STRATEGIE22. Oktober 2020

Digitale Währungen, globale Währungen – Keynote von Burkhard Balz (Deutsche Bundesbank) zu CBDC

Burkhard Balz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank und verantwortlich für den Themenbereich Zahlungsverkehr
Deutsche Bundesbank

Am 20. Oktober sprach Burkhard Balz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, die Keynote auf dem chinesisch-europäischen Finanzgipfel. Er erläuterte die Abwägungen der EZB hinsichtlich Vorteilen und Risiken der möglichen Einführung einer CBDC bzw. eines digitalen Euro. Eine deutsche Zusammenfassung seiner englischen Rede.

von Burkhard Balz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank

Die Geschwindigkeit der Innovationen nimmt zu und digitale Zahlungsmöglichkeiten gewinnen an Beliebtheit – sowohl in China als auch in Deutschland. Das chinesische Zahlungsverhalten ist bereits durch den starken Einsatz innovativer mobiler Zahlungsmethoden und die nahtlose Integration in digitale Ökosysteme charakterisiert. COVID-19 hat Entwicklungen zur Digitalisierung auch in Europa beschleunigt.

Mittlerweile konzentrieren sich Zentralbanker auf der ganzen Welt nicht nur auf digitales Zentralbankgeld für die Abrechnung von Finanztransaktionen. Sie arbeiten auch an der möglichen Ausgabe einer digitalen Zentralbankwährung für allgemeine Zwecke.

Das sogenannte CBDC (Central Bank Digital Currency) ist eine elektronische Geldform, die von der Zentralbank ausgegeben wird und auch Einzelpersonen und nichtfinanziellen Unternehmen zur Verfügung steht.“

Der digitale Yuan der People’s Bank of China befindet sich bereits in der Pilottestphase. Im Eurosystem müssen wir einige grundlegende Fragen klären, bevor wir eine Entscheidung zur Ausgabe von CBDC treffen können.

  • Warum – was sind die Anwendungsfälle für CBDC und wer sollte darauf Zugriff haben?
  • Welche Vorteile und Risiken ergeben sich für die Geld- und Finanzstabilität, wenn wir von CBDC für allgemeine Zwecke sprechen?
  • Wie – welches Design erfüllt das Ziel erfüllt und vermeidet oder mindert Risiken?

Diskussion über CBDC für allgemeine Zwecke

Im Januar 2020 etablierte der EZB-Rat eine Arbeitsgruppe, um die gemeinsame Arbeit an CBDC voranzubringen. Am 2. Oktober veröffentlichten wir die ersten Ergebnisse unserer Analysen in einem Bericht.

Die Hauptfrage lautet: unter welchen Bedingungen könnte die Einführung von CBDC oder ein digitaler Euro wünschenswert sein?

Oft wird eine strukturelle Abnahme der Bargeldnachfrage erwähnt. Die Abhängigkeit von privaten Unternehmen für elektronische Zahlungen könnte aber Risiken bergen oder manche Teile der Gesellschaft ausschließen.

Die Ausgabe von CBDC für allgemeine Zwecke würde die Digitalisierung unterstützen. Künftig werden Maschinen oder Geräte völlig automatisch und autonom miteinander interagieren. Daher könnte ein digitaler Euro, der in Echtzeit zwischen zwei Geräten transferiert werden kann, eine Option sein als effizientes und allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel.

Innovative Zahlungslösungen privater Akteure könnten moderne Technologie für Marktanforderungen hinsichtlich Nutzbarkeit, Bequemlichkeit, Geschwindigkeit, Kosteneffizienz und besonders Programmierbarkeit anbieten. Zahlungen sind jedoch eine Netzwerkbranche, was naturgemäß zu einem stark konzentrierten Markt führen kann, was eventuell zu unerwünschten Konsequenzen für die Verbraucher führt.

Solche Entwicklungen würden Innovation fördern, könnten aber auch die finanzielle, ökonomische und letztlich politische Souveränität Europas gefährden – vor allem, wenn solche Lösungen von außerhalb Europas kommen.

Sollten uns diese Entwicklungen zur Einführung von CBDC motivieren? CBDC ist eine von mehreren Optionen.

Wege zur Einführung

Wie könnte ein mögliches CBDC im Euroraum aussehen?

  • Sollte es in gewissem Maße anonym sein wie Bargeld?
  • Sollte es bezahlt werden?
  • Sollte die Nutzung auf bestimmte Zwecke oder Mengen begrenzt sein?
  • Wie kann CBDC im Euro-Raum technisch funktionieren?
  • Können bestehende Zahlungs-Infrastrukturen verwendet werden?
  • Muss CBDC auf DLT basieren?

Gleichzeitig müssen wir auf die Risiken eines digitalen Euros schauen. Einleger könnten etwa ihre Bankguthaben in Verbindlichkeiten der Zentralbank umwandeln. Das könnte zur strukturellen Disintermediation des Bankensenktors führen und folglich die Bereitstellung von Bankkrediten an die Wirtschaft behindern.

Was passiert, wenn in Krisenzeiten Bankguthaben rasch abgezogen und in einen digitalen Euro umgetauscht werden? Ein solcher “digitaler Bank run” könnte zur Destabilisierung des gesamten Finanzsystems führen.

Ein möglicher digitaler Euro sollte hauptsächlich als Zahlungsmittel verwendet werden, aber nicht zur Wertaufbewahrung. Die technische Implementierung von CBDC muss daher gründlich durchdacht und getestet werden.“

Die öffentliche Konsultation zum Bericht will mehr über die Perspektiven von Privatpersonen, Firmen und anderen Beteiligten im Hinblick auf den digitalen Euro erfahren – und diese Perspektiven für eine Entscheidung berücksichtigen: Start, kein Start oder Start später.

Die Deut­sche Bun­des­bank denkt aber auch an alternative Lösungen, um bestehende Schmerzpunkte zu überwinden, die Vorteile der Digitalisierung zu ernten und neue Zahlungssituationen ohne Einführung von CBDC zu unterstützen.“

Ein Weg könnte die Verbesserung konventioneller Zahlungssysteme sein. Daher unterstützen wir den Markt bei der Entwicklung einer gesamteuropäischen Zahlungslösung für Instant Payments.

Wir untersuchen auch die Möglichkeiten zur Verknüpfung blockchain-basierter Lösungen mit herkömmlichen Zahlungssystemen, wo ein Smart Contract eine Zahlung auslöst. Eine solche “Trigger-Lösung” hätte den Vorteil, dass die vorhandene Zahlungsinfrastruktur in einer tokenisierten Wirtschaft genutzt werden könnte, ohne eine CBDC auszugeben. Eine solche Lösung könnte in kurzer Zeit und für verschiedene Zahlungsinfrastrukturen verfügbar gemacht werden.

Fazit

Die Einführung von CBDC ist zuerst eine politische Entscheidung. Deshalb ist eine umfassende konzeptionelle Analyse und Beurteilung von CBDC im Vergleich zu anderen Optionen notwendig – auch hinsichtlich des Einflusses auf die gesamte Gesellschaft.“

Die Tatsache, dass derzeit viele Zentralbanken dieses Thema analysieren, spricht für einen internationalen Dialog und enge Zusammenarbeit. Das ist auch wichtig, um schnelle und grundsätzliche Fortschritte bei internationalen Zahlungen zu erzielen.

Ich denke, es ist im Interesse der Zentralbanken weltweit, dass neue Zahlungssysteme mit potenziell globaler Reichweite nur angeboten werden sollten, wenn sie entsprechend reguliert und überwacht sind.

Die vollständige englische Rede können Sie hier nachlesen.pp

 
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