STRATEGIE16. März 2026

Von ruckelig bis problemlos: Erfahrungen bei der Einführung von Verification of Payee (VOP)

Schwerpunkt: Instant Payment & VoP
Das VOP Symbolbild illustriert die duale Realität der Verification of Payee (VOP): Links ein erfolgreicher Abgleich mit grünem Signal, rechts eine Fehlermeldung mit Riss, symbolisierend operative Herausforderungen und Nutzerprobleme seit der Einführung im Oktober 2025.
Gemini

Seit der verpflichtenden Einführung von Verification of Payee (VOP) im Oktober 2025 zeigen erste Erfahrungen der Banken und Nutzer ein gemischtes Bild aus erhöhtem Schutz und operativen Anlaufschwierigkeiten: Nutzer berichten häufig von Fehlermeldungen (No Match), selbst wenn Daten korrekt erscheinen, Experten beschreiben die Einführung als teils holprig, da viele Banken und Kunden erst lernen müssen, die Rückmeldungen (Match, Close Match, No Match) richtig zu interpretieren und auch eine unvollständige Abdeckung hat sich teilweise gezeigt: Es gibt noch Fälle, in denen die Prüfung nicht möglich ist („Not Applicable“), etwa wenn die Empfängerbank technisch noch nicht voll integriert ist. Ein Stimmungsbild.

von Dunja Koelwel

Erfolgsfaktor war und ist die begleitende Kundenkommunikation

Die Einführung der Empfängerüberprüfung (Verification of Payee – VOP) im Oktober 2025 war für die Kreditwirtschaft ein anspruchsvolles Vorhaben. Technisch erfordert die Empfängerüberprüfung einen hochverfügbaren, standardisierten Echtzeit-Abgleich zwischen Zahler- und Empfängerbank. Gerade in der Startphase zeigte sich, dass Unterschiede in der Datenqualität der Kundeneingabe eine große Rolle spielen: Wenn das Konto des Empfängers auf einen anderen Namen lautet (z. B. Max Müller e. K. statt Löwen-Apotheke), weitere Namenszusätze oder abweichende Schreibweisen bestehen – häufig insbesondere bei Firmenkunden – kann dies dazu führen, dass ein „No Match“ oder „Close Match“ angezeigt wird.

In den ersten Tagen der Einführung war ein stark erhöhtes Aufkommen an Kundennachfragen bei Banken und Sparkassen zu verzeichnen. Dieses ist allerdings bereits nach kurzer Zeit erheblich zurückgegangen. Wie bei vergleichbaren sicherheitsrelevanten Neuerungen war die Einführung zudem von einer Lernphase geprägt.

Ein zentraler Erfolgsfaktor war und ist daher die begleitende Kundenkommunikation: Die Institute haben ihre Kunden aktiv darüber informiert, dass sich der Überweisungsprozess verändert, warum zusätzliche Hinweise angezeigt werden und wie diese zu verstehen sind. In einigen Fällen ist derzeit noch keine Empfängerüberprüfung möglich („Not Applicable“). Während Zahlungsdienstleister im Euroraum die Empfängerüberprüfung seit spätestens dem 9. Oktober 2025 verpflichtend anbieten müssen, gelten für Nicht‑Euro‑Länder innerhalb der EU längere Übergangsfristen. Für diese Zahlungsdienstleister ist die Umsetzung der Empfängerüberprüfung erst bis zum 9. Juli 2027 verbindlich vorgesehen.

Es wird auch in Zukunft Konstellationen geben, in denen die Empfängerüberprüfung nicht greift, etwa bei Überweisungen auf Nicht-Zahlungskonten wie Darlehens-, Tagesgeld- oder Sparkonten, da diese nicht unter den Anwendungsbereich der Empfängerüberprüfung fallen.“

Insgesamt zeigt sich aus Sicht der Deutschen Kreditwirtschaft: Die Empfängerüberprüfung läuft zuverlässig. Sie erhöht die Sicherheit im Zahlungsverkehr, wenn Kunden sie ergänzend zu der ohnehin notwendigen Sorgfalt und Wachsamkeit gegenüber möglichen betrügerischen Zahlungsaufforderungen nutzen. Gleichzeitig handelt es sich um ein Verfahren, dessen Nutzen sich mit zunehmender Erfahrung aller Beteiligten weiter entfaltet. Cornelia Schulz, Pressesprecherin der Deutschen Kreditwirtschaft (DK)

Christian Böhrer, Leiter Zahlungsverkehr bei ING Deutschland, präsentiert die erfolgreiche Implementierung von VOP ING Problemlos. Seine Verantwortung umfasst die strategische Weiterentwicklung und operative Steuerung aller relevanten Payment-Themen.
Christian Böhrer ist Leiter Zahlungsverkehr ING Deutschland und verantwortlich für die strategische Weiterentwicklung, operative Steuerung sowie bereichsübergreifende Koordination aller relevanten Payment Themen. ING

VOP – von Anfang an stabil und zuverlässig

Seit Einführung der Empfängerüberprüfung läuft VOP bei uns stabil und zuverlässig. Die gesetzlich vorgeschriebene Prüfung macht Überweisungen nachweislich sicherer, weil Fehlüberweisungen und Betrugsversuche früher erkannt werden.

Wie bei jeder Neuerung gab es anfangs einzelne Herausforderungen, etwa bei unterschiedlichen Schreibweisen oder technisch bedingten Hinweisen. Mittlerweile laufen die Prozesse aber sowohl seitens der Institute wie auch kundenseitig reibungslos.

Wir begleiten VOP von Beginn an mit klaren In-App-Hinweisen, Kunden-Mailings und einer eigenen Hilfeseite, hören zu und verbessern Prozesse wie Kommunikation kontinuierlich.“

VOP funktioniert, schützt und ist längst im Alltag unserer Kunden angekommen.

Großes Informationsbedürfnis seitens der Kunden

Die Empfängerüberprüfung ist bei der Commerzbank im vergangenen Jahr gut angelaufen. Unsere Kunden nutzen den neuen Service über alle bekannten Kanäle, insbesondere Web und App, seit Einführung intensiv. Aus früheren branchenweiten Veränderungen wussten wir, dass es bei so umfassenden Neuerungen wie der Einführung der Empfängerüberprüfung ein großes Informationsbedürfnis bei Kunden gab.

Deshalb hatten wir im Vorfeld auf verschiedenen Kanälen umfangreiche Informationen zur Verfügung gestellt. Somit waren wir als Bank selbst gut vorbereitet. Deshalb ist die Einführung auch weitgehend reibungslos verlaufen. Sollte es dennoch zu Unsicherheiten auf der Seite der Kunden kommen, stehen unsere Kollegen des Kundencenters bereit, um zu helfen. Ein Sprecher der Commerzbank und comdirect

VOP-Probleme bei den Nutzern von „Drittanbieter-Software“

Moritz Specht, externer Projektleiter bei blackbird consulting, ist auf die Umsetzung regulatorischer Anforderungen im Zahlungsverkehr spezialisiert. Seine Expertise umfasst auch die Implementierung von Verification of Payee (VOP) in Banken.
Moritz Specht ist externer Projektleiter blackbird consulting und aktuell für die Bethmann Bank tätig. Seit über 15 Jahren begleitet er Banken bei der Umsetzung regulatorischer Anforderungen im Zahlungsverkehr und weiteren Fachbereichen sowie bei der Optimierung komplexer Geschäftsprozesse. Bethmann Bank

Grundsätzlich haben wir dieselben Auffälligkeiten wie oben bereits beschrieben festgestellt. Darüber hinaus (oder ergänzend) sind uns folgende Dinge im Rahmen des Go Live After Cares aufgefallen:

  • Nutzer von „Drittanbieter-Software“ wie beispielsweise StarMoney konnten teilweise keine SEPA-Überweisungen mehr ausführen. Grund hierfür war oftmals der Einsatz veralteter Softwareversionen, die den VOP Check nicht verarbeiten konnten. Ein Software-Update konnte den Fehler in diesen Fällen beheben.
  • Darüber hinaus führte der deutlich sichtbare Haftungshinweis im Rahmen des VOP Checks zu weiterer Verunsicherung. so wurden auch bei sogenannten Close Matches Überweisungen teilweise nicht mehr durch den Auftraggeber freigegeben.
  • Zusätzliche Irritationen entstanden manchmal auch durch nicht optimal konfigurierte Bildschirmauflösungen. Dadurch wurde der vollständige Funktionsbereich des VOP Checks wie beispielsweise der „Accept-Button“ nicht direkt angezeigt und fälschlicherweise als „funktioniert nicht“ interpretiert. Dieser wurde erst nach manuellem Scrollen sichtbar.

Zusammenfassend lässt sich aber feststellen, dass trotz der Komplexität der Einführung dieser neuen Funktionalität im Verhältnis zur Gesamtzahl der Transaktionen und damit einhergehenden Prüfungen  ein insgesamt positives Fazit gezogen werden kann.dk

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert