FINTECH22. Oktober 2026

Finom lässt Claude und ChatGPT ins Geschäftskonto schauen

Ein Finom-Geschäftskonto auf dem Laptop ist über ein verschlossenes MCP-Symbol mit ChatGPT und Claude verbunden; die KI-Dienste erhalten Finanzdaten.
OpenAI KI-generiert

Das E-Geld-Institut Finom hängt seine Geschäftskonten per Model Context Protocol (MCP) an Claude und ChatGPT. Vorerst darf der Assistent nur lesen, Aktionen mit Freigabe durch den Nutzer stehen auf der Roadmap, und die abgefragten Kontodaten verarbeitet der KI-Anbieter des Kunden.

Finom-Kunden könnten ihr Geschäftskonto seit dieser Woche direkt aus Claude oder ChatGPT heraus abfragen. Das niederländische E-Geld-Institut rollt dafür derzeit europaweit Finom MCP aus, eine Anbindung über das offene Model Context Protocol (MCP). Das sei in allen Tarifen ohne Aufpreis enthalten.

Abfragen lassen sich Transaktionen, Wallets, Rechnungen, Karten und Buchhaltungsdaten in natürlicher Sprache, etwa mit „Analysiere alle meine Ausgaben für 2026“ oder „Liste mir die Transaktionen über 500 Euro aus dem letzten Monat auf“. Auf Wunsch liefere der Assistent außerdem morgens ein Briefing über die jüngsten Kontoaktivitäten, sodass der Wechsel in eine andere Anwendung oder in eine Tabelle entfällt.

Zugangsdaten bleiben bei Finom

Eingerichtet wird die Verbindung im Assistenten selbst, bspw. in den Connector-Einstellungen von Claude oder ChatGPT. Von dort geht es auf eine von Finom gehostete Seite, auf der sich der Kunde mit seinem Finom-Login anmeldet und die Freigabe erteilt, ohne dass der KI-Anbieter die Zugangsdaten zu Gesicht bekommt. Der Zugriff bleibt auf die Rolle beschränkt, die der Nutzer im Finom-Konto ohnehin hat, und die Freigabe kann er jederzeit widerrufen.

Ivo Dimitrov, Mitgründer und CAIO von Finom, in schwarzer Jacke vor hellem Hintergrund; er spricht über Sicherheitsgrenzen beim MCP-Zugriff.
Finom

Die entscheidende technische Leistung hierbei ist nicht das KI-Modell, sondern die Sicherheitsgrenzen darum herum“

Ivo Dimitrov, Mitgründer und CAIO Finom

Eine eigene, geschlossene Integration wollte das Unternehmen bewusst nicht bauen, Neuland betritt es mit dem offenen Standard allerdings auch nicht:

Kristjan Kaar, CPO von Finom, lächelt im hellblauen Hemd vor dunklem Hintergrund; er erläutert den Lesezugriff der MCP-Anbindung ohne Schreibrechte.
Finom

Wir tun nicht so, als wären wir die Ersten mit einem öffentlichen MCP-Zugang“

Kristjan Kaar, CPO Finom

Aktionen per Chatbot kommen später

Zum Start ist Finom MCP ein reiner Lesezugriff ohne Schreibrechte. Zahlungen sind damit ebenso ausgeschlossen wie Änderungen am Konto und eine Beratung bietet die Anbindung ausdrücklich nicht. Als Nächstes sollen alltägliche Aktionen folgen, die der Assistent vorbereitet und der Nutzer freigibt, wobei jede Ausführung nach Angaben von Finom eine explizite Bestätigung und sichere Authentifizierung erfordert. Später will Finom weitere Produktbereiche an dieselbe Verbindung anschließen. Termine nennt der Anbieter dafür keine.

Die Antwort schreibt der KI-Anbieter des Kunden

Die Antworten erzeugt der KI-Assistent des Kunden und nicht Finom, weshalb die Finom-App die verbindliche Quelle für Auszüge und Reportings bleibt. Und was über MCP abgerufen wird, verarbeitet der jeweilige KI-Anbieter nach den Bedingungen, die der Kunde mit ihm geschlossen hat.

Finom bietet KMU und Unternehmern neben Geschäftskonten auch Buchhaltung und Rechnungsstellung. Nach eigenen Angaben betreut es über 200.000 Unternehmen mit Schwerpunkt auf fünf europäischen Märkten einschließlich Deutschland. Eine Bank ist Finom übrigens nicht, das Unternehmen ist als E-Geld-Institut von De Nederlandsche Bank zugelassen.aj

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