Von 15 auf 2: Deutsche Bank wählt Vault Core als erste neue Kernbank-Plattform für die Privatkundenbank

Deutsche Bank Mario Andreya
Die Wahl der Deutschen Bank fiel auf Vault Core, eine cloudbasierte Kernbankenplattform von Thought Machine (Website).

Vault Core wird das Kernbankensystem für alle Bank- und Kreditprodukte im deutschen Personal Banking. Damit will die Bank ihre fragmentierten Altsysteme ablösen, die Komplexität reduzieren und neue Produkte schneller auf den Markt bringen. Im Personal Banking geht es um Skaleneffekte,
Welche Altsysteme abgelöst werden, sagt die Bank nicht. Eine aktuelle Stellenausschreibung ist konkreter: Gesucht wird ein Lead Engineer für den Bereich Accounts & Deposits, der Migrationen ‚von den SAP-Plattformen hin zu Vault Core‘ mitarbeiten soll. Zum Anwendungsportfolio gehören laut Ausschreibung SAP Deposits Management, SAP BRIM, SAP Hybris und SAP Bank Analyzer sowie das Cobol-System ZVKK (laut einer weiteren Ausschreibung). Der Bereich verantwortet Girokonten, Einlagen und Sparprodukte ‚über alle Marken und Vertriebskanäle hinweg‘. In der Ausschreibung firmiert die Kernbank-Modernisierung unter dem Kürzel PB TOM. Die Bank ersetzt damit Teile der SAP-Plattform und migriert zu Vault Core.

Deutsche Bank
Die Modernisierung unserer Kernbankenlandschaft ist eine der bedeutendsten technologischen Transformationen, die derzeit in der Privatkundenbank umgesetzt werden. Vault Core bietet uns eine moderne, cloud-native Grundlage, die Resilienz, Skalierbarkeit und Flexibilität verbessert. Indem wir die Produktlogik von der zugrunde liegenden Infrastruktur trennen, werden wir Produkte im Laufe der Zeit effizienter entwickeln, anpassen und bereitstellen können und zugleich die Abhängigkeit von fragmentierten Altsystemen schrittweise reduzieren.“
Christian Rhino, CIO Privatkundenbank Deutsche Bank

ITFM
Die Entwicklung laufe bereits. Bis Jahresende sind Tests geplant. Als Systemintegrator hat die Deutsche Bank GFT an Bord geholt. Die Migration folgt danach schrittweise: Ab 2027 wandern die Produkte nacheinander auf die neue Plattform, die Altsysteme laufen so lange parallel weiter. So soll die Umstellung kontrolliert ablaufen, ohne den laufenden Betrieb zu gefährden. Die Partnerschaft mit Thought Machine ist laut dessen CEO Paul Taylor auf zehn Jahre angelegt. Insgesamt will die Privatkundenbank bis Ende 2028 rund 600 Millionen Euro in IT, Betrieb und KI investieren und bis dahin auf eine jährliche Einsparung von rund 300 Millionen Euro kommen.

Deutsche Bank
Mit der Auswahl unserer künftigen Kernbankenplattform setzen wir unsere Strategie nun in die Tat um. Die Modernisierung unserer Kernbankeninfrastruktur wird uns dabei helfen, unsere Technologielandschaft zu vereinfachen, Komplexität zu reduzieren und eine besser skalierbare Grundlage für künftiges Wachstum zu schaffen. Letztlich geht es bei dieser Transformation darum, das Erlebnis für unsere Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeitenden zu verbessern und zugleich das Fundament unseres Geschäfts für die kommenden Jahre zu stärken.“
Yiping Li, Chief Operating Officer der Privatbank der Deutschen Bank
Die Produktlogik entwickelt die Bank selbst, wie sie betont, GFT unterstützt bei der Umsetzung. Wo die Plattform läuft, in welcher Cloud und Region, behält die Bank für sich. Auch wie sie die DORA-Anforderungen an eine Ausstiegsstrategie umsetzt, bleibt intern. Die Vermutung liegt nahe, dass die Deutsche Bank weiterhin Google Cloud (GCP) nutzt.

GFT
Die Modernisierung des Kernbankensystems ist ein grundlegender Schritt bei der technologischen Transformation jeder Bank. Gemeinsam mit der Deutschen Bank und Thought Machine tragen wir zum Aufbau einer modernen, skalierbaren Plattform bei, die Innovation, operative Effizienz und künftiges Wachstum unterstützt. Gleichzeitig schafft dies die technologische Grundlage, um das Potenzial von KI zu nutzen.“
Christopher Ortiz, Mitglied des Group Executive Board und Chief Executive Global Accounts & Offerings bei GFT Technologies
TechTalk: Vault Core?
Technisch unterscheidet sich Vault Core von klassischen Kernbanksystemen vor allem in der Produktlogik: Girokonto, Sparprodukt oder Kredit sind keine fest verdrahteten Module, sondern sogenannte Smart Contracts, in Python geschriebener Code, den die Bank selbst besitzt und ändert. Thought Machine wartet die darunterliegende Plattform (Microservices auf Kubernetes), die Bank ihre Produkte. Kern ist also die Trennung von Produktlogik und Infrastruktur. Thought Machine ist Lieferant für zahlreiche internationale Banken – ein deutscher Kunde war bislang nicht bekannt.

Thought Machine
Mit der Ablösung fragmentierter Altsysteme durch eine moderne Architektur schafft die Deutsche Bank die erforderlichen Echtzeitfähigkeiten, um Abläufe zu vereinfachen, die Zuverlässigkeit der Systeme zu erhöhen und das Kundenerlebnis in großem Maßstab zu verbessern.“
Paul Taylor, CEO und Gründer von Thought Machine
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