ANWENDUNG17. Februar 2026

Comdirect wird mit Pure-Depot zum Neobroker – zumindest ein bisschen

Dass auch die etablierten Banken und Sparkassen die Konkurrenz der Neobroker spüren, dürfte allen Marktbeobachtern klar sein. Jetzt hat die Comdirect, die Direktbank der Commerzbank, ein No-Frills-Depotmodell namens Pure vorgestellt, das jene Zielgruppen ansprechen soll, die sich ansonsten gerne für die Services von Trade Republic und Co. entscheiden. Ob die Rechnung aufgeht, bleibt ebenso abzuwarten wie die Frage, welche Schlüsse die Bestandskunden daraus ziehen werden.

Die Comdirect hat jetzt mit dem „Pure Depot“ ein neues Depotmodell angekündigt, das speziell auf junge Anleger sowie Wertpapiereinsteiger zugeschnitten sein soll. Ziel ist es, den Einstieg in den Wertpapierhandel einfach, transparent und kostengünstig zu gestalten. Man wolle damit, erklärt das Unternehmen, insbesondere die Generation Z und Millennials ansprechen, die erstmals investieren möchten. Die Depotführung ist kostenlos, Orders sind ab 1 Euro pro Trade am Handelsplatz Gettex möglich, zuzüglich marktüblicher Spreads und Zuwendungen. Regelmäßige Wertpapiersparpläne können ohne Orderentgelt ausgeführt werden.

Damit adressieren die Quickborner die Zielgruppe zwischen Scalable Capital und Trade Republic, die inzwischen in Deutschland aus rund zehn Neobrokern wählen können – mit oft eingeschränkter Auswahl an Handelsplätzen, dafür aber zu minimalen Gebührenstrukturen, wie sie früher undenkbar gewesen wären. Für viele Anleger reicht das durchaus aus – und wie wir wissen, arbeiten selbst die alt-ehrwürdigen Sparkassen an einer Antwort auf die Neobroker.

Hendrik Lüders/comdirect

Wir haben ein Einsteigerdepot entwickelt, mit dem wir Kunden auf einfache Weise zum Anlegen an den Börsen ermutigen wollen. Mit niedrigen Preisen und einem klar definierten Produktuniversum legen wir den Grundstein für zukunftsweisende Anlageentscheidungen.“

Sabine Schoon-Renné, Bereichsvorständin Comdirect

Man setze damit ein starkes Zeichen und wolle finanzielle Selbstbestimmung für alle zugänglich machen. Sie betonte, dass das Einsteigerdepot bewusst einfach gehalten sei, um erste Hürden wie Komplexität, Kosten oder eine zu große Produktvielfalt zu reduzieren.

Für wen das neue No-Frills-Depot ausreicht

Immerhin bietet das neue Depot Zugang zu über 8.000 Aktien, rund 3.000 ETFs und mehr als 16.000 Anleihen – und kombiniere das einfache Produkt mit den selberklärten „Comdirect-Stärken – etwa der verlässlichen Erreichbarkeit unseres Kundenservice und der hohen Sicherheit und Stabilität unserer Systeme“, so Björn Andersen, Bereichsleiter Brokerage bei Comdirect.

Weiterhin bestehen bleibt natürlich das klassische Comdirect-Depot, das sich an Anleger mit komplexeren Anforderungen richtet – inklusive Derivaten, professionellen Tradingtools und einer Vielzahl internationaler Handelsplätze. Ob das Ganze auch abwärts kompatibel ist, also ob man den treuen Bestandskunden ebenfalls den 1-Euro-Handel über Gettex anbieten wird, dazu macht das Unternehmen keine Angaben.

Verzichten müssen die Pure-Kunden allerdings auf zahlreiche Features, die vom außerbörslichen Handel über Zweit- und Gemeinschaftsdepots bis hin zu Neuemissionen und Pro-Trader-Tools reichen. Doch ob die Comdirect an starken Handelstagen durch ihre etablieren Systeme und ihre resiliente IT wirklich zuverlässiger erreichbar ist als die Mitbewerber aus dem Neobroker-Lager, wird das Unternehmen noch unter Beweis stellen müssen. tw

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