktivität unserer Teams signifikant zu steigern. Gleichzeitig wollten wir dafür sorgen, dass die Infos sicher und unter unserer Kontrolle bleiben. Wir suchten nach einer Lösung, die genau auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten ist, vor allem in Sachen Datenschutz, Compliance und Qualität.UnzerAI unterstützt unsere Mitarbeitenden dabei, interne Informationen schneller zu finden und alltägliche Aufgaben mit deutlich weniger Aufwand zu bewältigen, während sie sich darauf verlassen können, dass die Daten sicher sind.“
Welche Architektur steckt hinter Unzer-AI?
Die Architektur ist so konzipiert, dass sie sich flexibel in unser Ökosystem einbinden lässt und wir unsere KI-Module weiterentwickeln können, wobei Datenhoheit, Sicherheit und Erklärbarkeit immer gewährleistet sind.
Auf Basis dieser Modelle haben wir spezialisierte “Agenten“ entwickelt, die unterschiedliche Aufgabenbereiche abdecken – zum Beispiel einen Unzer Agent für interne Prozesse und Richtlinie, einen Compliance Agent für regulatorische Fragen oder einen Legal Agent speziell für unsere Juristen.“
Das Modell ist tief in unser Data Warehouse, unsere internen Wissensdatenbanken und Dokumentationssysteme integriert und wurde ausschließlich mit unseren Unternehmensdaten trainiert.
Was kann das Modell, und wo wird es eingesetzt?
Niv Liran ist Chief Product and Technology Officer bei Unzer (Website). In dieser Funktion verantwortet er die Produkt- und Entwicklungsstrategie sowie das Thema KI. Vor seiner Tätigkeit bei Unzer war Niv Liran Chief Product Officer bei der AUTO1 Group, wo er das Technologie-Team innerhalb von vier Jahren von 5 auf über 350 Mitarbeiter erweiterte. Zuvor war er unter anderem Vice President of Online Payments bei Rocket Internet und Director of Product Management bei Groupon. Niv Liran studierte Informatik in Tel Aviv und hat einen Master of Business Administration (MBA) von INSEAD.Sie sagen, etwa 80 Prozent der Mitarbeitenden nutzen das Tool regelmäßig. Wie überzeugen Sie zögerliche Mitarbeiter, KI-Tools zu nutzen?
Wir setzen auf praxisnahe Anwendungsfälle und auf interne „KI-Botschafter“ in den Abteilungen.“
Akzeptanz entsteht vor allem durch sichtbaren Mehrwert im Arbeitsalltag. Unsere KI-Botschafter schulen die Teams gezielt in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich und zeigen anhand konkreter Beispiele den Nutzen der KI auf. Das ist besonders wichtig, denn als Tech-Vorstand weiß ich nicht im Detail, wie ein Mitarbeiter im Controlling KI am besten einsetzen kann oder welche repetitiven Aufgaben eine KI für eine Managerin im Marketing übernehmen sollte. Ich bin jedoch überzeugt, dass es zahlreiche sinnvolle Einsatzmöglichkeiten gibt – diese müssen aber gemeinsam mit den Mitarbeitenden entwickelt werden. Begleitende Schulungen und offene Kommunikation unterstützen diesen kulturellen Wandel zusätzlich.
Wie messen Sie den Erfolg der KI-Anwendungen?
Ein wichtiger Erfolgsindikator für uns sind die internen Nutzungsdaten: Wir beobachten, dass immer mehr Mitarbeitende immer häufiger UnzerAI nutzen. Um diese positive Entwicklung weiter zu fördern, investieren wir gezielt. Die KI-Botschafter habe ich ja schon genannt, daneben gibt es verpflichtende KI-Schulungen für alle Mitarbeitenden und regelmäßige offene Termine, bei denen Fragen gestellt und neue Anwendungsmöglichkeiten ausprobiert werden können.
Außerdem erleichtern wir die Erstellung individueller Agenten durch einfache No-Code- und Low-Code-Tools.“
Was die messbare Effizienz betrifft, liegen uns zwar noch keine umfassenden Gesamtmetriken vor, aber aus einzelnen Anwendungsfällen haben wir bereits sehr konkrete Daten. Ein gutes Beispiel ist unser QBR-Agent für die vierteljährliche Geschäftsüberprüfung, bei der mit Kunden etwa Handelsvolumen und Konversionsraten analysiert werden. Während die Vorbereitung früher je nach Kunde zwei bis drei Stunden pro Fall beanspruchte, erstellt der QBR-Agent die nötigen Präsentationen jetzt in wenigen Minuten. Dadurch sparen die betroffenen Teams jeden Monat insgesamt fünf bis sechs Arbeitstage. Ein klar messbarer Mehrwert.

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Wie machen Sie KI-Entscheidungen nachvollziehbar?
Natürlich sind uns Nachvollziehbarkeit und Transparenz wichtig, allein schon, um interne Fehler zu vermeiden.
Jede Antwort von UnzerAI wird deshalb mit einer Zuverlässigkeitsbewertung versehen.“
Zusätzlich verlinkt UnzerAI stets die verwendeten internen Quellen oder Dokumente – das heißt, Mitarbeitende können die jeweilige Passage direkt einsehen und nachvollziehen.
Welche Sicherheitsmechanismen haben Sie für KI-gesteuerte Prozesse implementiert?
Die Zuverlässigkeitsbewertung habe ich ja schon erwähnt. UnzerAI läuft in einer abgeschirmten, kontrollierten Umgebung vollständig getrennt von produktiven Kundensystemen. Jede KI-Anwendung arbeitet nach dem Need-to-know-Prinzip – das heißt, verschiedene Agenten erhalten ausschließlich Zugriff auf die für ihren Anwendungsfall erforderlichen Daten. Darüber hinaus überwacht ein internes Compliance-Team laufend die Systemnutzung. UnzerAI verarbeitet keine personenbezogenen oder sensiblen Kundendaten. Alle Integrationen und Prozesse entsprechen strengen Datenschutzrichtlinien und regulatorischen Anforderungen.
Wie sehen Sie die Zukunft von KI in der Zahlungsbranche?
Die Zahlungsbranche wird zunehmend von KI-getriebenen Prozessen profitieren – von intelligentem Risikomanagement über automatisierte Kundeninteraktionen bis hin zur vollständigen agentenbasierten Transaktionsabwicklung. Mittelfristig erwarte ich, dass KI-Agenten immer weitere Teile des Einkaufens übernehmen: Sie suchen, vergleichen, kaufen und bezahlen künftig autonom im Sinne des Nutzers.
Das bringt neue Herausforderungen hinsichtlich Sicherheit, Authentifizierung und Betrugsprävention mit sich, aber auch Chancen, zum Beispiel durch personalisierte Beratung, bessere Conversion Rates und ein insgesamt reibungsloseres Kundenerlebnis. Entscheidend wird sein, dass Unternehmen Vertrauen, Transparenz und Verantwortung in den Mittelpunkt stellen.
Als Zahlungs- und Softwareunternehmen sehen wir unsere Verantwortung darin, diese Entwicklung aktiv und sicher zu gestalten. Wir wollen ein Ökosystem schaffen, in dem KI-Anwendungen die Zahlungsabwicklung für alle Seiten nachhaltig verbessern – immer auf Basis strikter Sicherheits- und Compliance-Standards.
Herr Liran, herzlichen Dank für das Interview!Niv Liran, CTO Unzer/aj
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