Legacy-Systeme sind für 80 Prozent der Banken größte Hürde

Roland Berger
Digitalisierung ist für Banken kein Innovationsthema mehr, sondern ein zentraler Steuerungshebel für Wettbewerbsfähigkeit, operative Leistungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit. Über 90 Prozent der Institute wollen in den kommenden drei Jahren einen deutlich höheren Reifegrad ihrer IT sowie der Digitalisierung von Geschäft und Organisation erreichen. Besonders im Fokus stehen Künstliche Intelligenz, Datenmanagement und IT-gestütztes Kundenmanagement.
KI wird zum wichtigsten Hebel
Mehr als 90 Prozent der Studienteilnehmer sehen Künstliche Intelligenz als das zentrale Zukunftsthema der Branche. Produktive Anwendungen gibt es bereits in Bereichen wie Kundenservice, Risikoanalyse, Betrugserkennung oder Softwareentwicklung. Gleichzeitig dominieren oft noch Pilotprojekte und isolierte Anwendungsfälle. Das größte Potenzial liegt aus Sicht der Studie in der Automatisierung manueller Prozesse, der Dokumentenanalyse, intelligenten Assistenzsystemen und der Optimierung operativer Abläufe. Im Backoffice und in der Dokumentenverarbeitung kann KI den Arbeitsaufwand um bis zu 80 Prozent reduzieren, im Kundenservice sind durch digitale Assistenten Einsparungen von bis zu 30 Prozent möglich.
Fast alle Institute experimentieren intensiv mit KI-Piloten, aber echte Wertschöpfung und breite, tiefe Skalierung – hin zu einem AI Operating System – stehen noch aus. Der Trend geht weg von einzelnen Use-Cases hin zu KI als Betriebssystem der Bank. Das ist die entscheidende Entwicklung.“
Viktoria Danzer, Senior Partner bei Roland Berger
Digital Leader setzen sich ab
Die Studie zeigt eine stark heterogene Bankenlandschaft. 39 Prozent der befragten Institute zählen bereits zu den „Digital Leadern“ mit hohem aktuellem Reifegrad und weiterhin ambitionierten Zielbildern. 23 Prozent gelten als „Ambitionierte Aufsteiger“, weitere 15 Prozent als „Robuste Etablierte“. Ebenfalls 23 Prozent werden als „Transformations-Nachzügler“ mit deutlichen Lücken in zentralen Handlungsfeldern eingeordnet – insbesondere bei Kundenmanagement, Datenmanagement, Prozessautomatisierung und IT-Betriebsmodell.
Der Unterschied zwischen Vorreitern und Nachzüglern liegt dabei weniger im Ambitionsniveau als in der Umsetzungsgeschwindigkeit. Führende Institute verfügen häufiger über moderne Plattformarchitekturen, integrierte Datenlandschaften, produktive KI-Anwendungen und klare Governance-Strukturen. Banken mit geringerer Transformationsgeschwindigkeit riskieren dagegen steigende Kosten, sinkende Flexibilität und wachsende strukturelle Nachteile im Wettbewerb.
Legacy-Systeme bleiben größte Hürde
Mehr als 80 Prozent der Banken nennen Legacy-Systeme als größte Bremse ihrer digitalen Transformation. Mehr als 90 Prozent sehen die Ablösung bestehender Systeme sowie die Migration auf moderne Plattformen als zentrale Aufgabe und zugleich größte technologische Baustelle. Besonders herausfordernd sind hohe Modernisierungskosten, komplexe Systemlandschaften und regulatorische Anforderungen. Zugleich streben mehr als drei Viertel der Befragten in den kommenden drei Jahren einen deutlich höheren Digitalisierungsgrad ihrer Kernsystemlandschaften an.
Auch Datenmanagement wird zur strategischen Kernfähigkeit. Hochwertige, integrierte und möglichst in Echtzeit verfügbare Daten sind die Grundlage für KI-Anwendungen, automatisierte Entscheidungen und personalisierte Kundeninteraktionen. Führende Institute investieren daher gezielt in zentrale Datenplattformen, Data Governance und moderne Datenarchitekturen. Ohne diese Basis bleiben KI und Automatisierung punktuelle Initiativen statt skalierbarer Werttreiber.

Roland Berger
Effizienz- und Kostendruck treiben die nächste Transformationsphase
Drei Viertel der Befragten nennen Effizienzsteigerung und Kostenreduktion als wichtigsten Treiber für „Digital 3.0“. 58 Prozent sehen technologische Innovationen als maßgeblichen Faktor. Gleichzeitig planen viele Banken keine pauschale Kürzung ihrer IT-Ausgaben, sondern gezielte Investitionen in KI, Cloud-Transformation und die Modernisierung bestehender Systeme. Mehr als 60 Prozent wollen bestehende digitale Maßnahmen in den nächsten drei Jahren fortführen oder skalieren.
Mehr Effizienz entsteht nicht dadurch, dass man weniger für IT ausgibt, sondern dadurch, dass die IT leistungsfähiger und schlagkräftiger wird. Banken erwarten von Technologie einen echten Business Impact – sei es durch schnellere Prozesse, geringere operative Komplexität oder höhere Skalierbarkeit.“
Dominik Löber, Senior Partner bei Roland Berger
IT-gestütztes Kundenmanagement zählt zu den strategisch wichtigsten Handlungsfeldern der kommenden Jahre. Mehr als 90 Prozent sehen deutlichen Verbesserungsbedarf bei Vernetzung, Integration und Funktionalität ihrer CRM-Landschaften. Gleichzeitig kann modernes, daten- und KI-gestütztes Kundenmanagement den manuellen Aufwand in Kundendienstzentren um 30 bis 45 Prozent senken. Banken setzen deshalb verstärkt auf digitale Self-Services, integrierte Kundendaten, automatisierte Serviceprozesse und KI-gestützte Personalisierung.
Über die Studie
Für die Studie „Digital 3.0“ hat Roland Berger Interviews mit Vorständen, CIOs sowie Entscheidern aus Fachbereichen, Digital- und IT-Organisationen von Banken und Finanzinstituten im deutschsprachigen Raum geführt. Das Teilnehmerfeld umfasst Universalbanken, Retailbanken, Privatbanken, Spezialbanken und IT-Service-Provider.pp
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/250040


Schreiben Sie einen Kommentar