ANWENDUNG26. Februar 2026

Wie die KI Zeitersparnis für Bankgeschäfte verspricht – doch viele fürchten Datenlecks

Smarte Spartipps, Betrugsschutz, blitzschnelle Baufinanzierung: KI soll Bankgeschäfte erleichtern. Aber wie sicher sind persönliche Daten wirklich? Banken versprechen mehr Komfort, automatisierte Unterstützung im Alltag und Entscheidungen in Minuten statt Tagen. Gleichzeitig wächst jedoch die Frage, welchen Preis Kunden für diese Effizienz zahlen – insbesondere beim Umgang mit sensiblen Finanzdaten. Wie sicher sind persönliche Informationen wirklich, wenn Algorithmen immer tiefer in finanzielle Entscheidungen eingebunden werden? Die Skepsis ist groß.

ChatGPT-Bildgenerierung
Viele Bankkunden stehen der Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) bei Finanzgeschäften grundsätzlich offen gegenüber – doch die Sorge vor Datenlecks ist groß. In einigen Fällen sind KI-gestützte Entscheidungen schwer zu verkaufen, wenn keine Menschen daran beteiligt sind. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Civey-Umfrage mit 4.000 Online-Banking-Nutzern, die das Technologieunternehmen Solaris in Auftrag gegeben hat. Als größten Vorteil von KI nennen die Befragten in der Erhebung aus dem November Zeitersparnis (46,7 Prozent). Fast ebenso viele sorgen sich jedoch vor Datenlecks (45,6 Prozent). Auf die Frage, was Ihnen besonders wichtig ist, damit sie sich bei KI-gestützten Bank- oder Finanzaufgaben sicher fühlen, steht für vier von fünf Befragten Datensicherheit ganz oben.

Zwei Drittel der Befragten (65,5 Prozent) würden KI-Funktionen nutzen, die sie davor warnen, dass sie möglicherweise Geld an einen Betrüger senden. Mehr als die Hälfte würde Vorschläge zur Vermeidung von Gebühren und Kosten (54,6 Prozent) und technische Möglichkeiten nutzen, um Ausgaben zu analysieren und personalisierte Spartipps zu bekommen (51,8 Prozent). Auch beim Ausfüllen von Formularen (55,1 Prozent) oder dem Zusammenstellen von Informationen für eine Antragstellung (52,8 Prozent) würden die Befragten, die aus einem Katalog von Möglichkeiten auswählen konnten, mehrheitlich auf KI zurückgreifen.

Allerdings würde nur gut ein Drittel der Befragten (37,7 Prozent) einen vollständig automatisierten Kreditantragsprozess nutzen. Dies sei „wahrscheinlich auf die Befürchtung zurückzuführen, dass ein Antrag willkürlich oder unfair abgelehnt werden könnte“, folgern die Auftraggeber der Umfrage. Der Prozentsatz steige auf 55,4 Prozent, wenn der Kreditprozess eine Überprüfung und Genehmigung durch Menschen beinhaltet.

Kreditentscheidung in einer halben Stunde?

Die Direktbank ING hatte jüngst angekündigt, Anträge auf Baufinanzierung mit Hilfe von KI bald innerhalb von 30 Minuten prüfen zu können. Künstliche Intelligenz soll bei der automatisierten Beschaffung zentraler Objektdaten wie Grundstücksgröße oder Wohnfläche aus öffentlichen und amtlichen Quellen zum Einsatz kommen. Es folgt – mit Zustimmung des Kunden – eine ebenfalls automatisierte Bonitätsprüfung durch einen digitalen Blick ins Konto desjenigen, der eine Baufinanzierung beantragt hat. Die ING Deutschland versichert: Trotz der massiven technischen Unterstützung entscheide bei dieser „Instant Baufi“, die im Laufe des zweiten Quartals 2026 an den Start gehen soll, letztlich ein Mensch, ob der Kredit gewährt wird oder nicht.

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen ein typisches Spannungsfeld, das derzeit die Digitalisierung der Finanzbranche prägt: Die Akzeptanz für KI entsteht vor allem dort, wo sie als unterstützendes Werkzeug wahrgenommen wird – nicht als autonomer Entscheider. Kunden erkennen klar den praktischen Nutzen, etwa bei Betrugsschutz, Kostenoptimierung oder administrativen Aufgaben, also in Bereichen mit unmittelbarem Mehrwert und geringem Risiko. Gleichzeitig bleibt Vertrauen der zentrale Engpass. Gerade bei existenziellen Finanzentscheidungen wie Kreditvergaben erwarten viele weiterhin menschliche Verantwortung und Nachvollziehbarkeit. Für Banken bedeutet das: Technologische Leistungsfähigkeit allein reicht nicht aus. Entscheidend wird sein, KI-Systeme transparent zu gestalten, menschliche Kontrollinstanzen sichtbar zu integrieren und Datensicherheit glaubwürdig zu kommunizieren. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass sich erfolgreiche KI-Anwendungen im Banking zunächst als „Co-Pilot“ etablieren werden – als Beschleuniger und Sicherheitsnetz im Hintergrund, nicht als vollständiger Ersatz für menschliche Entscheidungsträger.dpa / Einordnung tw

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