Bequemlichkeit bremst digitale Souveränität der Banken

KI, DALL-E
Für die Studie befragte Cofinpro eigenen Angaben zufolge 137 Experten deutscher Finanzdienstleister. Demnach ist der Handlungsdruck groß: 73 Prozent räumen der digitalen Souveränität eine hohe oder sehr hohe Priorität ein, doch nur elf Prozent sehen ihr Institut bereits als weitgehend souverän aufgestellt.
Ein weiteres Ergebnis: Derzeit sehen 68 Prozent der Befragten die größten Abhängigkeiten von einzelnen Technologieanbietern im Bereich der Arbeitsplatz- und Kollaborationsplattformen. Es folgen Cloud-Infrastrukturen mit 49 Prozent und KI-Anwendungen sowie KI-Modelle mit 41 Prozent. Ein Wechsel des Anbieters betreffe somit häufig nicht nur die IT, sondern auch eingespielte Arbeitsabläufe und den Umgang mit Daten.

Cofinpro
Einerseits möchten die Institute ihre Abhängigkeiten verringern. Andererseits scheuen sie die Konsequenzen im Arbeitsalltag. Mehr Souveränität lässt sich aber nicht allein mit zusätzlichen Budgets erreichen. Die Institute müssen auch gewillt sein, gewohnte Anwendungen und Arbeitsweisen anzupassen“
Michael Heck, Director bei Cofinpro
Eine neue Arbeitsplatzplattform sei weit mehr als nur eine Aufgabe für die IT-Abteilung. Solche Anwendungen seien tief in die täglichen Prozesse eingebunden. Selbst wenn eine neue Software alle technischen Anforderungen erfülle und verfügbar sei, müsse sie auch von den Mitarbeitenden akzeptiert werden. „Digitale Souveränität ist deshalb auch eine Frage der Veränderungsbereitschaft, von der Geschäftsleitung bis an jeden Arbeitsplatz”, ergänzt Heck.

Cofinpro
Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei der digitalen Souveränität
Für 69 Prozent der Institute ist digitale Souveränität Teil der Unternehmensstrategie und wird aktiv von der Geschäftsführung vorangetrieben. Doch konkrete Ziele und eine Roadmap gibt es nur bei 51 Prozent. Uneingeschränkt bestätigen dies lediglich acht Prozent. Eine klar definierte zentrale Verantwortung haben nur 17 Prozent der Institute.
Dabei würden Technologien wie Künstliche Intelligenz sowie strengere regulatorische Anforderungen die Banken erheblich unter Druck setzen, so die Studienautoren. Am häufigsten werden demnach generative KI und neue KI-Anwendungen als Einflussfaktoren genannt. Unter den regulatorischen Vorgaben stehe die Verordnung über die digitale operationale Resilienz im Finanzsektor (DORA) an erster Stelle.

VÖB-Service
DORA verlangt von Banken keine vollständige technologische Unabhängigkeit. Entscheidend ist, dass sie die Risiken ihrer Abhängigkeiten kennen und beherrschen. Dazu gehören klare Verantwortlichkeiten, belastbare Ausweichmöglichkeiten und getestete Exit-Strategien. Eine Roadmap allein reicht nicht aus. Die Geschäftsleitung muss sicherstellen, dass das Institut auch beim Ausfall eines wichtigen Dienstleisters handlungsfähig bleibt“
Dr. Stefan Hirschmann, Mitglied der Geschäftsleitung von VÖB-Service
Europäische Anbieter allein sind keine Lösung
63 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Europa seine Unabhängigkeit von internationalen Technologieanbietern deutlich stärken wird. Dass deutsche und europäische Anbieter künftig eine größere Rolle im Finanzsektor spielen werden, glauben jedoch nur 53 Prozent.
Schon heute sehen 30 Prozent fehlende geeignete europäische Alternativen als Hindernis. Dabei rechnen 89 Prozent damit, dass digitale Souveränität zu einem wichtigen Kriterium bei der Auswahl neuer Technologien und Anbieter wird.
Die vollständige Studie können Interessierte hier kostenlos ansehen.dw
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