STRATEGIE12. März 2026

Verification-of-Payee-Update: Was sich für Banken ändert

Schwerpunkt: Instant Payment & VoP
Eric Waller, Director im Bereich Consulting Payments bei PPI
Eric Waller, Director im Bereich Consulting Payments bei PPIPPI

Der European Payments Council (EPC) reagiert auf die bisherige Zwischenbilanz von Verification of Payee (VoP). Denn was Klarheit schaffen sollte, stiftete bisher meist Unsicherheit. Mit einer Konsultation zu Anpassungen am Regelwerk soll sich das ändern. Was bedeutet das für Bankinstitute?

von Eric Waller und Dr. Mario Reichel, beide PPI

Ein zentrales Problem der aktuellen Umsetzung ist die Trennung von Regeln und bloßen Empfehlungen. Die Ampellogik (Match – Grün / Close Match – Gelb / No Match – Rot) ist nicht hinreichend normiert. Dadurch behandeln Banken identische Fälle unterschiedlich, von der Einwertung bis zur Darstellung im Frontend. Nutzer gewöhnen sich an Inkonsistenzen und klicken Warnungen weg; der Sinn von VoP, der Schutz vor Betrug, verpufft.

Dr. Mario Reichel, PPI
Dr. Mario Reichel, PPIPPI

Im Firmenkundengeschäft potenziert sich das Problem. Bei Bulk-Zahlungen wird bei einzelnen Fehlern (Gelb oder Rot) der gesamte Sammler geblockt. Das Treasury muss in diesem Fall in einem manuellen Schritt entscheiden, die Zahlung dennoch auszuführen oder abzubrechen.

Hinzu kommt: Jeder Bankrechner formuliert und ordnet die Meldungen anders. Besonders bei Single‑Bulk-Transaktionen reicht die Spanne von Ablehnung über „Zwangs‑VoP“ bis zur automatischen Verarbeitung.

Die Konsequenz: Firmenkunden nutzen vermehrt die Opt-Out-Option, da der Aufwand der Anpassung ihrer Prozesse den Nutzen von VoP übersteigt.

Änderungen in v1.1: Unsere Erwartungen

Die Konsultation wird weniger auf neue Technik als auf inhaltliche Disziplinierung zielen:

  • Aus Empfehlungen werden verbindliche Vorgaben. Das wird die Bandbreite zwischen Banken reduzieren und Datenschutzrisiken eindämmen.
  • VoP‑Ergebnisse und Fehlerzustände werden klarer kodiert und in standardisierte Prozesszustände gegossen, damit EBICS‑Protokoll, pain.002 und VEU nicht länger einen schwer interpretierbaren Mix bilden.
  • „VoP on the fly“, die etablierte Möglichkeit für Unternehmen, vertraglich zu vereinbaren, dass Grün/Gelb automatisch ausgeführt und nur Rot gestoppt wird (120a), wird als Standardprozessmodell im Scheme verankert.
  • Wünschenswert wäre die Implementierung des sogenannten „additional optional service“ (AOS). Unter anderem der Verband Deutscher Treasurer führt eine Initiative an, VoP vom Zahlungsvorgang zu trennen. Firmenkunden würde es helfen, wenn sie Empfänger bereits vor einer Bulk-Zahlung überprüfen könnten. Eine gesetzliche Grundlage für dieses „VoP on demand“ fehlt noch, die Empfängerüberprüfung darf nur im Zusammenhang mit einer Zahlung erfolgen.
Autor Eric Waller, PPI
Eric Waller über VOP-Anpassungen.Eric Waller ist Director im Bereich Consulting Payments bei PPI (Webseite). Seit 2017 betreut der studierte Bankfachwirt vor allem Projekte für Massenzahlungsverkehr und Electronic Banking sowie für PAYCY, einer Plattform für das Bezahlverfahren Request to Pay. Davor war er mehr als 21 Jahre lang im Zahlungsverkehr der SaarLB tätig.

Konsequenzen für Banken: Wo muss konkret nachjustiert werden?

Die Implementierung von AOS ist unwahrscheinlich, würde bei Umsetzung jedoch eine entsprechende API verlangen.

Die anderen genannten Punkte sind wahrscheinlicher. Institute müssten ihre Matching‑Parameter so anpassen, dass sie den geschärften Kriterien entsprechen. Technisch heißt das Re‑Tuning von Scores und Schwellwerten, flankiert von Testkampagnen mit repräsentativen Positiv‑ und Negativfällen. Der Code muss meist nicht neu geschrieben werden, aber die Konfiguration wird spürbar überarbeitet.

Online‑ und Mobile‑Banking‑Oberflächen bräuchten ein Update der Farblogik und Texte. Die Vielfalt heutiger Formulierungen muss reduziert werden, damit Kunden die Meldungen eindeutig interpretieren können.

Autor Dr. Mario Reichel, PPI
Dr. Mario Reichel über VOP-Anpassungen.Dr. Mario Reichel ist seit 1995 im Zahlungsverkehr tätig. Als Lead Payment Industry Representative bei PPI (Webseite) fokussiert er sich auf den internationalen Zahlungsverkehr wie SWIFT, TARGET, Instant Payments, MT und MX / ISO 20022 sowie auf Kunden-Bank-Schnittstellen und EBICS.
Auch die pain-Nachrichten sollten im Fall einer Standardisierung angepasst werden, sodass Informationen wie Opt-Out / Opt-In oder der Umgang mit gelben Nachrichten, insbesondere bei Bulk-Zahlungen, direkt aus der pain ausgelesen werden können.

Gerade für Häuser, die VoP unter hohem Zeitdruck implementiert haben, bedeutet v1.1 voraussichtlich, dass sie Teile der bestehenden Logik zurückbauen und alternative, einfachere Abläufe etablieren müssen.

Fazit zu VoP

Für Banken wird v1.1 keine VoP‑Neuerfindung, aber eine ernst zu nehmende Überarbeitung: weniger Freiheit in der Interpretation, mehr Standard in der Kommunikation – und damit ein spürbarer Anpassungsbedarf in Matching‑Konfiguration, Kundenschnittstellen und insbesondere EBICS‑Prozessketten. Eric Waller und Dr. Mario Reichel, beide PPI/dk

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