Financial Symphony: Sage macht aus Finanzdaten eine Sinfonie

Sage
Dafür arbeitete Sage mit dem auf Datensonifikation spezialisierten Studio Loud Numbers zusammen. Ausgangspunkt waren anonymisierte Buchhaltungs-, Forderungs-, Verbindlichkeits- und Gehaltsdaten aus Großbritannien, den USA, Frankreich und Südafrika. Die Daten wurden über ein mathematisches Regelwerk in die Notationssoftware Sibelius sowie in die Digital Audio Workstation Ableton Live übertragen.
Die erste Ebene der Komposition basiert auf britischen Buchhaltungsdaten vom ersten Quartal 2015 bis zum ersten Quartal 2026. Das Stück läuft mit 52 Beats pro Minute im 4/4-Takt, wobei jeder Takt für ein Finanzquartal steht. Die Länge eines wiederkehrenden Anfangstons bildet die durchschnittliche Dauer von Rechnungszahlungen ab. Längere Zahlungszeiten erzeugen längere Töne, kürzere Zahlungszyklen entsprechend kürzere Noten und schnellere rhythmische Bewegungen. Die Lautstärke des Quartetts orientiert sich wiederum an der durchschnittlichen Rechnungshöhe. Damit dienen die Daten nicht nur als Inspiration, sondern bestimmen unmittelbar musikalische Parameter.
Wir haben Regeln entwickelt, die Veränderungen in den anonymisierten Datensätzen verschiedenen musikalischen Elementen zuordnen. Was man hört, ist daher nicht nur von den Zahlen inspiriert, sondern unmittelbar durch sie geformt.“
Miriam Quick, Mitgründerin, Loud Numbers
Synthesizer reagiert auf Finanztransaktionen
Eine zweite elektronische und perkussive Ebene verarbeitet Daten aus den USA, Frankreich und Südafrika aus dem ersten Quartal 2026. Hochfrequente Synthesizer-Töne werden ausgelöst, sobald ein durchschnittliches US-Unternehmen rechnerisch zehn US-Dollar im Forderungs- oder Verbindlichkeitsbereich verbucht. Weitere Klänge im mittleren und tiefen Frequenzbereich stehen für Gehaltszahlungen französischer und südafrikanischer Unternehmen. Perkussive Klick-, Klopf- und Schlaggeräusche bilden zusätzlich einen datengetriebenen Rhythmus.
Technisch handelt es sich damit um klassische Sonifikation: Zahlen werden nicht in Diagramme oder Dashboards übersetzt, sondern anhand definierter Regeln in akustische Parameter. Veränderungen innerhalb der Daten werden so hörbar. Sage nutzt das Projekt zugleich, um seinen sogenannten „Glass Box“-Ansatz für KI zu illustrieren. Gemeint ist damit, dass Ergebnisse und deren Entstehung nachvollziehbar bleiben sollen. Die Financial Symphony überträgt diesen Gedanken auf die Datenverarbeitung: Für jedes musikalische Ereignis lässt sich auf die zugrundeliegenden Finanzdaten und die dazugehörige Transformationsregel zurückgehen.
Jede Note, jeder Rhythmus und jede Veränderung der Lautstärke geht auf reale Unternehmensdaten zurück. Auch der Weg von den Daten zur Musik ist transparent.“
Aaron Harris, Chief Technology Officer, Sage
Für ein Finanzsoftware-Unternehmen ist ein Streichquartett sicherlich eine ungewöhnliche Form der Datenaufbereitung. Technisch ist das Experiment aber durchaus interessant: Es zeigt anschaulich, wie strukturierte Finanzdaten über ein fest definiertes Mapping in ein vollständig anderes Ausgabemedium überführt werden können.tw
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