STRATEGIE11. Juni 2026

Ratenkauf-Duell: Smarte Karte gegen Klarna & Co. (Roundtable 3/3)

Zukunft der Kreditkarte: vom Plastik zur digitalen Erfahrung. BNPL-Anbieter wie Klarna bieten zwar Transparenz bei Einzeltransaktionen, doch klassische Revolving-Kreditkarten ermöglichen einen besseren Überblick über die Gesamtverschuldung. Die neue EU-Verbraucher­kredit­richtlinie wird das Geschäftsmodell von BNPL durch strengere Bonitätsprüfungen fundamental verändern und das Spielfeld gegenüber traditionellen Banken einebnen.

von Dunja Koelwel

BNPL-Anbieter wie Klarna wachsen rasant. Doch ist möglicherweise die klassische Kreditkarte mit Teilzahlungsfunktion für den Kunden das sicherere und transparentere „BNPL-Tool“?

Meier: Ehrlich gesagt ist eine Ratenzahlung mit Kreditkarte nicht unbedingt transparenter als ein BNPL-Angebot, da alle Umsätze in einen Topf fließen und am Ende des Monats ein prozentualer Anteil der Gesamtsumme vom Girokonto eingezogen wird. Dadurch ist es für Kunden nicht immer leicht nachzuvollziehen, welche konkreten Umsätze durch die monatliche Ratenzahlung abgedeckt werden. BNPL hat hingegen das Problem, dass Kunden bei Nutzung von mehreren Anbietern schnell den Überblick verlieren, da sie nicht auf einen Blick sehen, wie viel Kredit sie insgesamt in Anspruch genommen haben. Revolving-Kreditkarten bieten hier einen Vorteil: Kunden sehen in der App ihr Gesamt­kreditvolumen sowie die monatliche Rate und behalten so einen besseren Überblick über ihren Finanzierungsspielraum.

Im Rahmen des Roundtables diskutieren Fachleute über BNPL-Strategien. Abgebildet sind (v.l.n.r.) Gerrit Meier (Chief Commercial Officer, Hanseatic Bank), Dr. Zuzana Hebestreit (Produktmanagement, Consorsbank), Dunja Ko
(v.l.n.r.) Gerrit Meier (Chief Commercial Officer der Hanseatic Bank), Dr. Zuzana Hebestreit (verantwortlich für das Produktmanagement für Karten bei der Consorsbank, einer Marke von BNP Paribas), Dunja Koelwel (ITFM), Johannes Neander (Co-Founder Arlegon Management Consulting) und Sven Werner (Senior Manager Sales & Market Development Germany bei der nexi Group) über Responsible Lending. ITFM

Eine ideale Lösung wäre aus meiner Sicht eine Kombination aus beiden Vorteilen: eine Ratenzahlung per Kreditkarte mit fixen Raten und einer fixen Laufzeit.“

Damit hätten Kunden sowohl einen Überblick über ihr gesamtes Kreditvolumen als auch über die einzelnen Käufe, für die sie eine Finanzierung nutzen.

Neander: Das ist ja eine gute Idee für die Produktentwicklung und ich sehe das ebenso. Bei BNPL sieht man gar nicht, dass man auf Kredit kauft. Da sagt Klarna: „Kauf es auf 4 Raten“, da sagt PayPal: „Zahl doch erst in 60 Tagen.“ Wenn man sich als Kunde nur vom Shopping-Impuls leiten lässt, verliert man den Überblick. Jetzt könnte doch die Hanseatic Bank eine App anbieten, in der man auch die Klarna Zahlung oder die PayPal Zahlung integriert und so einen Gesamtüberblick bekommt. Dann macht man einen Balance-Transfer von allem und dann einen günstigen Ratenkredit?

Meier: Das wäre natürlich super und da sollte es theoretisch auch hingehen. Für eine solche Entwicklung müssen jedoch alle relevanten Informationen zur Verfügung stehen – etwa, ob Kunden bei einer Transaktion bei einem Zahlungsanbieter ein BNPL-Angebot genutzt oder doch Vollzahlung gewählt haben.

Gerrit Meier, Hanseatic Bank
Gerrit Meier, Chief Commercial Officer der Hanseatic Bank, präsentiert sich in einem formellen, dunklen Hemd vor einem neutralen Hintergrund. Seine Rolle umfasst die Vermarktung von Finanzprodukten, einschließlich BNPL-Lösungen und Kreditkarten.Gerrit Meier ist seit Januar 2019 für die Hanseatic Bank (Webseite) tätig. Als Chief Commercial Officer verantwortet er die gesamte Vermarktung der Finanzprodukte, einschließlich Kreditkarten, Verbraucherkrediten, Einlagen und Versicherungen, sowie die interne und externe Kommunikation.
Im letzten Fall wäre keine Konsolidierung nötig. Grundsätzlich sollte sich die gesamte Branche dafür einsetzen, mehr Transparenz für Kunden über ihre Ausgaben zu schaffen. Wir gehen hier bereits einen Schritt weiter und arbeiten mit einem Dienstleister zusammen, der unseren Kunden detailliertere Informationen zu ihren Transaktionen liefert. Früher gab es kryptische Umsatzbeschreibungen und unklare Händlerangaben, die kaum nachvollziehbar waren. Heute ermöglichen wir es dank Geolocation, präzise darzustellen, wo ein Betrag ausgegeben wurde, inklusive Händlernamen und Zahlungsart. Diese zusätzlichen Informationen geben dem Kunden ein besseres Verständnis und Vertrauen in die Transaktionen.

Neander: Ist Revolving eine bewusste Entscheidung? Ich denke, viele Kunden nehmen die Revolving Karte, weil es eine kostenlose Kreditkarte ist und dann später schätzen sie die Bequemlichkeit. Die Frage ist: Sind die Kunden, also die jüngere Zielgruppe, die eher in die Verschuldung geht, auch bereit, so was zu machen? Unter welchen Umständen würden die das machen und nutzen? Selbst wenn ich wüsste, ich hätte das integriert, dann müsste ich ja daraus eine Handlung ableiten.  Da bin ich noch ein wenig skeptisch. Ob das nicht ein Thema ist, wo wir aus Bankensicht sagen: Das könnte interessant sein und auch für den Verbraucherschutz interessant sein? Aber ist der Kunde nicht zu bequem, ganz nach dem Motto: Das interessiert mich nicht, solange noch genügend Geld auf dem Konto ist. Daher dann wieder die Frage: Wer ist denn der Zielkunde? Wer ist der BNPL-Zielkunde? Und da sieht man dann doch, dass es hauptsächlich die jüngere Generation ist und die muss man vielleicht anders erreichen.

Dr. Zuzana Hebestreit, Consorsbank
Dr. Zuzana Hebestreit, MBA, ist Produktmanagerin für Karten und Versicherungsprodukte bei der Consorsbank. Im Kontext von BNPL diskutiert sie innovative Ansätze im Ratenkauf und die Konkurrenz zu Anbietern wie Klarna. Dr. Zuzana Hebestreit, MBA, ist seit 2017 bei der Consorsbank, einer Marke von BNP Paribas (Webseite)   in Nürnberg tätig und verantwortet seit 2020 das Produktmanagement für Karten und Versicherungsprodukte. Zuvor arbeitete sie in verschiedenen Unternehmen in den Bereichen Marktforschung, strategisches Marketing, Online-Marketing und Business Development.

Hebestreit: Ich denke auch, dass das eine andere Zielgruppe ist. Ich muss bei der Revolving Karte immer an die Barclay Karte denken und der Grund warum viele diese Karte nehmen: Sie ist günstig, besonders wenn man verreisen will. Das ist nicht unbedingt die Klarna Zielgruppe.

Mit der Verbraucherkreditlinie wollte der Gesetzgeber den Kunden vor sich selber schützen. Wir müssen das jetzt ausbaden und umsetzen.“

Meier: Ja stimmt, wir sprechen hier von unterschiedlichen Zielgruppen. Das liegt unter anderem daran, dass wir im Rahmen der Teilzahlung mit Revolving-Kreditkarten eine echte Kreditprüfung durchführen und eine entsprechende Bonität vorhanden sein muss. Wenn man sich die Alterskohorten in Revolving-Portfolien ansieht, dann sind das eher Menschen mittleren Alters, die keine Jahresgebühr für ihre Kreditkarte zahlen möchten und es angenehm finden, bei Bedarf nicht alles sofort zahlen zu müssen. Die typischen BNPL-Kunden sind oft noch sehr jung und können häufig keine ausreichende Bonität für eine echte Kreditkarte vorweisen. Ich bin gespannt, wie sich die neue Verbraucher­kredit­richtlinie auf BNPL-Angebote für diese Zielgruppe auswirkt und wie die Anbieter auf Grundlage der neuen Anforderungen agieren werden. Die junge Zielgruppe zu erreichen, wird sicher auch für sie deutlich schwieriger.

Johannes Neander, Arlegon
Johannes Neander, Co-Founder der Arlegon Management Consulting, ist auf die Bereiche Payments, Consumer Finance und digitale Transformation spezialisiert. Seine Expertise umfasst auch BNPL-Lösungen, die im aktuellen Marktumfeld an Bedeutung gewinnen.
Johannes Neander (Co-Founder der Arlegon Management Consulting)

Johannes Neander ist Co-Founder der Arlegon Management Consulting, einer auf die Bereiche Payments, Consumer Finance und Digitale Transformation spezialisierten Unternehmensberatung. Besondere Expertise liegt in den Bereichen Aufbau von profitablen Kreditkartenprogrammen, digitale Vertriebsprozesse sowie Co-branding Kreditkarten und Ertragssteigerung durch Revolving Credit. 

Neander:  Ich sehe dennoch eine Gefahr für die die Advanzia oder Hanseatic Bank, dass durch das BNPL-Produkt das Finanzierungsvolumen einfach vorher abgeschöpft wird. Mit den häufig strengeren Anforderungen – was die Bonität betrifft – der klassischen Kreditkartenanbieter, schneiden diese sich meiner Meinung nach ins eigene Fleisch. Sie vergrämen ihre künftige Kundschaft. Das ist genauso wie bei den traditionellen Retail-Banken und den Fintechs.

Laut McKinsey Report eröffnen immer mehr Kunden Konten bei Neobanken wie Revolut oder N26. Fast jedes zweite deutsche Girokonto wird (45%) bei einer Neo- oder Direktbank eröffnet.“

Vor zehn Jahren lag dieser Anteil noch bei 12%. Die Neobanken konnten ihren Anteil bei Neukonten in diesem Zeitraum sogar von 2 % auf 30 % steigern. Klar, noch merkt man das nicht an den Bestandskunden der klassischen Banken, aber über die Zeit – irgendwann sterben die Bestandskunden aus. Wenn man nicht in der Lage ist, die junge Population mit attraktiven Produkten zu erreichen und zu behalten, dann kann auch später mal eine Neobank wie Revolut sagen: Warum nicht auch eine Revolving-Kreditkarte anbieten? Technisch dürfte das für die auch nicht so schwer sein. Und dann ist es für die Player, die sich nur auf dieses Segment spezialisiert haben, schwierig, weil die Kunden ja schon woanders sind.

Sven Werner, nexi Group
Sven Werner, Senior Manager Sales & Market Development Germany bei der Nexi Group, präsentiert sich in einem professionellen Umfeld. Seine Expertise umfasst die Markteinführung von BNPL-Lösungen und die modulare Plattform Nexi Ready für das Card Issuing.Sven Werner ist Senior Manager Sales & Market Development Germany bei der Nexi Group (Website) und verantwortlich für die Markteinführung von Nexi Ready, einer modularen -Plattform für das Card Issuing.

Meier: Da gebe ich Ihnen recht. Das Interesse an Angeboten von Neobanken ist groß und hat insbesondere seit der Corona-Krise deutlich zugenommen. Während die Herausforderungen in der Alterskohorte der über 30-jährigen Menschen überschaubar sind, bleibt es für klassische Anbieter eine echte Aufgabe, die jüngere Generation zu erreichen. Daher ist es so wichtig, weiterhin in innovative und digitale Entwicklungen zu investieren. Man darf das jüngere Klientel aber auch nicht unterschätzen, was ihren Anspruch an Sicherheit und Transparenz angeht – da legen auch junge Menschen Wert drauf.

Vom Bezahlen zum „Bezahlen lassen“: Wenn KIs (Personal Assistants) künftig Einkäufe autonom tätigen, wie muss eine Kreditkarte technologisch beschaffen sein, um Machine-to-Machine-Payments sicher und mit individuellen Budgets abzuwickeln?

Meier: Wir warten alle auf einen klaren regulatorischen Rahmen, gerade weil es so viele Haftungsfragen gibt, wenn KI-Agenten eigenständig finanzielle Entscheidungen treffen. Was darf die Maschine, und wann haftet die Bank? Wir beschweren uns zwar oft über die Regulatorik, aber wenn der Gesetzgeber klare Vorgaben macht, ist das sicherlich förderlich. Ein Problem dabei ist, dass die Regulatorien meist nur aus einer begrenzten Perspektive entwickelt werden. Wenn der Gesetzgeber jedoch einen Rahmen schafft, der den Banken Investitionssicherheit bietet, dann wären alle bereit, noch mehr Innovationen voranzutreiben.

Neander: Da finde ich zwei Themen spannend: Dass eine, wenn der Kunde an einem Schritt noch einen Kontrollcheck hat, etwa wenn er die Zahlung freigibt, dann könnte Agentic Payment funktionieren. Das andere: Wenn alles nur komplett im Hintergrund läuft, sehe ich Agentic Payment kritisch.

Allen Teilnehmern des Roundtables vielen Dank für das Gespräch. dk

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