Digital Wallets: Banken verfügen über Vertrauensvorsprung gegenüber Big Tech

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Aus Sicht der Studienautoren ist dieser Vertrauensvorsprung strategisch relevant, da Wallets zunehmend über den Zugang zu Kundendaten, Zusatzservices und potenziellen Ertragsmodellen entscheiden. Wer die Wallet kontrolliert, steuert nicht nur den Zahlungsvorgang, sondern auch weitere digitale Interaktionen im Alltag der Nutzer.

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Wallets entscheiden über die Kundenschnittstelle der Zukunft. Finanzinstitute genießen bei 80 Prozent der Umfrageteilnehmer hohes Vertrauen bei sensiblen Daten. Damit sind sie Technologiekonzernen weit voraus, die nur einen Wert von 35 Prozent erreichen.“
Joachim Butterweck, Director bei Cofinpro
Wallets entwickeln sich zur digitalen Alltagsplattform
Die Erwartungen der Kunden gehen dabei deutlich über reine Bezahlfunktionen hinaus. 42 Prozent der Befragten wünschen sich die Integration digitaler Ausweise in ihre Wallet, 39 Prozent Bonus- und Loyalty-Programme. Mehr als ein Drittel nennt zudem Anwendungsfälle wie die digitale Gesundheitskarte oder den Impfpass. Wallets werden damit zunehmend als multifunktionale Plattform wahrgenommen, die Finanz-, Verwaltungs- und Servicefunktionen bündelt. Für Banken bedeutet diese Entwicklung, dass Wallet-Strategien nicht isoliert als technisches Feature betrachtet werden können. Vielmehr geht es um die Frage, wie Finanzinstitute ihre Rolle im digitalen Ökosystem langfristig sichern und ausbauen.
Die Studie zeigt zugleich ein erhebliches Potenzial für bankeigene Wallet-Lösungen. 62 Prozent der Befragten würden grundsätzlich eine Wallet ihrer Hausbank nutzen, sofern diese über zusätzliche Funktionen verfügt. In der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen steigt dieser Wert auf über 75 Prozent. Bemerkenswert ist zudem, dass 61 Prozent der aktuellen Nutzer von Apple Pay oder Google Pay offen dafür sind, zusätzlich oder alternativ eine Wallet ihrer Bank einzusetzen. Auch eine erhöhte Wechselbereitschaft im Bankgeschäft ist erkennbar, sofern ein Institut eine überzeugende Wallet-Lösung anbietet. Besonders bei jüngeren Kunden zeigen sich deutliche Effekte: 42 Prozent der 18- bis 25-Jährigen und 56 Prozent der 26- bis 34-Jährigen können sich einen Bankenwechsel aus diesem Grund vorstellen. Wallets entwickeln sich damit zu einem potenziellen Instrument für Kundenbindung und Neukundengewinnung.

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Sicherheit und europäische Datenspeicherung als Schlüsselkriterien
Zentrale Anforderungen der Nutzer betreffen Sicherheits- und Datenschutzaspekte. 70 Prozent der Befragten halten eine schnelle Sperrmöglichkeit bei Geräteverlust für besonders wichtig, 66 Prozent legen Wert auf eine Datenspeicherung innerhalb Europas. Gerade in diesen Bereichen sehen die Studienautoren Ansatzpunkte für regulierte Finanzinstitute, ihre Stärken gegenüber globalen Plattformanbietern auszuspielen.
Wallets sind damit nicht nur ein Instrument zur Kundenbindung, sondern auch ein potenzieller Hebel für die Neukundengewinnung. Ob Banken dieses Potenzial realisieren, hängt davon ab, wie konsequent sie Wallets aus Kundensicht denken.“
Joachim Butterweck, Director bei Cofinpro
Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass die zukünftige Rolle von Banken im Wallet-Ökosystem weniger von technischen Grundlagen als von strategischen Entscheidungen abhängt. Vertrauen, regulatorische Erfahrung und klare Verantwortlichkeiten könnten sich dabei als entscheidende Faktoren für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit erweisen. Die Cofinpro-Studie „Digital Wallets – die Zukunft der Geldbörsen“ basiert auf einer bevölkerungsrepräsentativen Online-Befragung von 1.010 Personen ab 18 Jahren in Deutschland. Die Erhebung wurde im Dezember 2025 durchgeführt. Die vollständige Studie steht hier zum Download bereit.tw
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