Die Schweiz macht’s vor: E‑ID bei Banken – bis zu zwei Drittel weniger Kosten
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Ergon Informatik
Die Erfahrungen von OpenBankingProject.ch (OBP) zeigen, dass Banken bei konsequenter Nutzung der E-ID in einschlägigen Identifikations- und Serviceprozessen ihre Kosten innerhalb von fünf Jahren um 50 bis 66 Prozent senken könnten. Der Erfolg hängt nicht von der Technologie, sondern von der Akzeptanz der E-ID ab.
von Michael Doujak, Senior Product Manager, Airlock
Wer die Akzeptanz für digitale Identitäten – ob E-ID oder EUDI – fördern möchte, braucht konkrete Anwendungsfälle. Banken spielen dabei mit Millionen digitaler Kundenkontakte eine Schlüsselrolle. Schweden macht es vor: Die von den Banken 2003 initiierte BankID etablierte sich als nationale digitale Identität und wird heute von 99,9 Prozent der erwachsenen Bevölkerung genutzt.
Die Einsatzmöglichkeiten der Schweizer E-ID im Bankenumfeld hat eine Arbeitsgruppe des OBP untersucht. Ausgangspunkt war ein mehrstufiger „Proof of Value“, in dessen Rahmen Banken ihre Rolle im entstehenden SSI-Ökosystem definieren: als Verifier von E-ID-Daten, als Issuer eigener verifizierbarer Nachweise, als potenzielle Wallet-Anbieter oder als Konsumenten einer neuen, dezentralen Vertrauensinfrastruktur.
In diesem Kontext wurden rund 50 mögliche Anwendungsfälle identifiziert und priorisiert – von klassischen Onboarding-Szenarien bis hin zu neuen, datengetriebenen Services.“
Die gewonnenen Erkenntnisse geben auch jenseits der Ländergrenze Orientierung.
Ausgewählte Use-Cases im Überblick
- Kontoeröffnung. Anstatt den Ausweis in die Kamera zu halten, Formulare auszufüllen und auf manuelle Prüfung zu warten, kann die Identifikation auf Seiten des Kunden direkt via Wallet auf dem Mobiltelefon stattfinden. Dieser wählt die Option der E-ID, sieht in der Wallet die angefragten Attribute – Personendaten, Wohnsitz, Lichtbild – und gibt sie frei; die Bank erhält vertrauenswürdige, strukturierte Daten ohne Medienbruch. Auch wenn diese Erstidentifikation via E-ID in Sachen Nutzerfreundlichkeit und Akzeptanzsteigerung gegenüber Kunden durchaus Potenzial hat, zeigte sich, dass sich der wirtschaftliche Mehrwert für Banken eher in Grenzen hält und keinen großen Kostenhebel verspricht.
- Betriebliche Prozesse rund ums E-Banking. Device-Wechsel, Device-Verlust oder Passwort-Reset verursachen heute häufig Helpdesk-Anrufe oder Medienbrüche, etwa durch den Versand eines Aktivierungsbriefs. Da Kunden ihr Mobiltelefon durchschnittlich alle drei Jahre wechseln und ein Helpdesk-Call rund das Fünfzigfache eines digitalen Self-Services kostet, bietet die E-ID hier erhebliches Einsparpotenzial. Sie ermöglicht eine sichere Re-Identifikation und damit durchgängig digitale Self-Service-Prozesse. Daher ist dieser Use-Case für Banken (ebenso wie die KYC-Aktualisierung) finanziell einer der spannendsten. Genau hier versteckt sich ein Einsparpotenzial von bis zu zwei Dritteln der Prozesskosten innerhalb von fünf Jahren.
- KYC-Aktualisierung. Die nach Art. 7 Abs. 1bis GwG vorgeschriebene periodische Aktualisierung der KYC-Daten erfolgt bei vielen Banken noch weitgehend manuell. Die E-ID ermöglicht erstmals einen durchgängig digitalen Prozess und kann die Kosten entsprechend stark reduzieren. Für die Identifikation genügen Name, Vorname und Geburtsdatum, abgeglichen mit den vorhandenen Kundendaten. Der erste Entwurf des FINMA-Rundschreibens sieht grundsätzlich keinen Liveness-Check vor, verlangt jedoch eine Verifikation der Adressdaten. Ist dennoch ein Liveness-Check vorgesehen, kann ohne zusätzlichen Aufwand für den Kunden auch das Lichtbild aus der E-ID genutzt werden.
- Account-to-Account-Zahlungen. Zahlungsaufforderung und Bestätigung liegen als signierte Nachweise vor und sichern die Zahlung ab. Technisch ist das machbar, jedoch fehlt aktuell der Mehrwert für eine breite Umsetzung. Es gibt bereits zu viele etablierte Payment Rails, und der Zusatznutzen für den Endkunden ist zu gering. Der Fall weist Potenzial auf, ist kurzfristig aber weniger relevant.
Michael Doujak begleitete nach dem Abschluss seines Informatikstudiums an der ETH Zürich zahlreiche Projekte: So war er am Aufbau von SwissSign als Herausgeber von qualifizierten Zertifikaten in der Schweiz beteiligt. Auch die Patientendossier-Plattform „MonDossierMedical“ hat er mitgestaltet, ebenso wie die EPD-Infrastruktur der Schweizerischen Post. Sein Fokus als Senior Product Manager bei Airlock (Webseite) liegt auf der Nutzung und dem Einsatz von Self-Sovereign Identities. Insgesamt haben die OBP-Workshops gezeigt, dass sich die Schweizer E-ID besonders für Identifikationsprozesse mit hoher Häufigkeit und hohem Automatisierungspotenzial eignet. Durch die Wiederverwendung derselben E-ID für Kontoeröffnung, Re-Identifikation, Device-Wechsel oder digitale Signaturen entstehen Skaleneffekte. Zudem kann die Benutzererfahrung durch Wiederverwendung derselben E-ID für unterschiedliche Anwendungsfälle stetig verbessert werden.
Sicherheit und Umsetzung
Die Kombination aus Wallet-Technologie und nationaler Vertrauensinfrastruktur reduziert das Betrugsrisiko auf ein Minimum. Banken können kryptografisch prüfen, dass die E-ID staatlich ausgestellt, unverändert, gültig und vom rechtmäßigen Inhaber präsentiert wird. Die Einführung der E-ID erfordert dabei in der Regel keine grundlegenden Architekturänderungen. Banken können bestehende IAM-Systeme um die E-ID erweitern und die Identifikation zentral für verschiedene Anwendungen bereitstellen. Für einen schnellen Einstieg bieten bestehende ID-Verifier eine punktuelle Integration. Langfristig entfaltet die E-ID ihr größtes Potenzial jedoch als Bestandteil einer zentralen IAM-Plattform, über die sich sämtliche digitalen Identitätsprozesse steuern lassen.

Ergon Informatik
Perspektiven der digitalen Identität
Die Entwicklungen in der Schweiz und der EU verfolgen dasselbe Ziel: eine staatlich anerkannte digitale Identität, die sich sicher und datensparsam gegenüber Unternehmen und Behörden einsetzen lässt. Für Banken in der EU gewinnt das Thema zusätzlich an Bedeutung, da sie künftig verpflichtet sein werden, die europäische digitale Identität zu akzeptieren. Technisch sind die Schweizer und europäischen Lösungen weitgehend kompatibel. Die Herausforderung liegt – nach der Akzeptanz in der Bevölkerung – dabei nicht zuletzt in der gegenseitigen rechtlichen Anerkennung der Vertrauensinfrastrukturen. Michael Doujak, Airlock/dk
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