ANWENDUNG7. Oktober 2026

Finfluencer auf TikTok: 93 Prozent der Trading-Videos potenziell irreführend

Über 90 % der Trading-Tipps auf TikTok sind potenziell „irreführend“
ChatGPT

Über Trading reden, Gewinne zeigen und nebenbei einen Kurs, Broker oder ein Handelssystem verkaufen: Eine Analyse des Broker-Vergleichsportals BrokerChooser zeichnet ein problematisches Bild von Finanzinhalten auf TikTok. 93 Prozent der untersuchten Trading-Videos stuften die Analysten nach ihren Kriterien als potenziell irreführend oder schädlich ein. Besonders auffällig: Nur zwei Prozent enthielten einen angemessenen Risiko- oder Haftungshinweis.

Für die Untersuchung analysierte der Affiliate-orientierte Vergleichsdienst BrokerChooser 100 besonders reichweitenstarke Trading-Videos von Finfluencern auf TikTok. Die Ergebnisse sind daher zwar alles andere als repräsentativ für sämtliche Finanzinhalte auf der Plattform, zeigen aber nachvollziehbare Muster innerhalb der untersuchten Stichprobe. So bewarben 58 Prozent der Videos ein Finanzprodukt oder eine Finanzdienstleistung oder versuchten, diese zu verkaufen. Dazu gehörten beispielsweise Trading-Kurse und Handelssysteme.

Noch deutlicher wird das Missverhältnis zwischen Information und Inszenierung allerdings an einer anderen Stelle: Gerade einmal 15 Prozent der Videos enthielten nach Einschätzung der Analysten tatsächlich substanzielle Informationen zum Trading. In 40 Prozent präsentierten die Urheber dagegen Gewinne oder einen luxuriösen Lebensstil, ohne nachvollziehbar zu erläutern, wie diese Ergebnisse erzielt worden sein sollen. Lediglich jedes zehnte untersuchte Video lieferte hierzu nähere Erklärungen.

Ohne solche Warnhinweise lässt sich selbst gehebeltes Trading als risikoarmer und unkomplizierter Weg zum Gewinn darstellen, ohne dass Volatilität oder die Möglichkeit von Verlusten überhaupt zur Sprache kommen. Das wirft ernsthafte Fragen dazu auf, wie gut Social-Media-Nutzer eigentlich geschützt sind.“

Adam Nasli, Chefanalyst, BrokerChoosers

Die Bafin sieht Social Media inzwischen als Verbraucherrisiko

Dass Finanztipps in sozialen Netzwerken nicht mehr nur ein Randphänomen sind, beschäftigt inzwischen auch die deutsche Finanzaufsicht. Die Bafin zählt in ihrem Bericht „Risiken im Fokus 2026“ Investitionen in Kryptowerte und den Einfluss sozialer Medien auf das Anlageverhalten zu den drei zentralen Verbraucherrisiken. Nach einer Erhebung der Behörde haben mehr als die Hälfte der befragten Anleger zwischen 18 und 45 Jahren bereits Finanzinformationen von Finfluencern erhalten. 60 Prozent betrachten soziale Medien demnach als gute Alternative zu einer professionellen Finanzberatung.

Das Problem für die Aufsicht: Finfluencer bilden keine eigene beaufsichtigte Gruppe wie Banken, Broker oder Finanzdienstleister – und viele von ihnen sitzen eben gar nicht in Deutschland, sondern sind aufgrund anderer Wohnsitze nicht so einfach zu belangen. Je nach Art ihrer Tätigkeit können für sie allerdings sehr wohl aufsichts- und kapitalmarktrechtliche Vorgaben gelten, das gilt etwa bei Anlageempfehlungen, unerlaubten Finanzdienstleistungen oder Marktmanipulation. Die Bafin reagiert zugleich zunehmend auf problematische Angebote, die über soziale Netzwerke und Messenger verbreitet werden. Allein 2025 veröffentlichte sie rund 100 Warnungen vor unseriösen oder betrügerischen Chat-Gruppen, vielfach auf WhatsApp. Für 2026 hat die Behörde zudem angekündigt, den Einfluss sozialer Medien auf Anlageentscheidungen stärker zu beobachten.

Die BrokerChooser-Auswertung zeigt damit vor allem ein strukturelles Problem: Gerade Inhalte, die Trading als schnellen Weg zu Wohlstand präsentieren, können hohe Reichweiten erzielen, während Risikohinweise und nachvollziehbare Informationen fehlen. Beispielsweise bei gehebelten Produkten wie CFDs ist das besonders relevant. Je nach Anbieter verliert ein erheblicher Teil der privaten Anleger beim CFD-Handel Geld – ein Risiko, das in einem wenige Sekunden langen TikTok-Video leicht hinter Bildern von Gewinnen, Autos und Luxusreisen verschwindet.tw

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