IT BASICS30. Juli 2021

FinTech Jenji: eine neue Art Ge­schäfts­aus­ga­ben zu verwalten – die technischen Hintergründe

Pierre Queinnec, CEO Jenji
Pierre Queinnec, CEO Jenji Jenji

50% der Unternehmen haben nach März 2020 nur 10 – 15% ihres normalen Buchungs­volumens für Zugfahrten gebucht, Flüge brachen komplett ein. Die Pandemie hat das das Ausgaben- und Spesen­mana­gement drastisch verändert. Doch im Vergleich zu vor der Pandemie geben die untersuchten Unternehmen nur 2% weniger für Spesen aus! Heißt: es ändert sich nur, wofür Unternehmen ihr Geld ausgeben. Für die IT-Ausstattung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Beispiel – die steht nun ganz oben auf der Ausgabenliste. FinTech Jenji will helfen Geschäftsausgaben zu verwalten, von Spesen­abrechnungen bis zu Pauschal­zahlungen. Wir haben mit Pierre Queinnec (Jenji CEO, Website) gesprochen und wollten mehr über Strategie und Technologie des FinTechs wissen.

Herr Queinnec, wer sind denn Ihre Kunden?

Jenji’s technische Lösungen richten sich hauptsächlich an mittelständische Unternehmen, aber auch Freelancer und Großunternehmen zählen zu unseren Kunden. Um den Ansprüchen unserer Kunden gerecht zu werden, gibt es drei verschiedene Modelle: Jenji SOLO als kostenlose Lösung für Freiberufler, Jenji TEAM für kleinere Unternehmen, sowie Jenji ENTERPRISE für Mittelständler und große Unternehmen. Jenji ENTERPRISE ist ein on demand Angebot, das genau auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten wird. Unter anderem ist damit eine automatische Integration von Firmenkreditkarten möglich. Insgesamt setzen 35.000 Kunden aus 30 Ländern auf unsere Lösungen.

Wie entscheidet sich, was als nächstes entwickelt wird?

Wir führen eine Liste mit sämtlichen Ideen, die uns einfallen. Einige sind Verbesserungen oder Variationen bestehender Funktionen, manche sind interne Tools und andere sind brandneue Funktionen, die wir unseren Kunden zur Verfügung stellen wollen. Wir achten darauf, diese Liste aktuell zu halten und priorisieren sie, indem wir den Entwicklungsaufwand und den Kundennutzen abschätzen.

Mit diesem System kann eine gute Idee sehr schnell an die Spitze der Liste gelangen und kurzfristig in die Entwicklung gehen, sobald wir die Zeit dazu haben. Das bedeutet natürlich, dass andere Ideen oder Funktionen ein wenig nach hinten geschoben werden, aber es stellt auch sicher, dass wir nie Zeit mit nutzlosen Dingen verbringen.

Welche Programmiersprachen und Tools verwenden Sie?

Unsere Backends werden mit einem sehr gängigen Java- und SpringBoot-Stack entwickelt und unsere Frontends sind in Vue.js/Typescript geschrieben.“

Wir achten darauf, dass unsere Entwicklungspipeline Best Practices wie obligatorische Code-Reviews, kontinuierliche Integration und mehr berücksichtigt. Außerdem verwalten wir unsere Produktionsumgebung mit einem „Infrastructure-as-Code“-Ansatz.

All das tun wir, um die Robustheit der Anwendung und den Komfort für die Entwickler zu verbessern und die Wartungskosten so weit wie möglich zu reduzieren.

Außerdem werden unsere mobilen Anwendungen mit plattform-nativem Code und Frameworks erstellt. Dies ist unserer Meinung nach die einzige Möglichkeit, wie sich jede Anwendung perfekt in das Betriebssystem integrieren lässt und ein reibungsloses Erlebnis für alle Benutzer bietet.

Pierre Queinnec, CEO Jenji
Pierre Queinnec, CEO Jenji Pierre Queinnec ist CEO von Jenji (Website). Der 40-Jährige kann auf mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Software-Branche zurückblicken: Bevor er Jenji 2014 gemeinsam mit Nicolas Andre gründete, war Queinnec Co-Founder und CTO bei Zenika sowie Mitgründer von Allegoria, einer SaaS-Lösung für Steuerberechnungen. Queinnec hat einen Abschluss als Ingenieur von der École Supérieure des Sciences Informatiques (ESSI) in Sophia Antipolis und von der McGill University in Montréal.
Wie stark setzen Sie dabei auf Automatisierung?

Wir setzen so stark auf Automatisierung, wie es Sinn macht. Es ist die einzige Möglichkeit für ein Unternehmen unserer Größe, mit etablierten (aber stagnierenden) Riesen zu konkurrieren.

Alles, was einen klaren Mehrwert darstellt, wenn es automatisiert wird (Risiko, Zeit, Kundennutzen, etc…), wird automatisiert.“

Diese Kultur der Automatisierung erstreckt sich auch auf das Produkt selbst, wo wir versuchen, unseren Anwendern die Werkzeuge zu geben, um ihre Ausgaben so effizient wie möglich zu verwalten.

Wie werden bei Ihnen die Produkte entwickelt – Wasserfall, Agile, etc.?

Wir verwenden einen undogmatischen Ansatz bei der agilen Entwicklung. Durch das schnelle Wachstum von Jenji haben wir unsere Prozesse viele Male angepasst, um unseren sich ändernden Einschränkungen und Bedürfnissen gerecht zu werden.“

Wir haben immer wieder Ideen, die zu diesem Zeitpunkt für uns sinnvoll waren, übernommen und verwendet. Es ist zwar nicht einfach so vorzugehen und Prozesse immer wieder anzupassen, aber wir halten es für unerlässlich, sie “flüssig” zu halten, wenn wir vermeiden wollen, dass unsere Produktionsgeschwindigkeit drastisch sinkt.

Das ist auch der Grund, warum wir ständig evaluieren und anpassen, wie wir mit allen anderen Teams (ja, sogar mit der Buchhaltung) kommunizieren und arbeiten.

Der Moment, in dem wir als Organisation erstarren, ist der Moment, in dem unser Produkt erstarrt.

Welche Basistechnologien sind im Einsatz? Wie steht es etwa um die Verwendung von KI?

Jenji automatisiert die Verwaltung von Geschäftsausgaben (Restaurant, Reisen, Kilometergeld usw.). Um dies möglich zu machen, setzten wir auf künstliche Intelligenz, genauer gesagt auf ein selbst entwickeltes Tool zur optischen Zeichenerkennung (OCR). Basierend auf Deep-Learning-Techniken kann das Tool wichtige Informationen auf Belegen in nur 4 Sekunden analysieren, extrahieren und ausfüllen.“

Setzen Sie auf Cloud-Lösungen (AWS, Azure & Co.) – und warum?

Unsere Infrastruktur wurde speziell auf und für AWS aufgebaut und bringt drei große Vorteile. Der erste ist die Entwicklungsgeschwindigkeit. Durch die AWS-Managed-Services entfallen viele kostenintensive und geringwertige Aufgaben, wenn wir neue Funktionen entwickeln, was unsere Time-to-Market verkürzt.

Der zweite ist die einfache und kostengünstige Wartung: Wenn AWS von Grund auf richtig konzipiert ist, ist es sehr einfach, leistungsstarke und widerstandsfähige Produktionsumgebungen zu schaffen.

Und drittens stellt AWS dieselben Services rund um den Globus zur Verfügung, was es uns ermöglicht, im asiatisch-pazifischen Raum genau dieselbe Infrastruktur bereitzustellen wie in jeder anderen Region. So können wir unsere Kunden unabhängig vom Ort optimal bedienen. Diese Daten- und Servicetrennung pro Region reduziert die Latenz für die Nutzer und stellt gleichzeitig sicher, dass Datenschutzbestimmungen, wie die GDPR in Europa, eingehalten werden. Eine solche Infrastrukturreplikation ist normalerweise mit sehr hohen Entwicklungs- und Wartungskosten verbunden, aber dank AWS und unserem Infrastructure-as-Code-Ansatz verursacht jede neue Region nur einen sehr geringen Mehraufwand.

Wie garantieren und testen Sie die Sicherheit Ihrer Systeme?

Um die Sicherheit der Plattform zu gewährleisten, wird die erste Ebene durch bewährte Entwicklungspraktiken wie Code-Reviews und automatisierte Tests erreicht.

Darüber hinaus nutzen wir viele AWS-Services, die die Sicherheit der Infrastruktur überprüfen und im Laufe der Zeit überwachen.“

Wir überwachen auch kontinuierlich alle Zugriffe und Änderungen an unseren Systemen, Konfigurationen und Daten.

Und schließlich führen wir regelmäßig Penetrationstests durch unabhängige Sicherheitsexperten durch, um die Anfälligkeit unseres Gesamtsystems für externe Angriffe zu bewerten.“

Gibt es spezifische Hardwareaspekte, die berücksichtigt werden müssen?

Nein, bei der Verwendung von Jenji müssen keine spezifischen Hardwareaspekte berücksichtigt werden. Der Vorteil an unserer Lösung ist, dass sie geräteübergreifend genutzt werden kann, sowohl über das Web als auch als App für Android und iOS.

Welche Schnittstellen hat das System und wie wird es an Kernbanksysteme angebunden?

Unser Entwickler-Team hat spezifische Konnektoren und APIs geschaffen, die eine vollständige Integration von Jenji in das Software-Ökosystem von Unternehmen ermöglichen.“

Jenji kann problemlos mit bestehender ERP-Buchhaltungssoftware, wie zum Beispiel SAP, Sage, Cegid, Odoo, Quadratus etc. verknüpft werden. Auch im Personalbereich gibt es Schnittstellen zu HR-Management Software wie HR Path oder HR Access. Transaktionen von gängigen Firmenkreditkarten wie VISA, mastercard oder American Express können ebenfalls über native Integrationen an Jenji angebunden werden. Auch Reise- und Spesenkosten können nahtlos integriert werden. Bindet man außerdem das eigene CRM an, kann man sich den ROI des Spesenmanagements anzeigen lassen. Produktivitätstools wie Slack können über eine native Integration ebenfalls mit Jenji verknüpft werden. Eine API sorgt für eine Synchronisation aller Daten in Echtzeit.

Wenn Sie ein wenig in die Zukunft sehen – welche Technologie wird sich in fünf Jahren am stärksten auf Ihre Geschäft auswirken – worin werden Sie investieren?

Wir denken, dass der Fokus sich eindeutig immer weiter in Richtung Künstliche Intelligenz verschieben wird. In ein paar Jahren, wird KI die zentrale Technologie für extrem viele Bereiche sein – oder zumindest werden die meisten Entscheidungsträger verstanden haben, dass sie das sein muss.“

Herr Queinnec, vielen Dank für das Interview.aj

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/123088 
 
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von maximal 5)
Loading...

 

(Visited 179 times, 1 visits today)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.