Strangler-Pattern: Angestaubte Legacy zukunftssicher modernisieren

Avision
von Jürgen Bernert, Geschäftsführer Avision
Es ist ein scheinbarer Widerspruch, mit dem sich Banken konfrontiert sehen: Die zwar in die Jahre gekommenen Kernsysteme laufen stabil, sicher und zuverlässig, gleichzeitig erschwert genau diese Stabilität eine heute dringend benötigte Flexibilität und Geschwindigkeit. Anpassungen dauern Wochen statt Stunden, neue Anforderungen lassen sich, wenn überhaupt, nur mit erheblichem Aufwand umsetzen. Viele Institute zögern daher verständlicherweise, ihre funktionierenden Systeme überhaupt anzufassen. Diese Zurückhaltung ist nachvollziehbar, entwickelt sich aber zunehmend zum strategischen Risiko. Das Problem dabei:
Wer zu lange wartet, verliert die Fähigkeit, auf regulatorische Vorgaben, Marktveränderungen und technologischen Fortschritt adäquat zu reagieren.“
Und der Markt wartet bekanntlich nicht, denn vor allem technologisch schlanker aufgestellte FinTechs geben dabei die Geschwindigkeit vor. Es geht also gar nicht mehr um die Frage, ob Banken modernisieren müssen, sondern wie sich bestehende Systeme gezielt weiterentwickeln lassen, ohne Stabilität und Betrieb zu gefährden.
Engpässe statt Systeme modernisieren
Jürgen Bernert ist Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Avision (Webseite). Die Expertise des Diplom-Mathematikers liegt in der Analyse von Geschäftsprozessen und der Optimierung bestehender Software-Anwendungen („Software-Revival“).Der wahrscheinlich größte Fehler liegt im Versuch, alles gleichzeitig neu zu bauen. Solche Big-Bang-Ansätze sind nicht nur im Bankenumfeld immer wieder spektakulär gescheitert, weil sie zu teuer, riskant und langsam für eine Umgebung sind, in der Stabilität oberste Priorität hat. Erfolgreiche Institute gehen daher andere Wege, indem sie gezielt nach genau den Stellen suchen, an denen ihre Systeme dringend modernisiert werden müssen, und sich sukzessive der Kernlösung nähern.
Ein Beispiel dazu: Während moderne Anbieter Anpassungen innerhalb weniger Stunden umsetzen, benötigen Banken mit schwerfälligen Systemen für vergleichbare Eingriffe oft mehrere Wochen oder länger – ein echter Wettbewerbsnachteil. Modernere Systeme liefern hingegen die Geschwindigkeit, die darüber entscheidet, wie schnell neue regulatorische Anforderungen umgesetzt oder neue Produkte am Markt platziert werden können.
Der erste Schritt für Modernisierungsmaßnahmen alter Legacy beginnt für Banken daher auch mit Blick auf die Anforderungen von DORA mit einer detaillierten Bestandsaufnahme aller Systeme, Schnittstellen und Abhängigkeiten. Nur wer genau weiß, welche Funktionen wo laufen und welche Komponenten kritisch für den Geschäftsbetrieb sind, kann gezielt priorisieren. Damit lässt sich eine klare Zielarchitektur entwickeln, die regulatorische Anforderungen berücksichtigt, die Anpassungsfähigkeit erhöht und gleichzeitig die Stabilität des laufenden Betriebs gewährleistet.
Legacy & Zukunft: Eine Frage der Architektur
Für die weitere Umsetzung im Bankenumfeld bietet sich das Strangler-Pattern an, ein Architekturansatz, bei dem bestehende Systeme nicht auf einmal ersetzt, sondern schrittweise durch neue Komponenten abgelöst werden. Neue Funktionen werden daneben aufgebaut und über klar definierte Schnittstellen mit dem Altsystem verbunden. Schritt für Schritt übernimmt die moderne Architektur die Aufgaben der alten, während der laufende Betrieb stabil weiterläuft. Für Banken eignet sich dieses Vorgehen besonders, weil es Stabilität und Compliance wahrt, Risiken minimiert und gleichzeitig die Umsetzung regulatorischer Vorgaben sowie die Einführung neuer Produkte deutlich beschleunigt.
Ein entscheidender Faktor fehlt allerdings noch: Mut. Banken müssen aktiv Veränderungen angehen, auch wenn das bestehende System zuverlässig läuft. Der evolutionäre Ansatz reduziert Risiken, verlangt aber, dass IT-Verantwortliche Prioritäten setzen und Entscheidungen treffen. Wer zu lange zögert, riskiert die Fähigkeit, regulatorische Vorgaben schnell umzusetzen oder neue Geschäftsmodelle einzuführen.Jürgen Bernert, Avision/dk
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