ANWENDUNG20. Februar 2026

Tausende Stellen perspektivisch gefährdet? Wie KI die Personalstruktur der Sparkassen verändert

DSGV/HASPA

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz verändert nach Einschätzung von Ludger Weskamp, Präsident des Ostdeutscher Sparkassenverband, zwar die Arbeitsabläufe in der Sparkassen-Finanzgruppe, werde aber keine flächendeckende Verdrängung von Beschäftigten auslösen. Zwar werde KI den Personalbedarf verändern, die daraus entstehenden „Verwerfungen“ blieben jedoch überschaubar, erklärte Weskamp bei der Vorstellung der Jahreszahlen des Verbands.

Als zentralen Grund nennt der Verband weniger die Technologie selbst als vielmehr die Altersstruktur der Belegschaften. Bis zum Jahr 2030 wird nach internen Berechnungen rund ein Viertel der Mitarbeiter altersbedingt ausscheiden. Damit entsteht ein erheblicher Ersatzbedarf, der den Effekt möglicher Automatisierungsgewinne weitgehend überlagern dürfte. Vor diesem Hintergrund, so Weskamp anlässlich der Vorstellung der aktuellen Bilanzzahlen, sei es wahrscheinlich, dass KI Routineaufgaben übernehmen und dadurch qualifiziertes Personal an anderer Stelle verfügbar machen könne. Die Nachbesetzung würde den Sparkassen ohne KI deutlich schwerer fallen.

Dass es am Ende des Tages Auswirkungen auf den Bedarf an Personal haben kann und wahrscheinlich auch haben wird, das ist auch in der Sparkassen-Organisation so. Ich glaube aber, dass die Verwerfungen überschaubar sind.“

Ludger Weskamp, Präsident des Ostdeutscher Sparkassenverband

Solide Geschäfte trotz schwacher Konjunktur

Die wirtschaftliche Lage der ostdeutschen Sparkassen zeigt ein gemischtes Bild. In der anhaltenden Konjunkturflaute ging das zusammengefasste Betriebsergebnis vor Bewertung im Jahr 2025 leicht um 1,8 Prozent auf knapp 2,3 Milliarden Euro zurück. Das vorläufige Jahresergebnis vor Steuern legte dagegen um 21,5 Prozent auf 911 Millionen Euro zu, wobei einzelne Vorsorgerücklagen noch nicht vollständig berücksichtigt sind. Nach Angaben des Verbands haben die 43 Institute damit in einem anspruchsvollen Umfeld insgesamt stabile Geschäfte erzielt. Für das laufende Jahr erwartet die Organisation jedoch weiterhin Gegenwind. Parallel planen die Häuser hohe Investitionen – insbesondere in Digitalisierung, Prozessmodernisierung und IT-Infrastruktur. Der OSV vertritt Sparkassen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Während die Sparkassen KI stark im Kontext des demografischen Wandels interpretieren, treiben andere Finanzhäuser die Technologie explizit als Produktivitätsinstrument voran, etwa die Munich Re, der Ergo-Konzern aber auch die niederländische Bank ING. Wie jetzt bekannt wurde (Finanz-Szene berichtete diese Woche zuerst und beruft sich auf die Finanz Informatik der Sparkassen), werden die IT-Prozesse der Sparkassen durch die Mitwirkung Künstlicher Intelligenz deutlich effizienter. Man rechne damit, dass die rund 340 Sparkassen schon im kommenden Jahr rechnerisch mit etwa 5.800 Vollzeitstellen weniger auskämen. Unklar ist, ob es jeweils gelingt, die betroffenen Mitarbeitenden an anderer Stelle einzusetzen. Allerdings ist es wahrscheinlichm, dass ein Teil der Veränderung über natürliche Fluktuation, Ruhestände und interne Umsetzungen aufgefangen werden kann.

KI wird damit vor allem als Instrument verstanden, um Servicequalität, regulatorische Anforderungen und Fachkräfteengpässe gleichzeitig zu bewältigen – nicht als Auslöser eines klassischen Stellenabbaus. Für die kommenden Jahre rechnen die Sparkassen daher eher mit einem tiefgreifenden Aufgabenwandel als mit einer schrumpfenden Belegschaft. Hier könnte den Sparkassen ihre regionale Struktur zum Problem werden. Denn während ein bundesweit tätiges Unternehmen seine Mitarbeiter entsprechend überregional umverteilen kann, sind die Möglichkeiten dazu bei den Sparkassen begrenzt. Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass die Angestellten nur im regionalen Bereich versetzt werden können.tw

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