EVENTS & MESSEN8. Oktober 2026

NTT Data eröffnet AI Factory München – ein Testfeld mit Mistral an Bord, aber ohne freie Megawatt

NTT Data hat gestern (Mittwoch, 7.10.) in Unterschleißheim bei München seine AI Factory Munich eröffnet, in der Unternehmen eigene KI-Anwendungsfälle auf produktionsnaher Infrastruktur testen können, bevor sie investieren. Technologiepartner sind Dell, Nvidia, Red Hat und Mistral. Der französische KI-Modellanbieter dürfte Banken und Versicherer mit seinen Open-Weight-Modellen (und dem gerade als Preview erschienenen Large 4) mehr interessieren als die Hardware.

Die Eröffnungszeremonie der AI Factory von NTT Data in München zeigt mehrere Personen, die ein blaues Band durchschneiden. Im Hintergrund sind Serverräume sichtbar, die für den Betrieb der Künstlichen Intelligenz vorbereitet sind.
Eröffnungszeremonie mit Dr. MehringITFM

Die AI Factory steht im Munich 2 Data Center von NTT Global Data Centers, einem Colocation-Rechenzentrum, das seit Jahren in Betrieb ist (NOC in Prag). Europa-Chefin Anne-Sophie Lotgering versicherte zur Eröffnung: „This is absolutely not a showroom“, schließlich laufen nebenan Kundensysteme. Kunden bringen Code und Daten mit und nehmen laut Graham Clarke (Managing Director Global Private & Sovereign AI) Benchmark-Werte ihrer Workloads und eine Referenzarchitektur wieder mit, außerdem eine Zahl, was Besitz und Betrieb kosten („real data, not just slideware“).

Vier Chiphersteller, offene Gewichte

Im Rechenzentrum von NTT Data sind mehrere Serverracks angeordnet, die für den Betrieb von Hochleistungs-GPUs konzipiert sind. Überhead-Kabeltrassen und eine klare Raumaufteilung prägen die technische Infrastruktur.
NTT Data

Im RZ (114 dB, Zutritt mit Gehörschutz) arbeiten Nvidia-Blackwell-GPUs neben Beschleunigern von AMD und Intel, außerdem frühe Exemplare des Europa-Chips von Axelera aus Eindhoven. Die Racks lassen sich wahlweise über InfiniBand oder Ethernet verschalten und greifen auf 760 Terabyte Storage zu. Als Plattform dient üblicherweise Red Hat OpenShift. Für das Auslagerungsmanagement nach DORA hat die Mischung einen praktischen Nutzen, weil sich Konzentrationsrisiko und Exit-Szenario an Messwerten festmachen lassen, bevor ein Vertrag unterschrieben wird.

Gerechnet wird mit Open-Weight-Modellen, vor allem denen von Mistral. Clarke sprach von einer „very strategic relationship“. Die im August 2025 angekündigte Private AI für Finanzdienstleister bekommt damit einen Ort zum Anfassen, neun Tage nach der Eröffnung des Mistral-Hubs in München.

Digitalminister Dr. Fabian Mehring grenzte Souveränität von Autarkie ab. Ihm gehe es um Interoperabilität, also um die Möglichkeit, Daten von einem Partner zum nächsten mitzunehmen.

Digitalminister Dr. Fabian Mehring präsentiert während einer Veranstaltung in München. Im Hintergrund ist eine Präsentation zu sehen. Auf dem Tisch stehen verschiedene Getränke, während ein Teilnehmer aufmerksam zuhört.
ITFM

Es ist keine gute Idee, wenn jemand anderes auf der Welt eine Art Kill-Switch in der Hand hält und uns aus dem Spiel nehmen kann.“

Dr. Fabian Mehring,
Bayerischer Staatsminister für Digitales

KI-Piloten scheitern an Governance und Skills

NTT Data begründet das Angebot damit, dass KI-Projekte in vielen Unternehmen nicht über die Pilotphase hinauskommen. Ein Problem, über das häufig gar nicht gesprochen werde. Dies habe eine hauseigene Kundenumfrage gezeigt.

Hängen blieben die Projekte üblicherweise in der Governance, etwa bei Risikoprüfung und Regulierung oder an der ungeklärten Frage, wohin Daten fließen und wer darauf zugreift, und es fehlten Fachleute. Europa-Chefin Lotgering ergänzte, viele Unternehmen hätten bisher einzelne, isolierte Proofs of Concept gebaut, mit Produktion sei dagegen ein durchgängiger Prozess über Abteilungsgrenzen hinweg gemeint.

Graham Clarke, Managing Director Global Private & Sovereign AI bei NTT Data, präsentiert sich in einem professionellen Umfeld. Sein Lächeln und die formelle Kleidung unterstreichen die Bedeutung der Eröffnung der AI Factory in München.
NTT Data

Mit KI zu experimentieren ist ziemlich einfach. Das Ganze dann durch den Risikoprozess und die Regulierung zu bringen und die Folgen für das eigene Geschäft zu verstehen, da haben wir die Schwierigkeiten gesehen.“

Graham Clarke, Managing Director Global Private & Sovereign AI, NTT Data

Bereits 95 Prozent vermietet – noch mehr Kapazität dringend notwendig

Das Gebäude selbst wird mit Grundwasser gekühlt und hängt an einer Online-USV (6.000 Batterien) sowie an MTU-Schiffsdieseln, deren Tank für mindestens 48 Stunden reicht. Allerdings seien die Colo-Flächen bereits zu 95 Prozent vermietet, hieß es beim Rundgang, zusätzliche Megawatt könne NTT am Standort also nicht anbieten. SLAs werden mit bis zu 99,99999% Verfügbarkeit (seven nines, 3 Sekunden/Jahr) angeboten. Das Unternehmen würde in München gern erweitern und gab den Wunsch gleich an das Digitalministerium weiter. Was – wiederum – die Attraktivität von München als RZ-Standort beweist.aj

Die Grafik präsentiert die Struktur der AI Factory von NTT Data, die in einem aktiven Rechenzentrum integriert ist. Sie zeigt die drei Phasen: Erfahrung, Validierung und Entscheidung, sowie die verwendeten Technologien wie Mistral AI und Red Hat.
NTT Data

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