STRATEGIE27. November 2020

Pragmatisch oder planlos? Zufriedene Kunden brauchen die Cloud – und Banken ein wenig mehr Mut

Für die Cloud brauchen Banken etwas mehr Mut - sagt Dr. Ulrich Meyer, Direktor Geschäftsbereich Banken bei GFT
Dr. Ulrich Meyer, Direktor Geschäftsbereich Banken bei GFTGFT

In den letzten Monaten war immer wieder zu lesen, dass Behörden und Unternehmen in Deutschland aufgrund der Corona-Krise dazu gezwungen waren, schnell digital zu werden, ganz pragmatisch, teilweise auch planlos. Pragmatisch ist gut. Planlos nicht. Denn es ist wichtig, ein Ziel zu haben – am besten ein großes: Warum nicht Teil eines digitalen Ökosystems werden? Warum nicht Vorreiter sein beim Einsatz künstlicher Intelligenz, um Kunden ganz neue Erfahrungen zu ermöglichen? Warum nicht das gesamte Unternehmen im Rahmen einer Cloud-Lösung digital transformieren? Gerade für Banken und Finanzinstitute liegen hier enorme Chancen.

von Dr. Ulrich Meyer,
Direktor Geschäftsbereich Banken bei GFT

Es ist wichtig, an dieser Stelle Mut aufzubringen. Mut, die bisherigen Prozesse zu überdenken und teilweise über Bord zu werfen. Mut, die IT-Landschaft grundsätzlich zu verändern. Mut, den Mitarbeitern und Kunden radikal Neues anzubieten. Noch mehr als um Mut geht es aber um vorausschauende Zukunftssicherung.“

Gerade die jüngsten Pandemie-Ereignisse haben gezeigt, wie wichtig entschiedene Digitalisierungsschritte und speziell die Nutzung von Cloud-Angeboten sind. Sie bieten schier unendliche Möglichkeiten – von interaktiven Videokonferenzen über mobile Akquise- und Bestellprozesse bis hin zu ferngesteuerten Fabriken und virtuell bedienbaren Bankkunden. Immer kontaktlos und doch eng vernetzt.

Die Cloud gilt als zentrale Technologie für die digitale Transformation. Denn das Outsourcing von Software in die Cloud hat viele Vorteile: Cloudlösungen können entsprechend der jeweiligen Performanceanforderungen skaliert werden. Unternehmensdaten lassen sich von überall abrufen. Periodische Aufgaben können ausgelagert und automatisiert werden. Die Sicherheit steigt, weil Cloud-Provider im Bankenumfeld eine besonders ausgefeilte Sicherheitsarchitektur vorweisen müssen. Und nicht zu vergessen: Moderne Mikroservices machen den Weg frei für die schnelle Markteinführung innovativer Dienste wie Blockchain-gestütztes Kunden-Onboarding oder intelligente Prozessautomatisierung.

Diese neue Art der Flexibilität ist gerade für kleinere Kreditinstitute attraktiv, die nicht unbedingt über ausreichend Kapital für Investitionen in moderne Computersysteme und große Softwareabteilungen verfügen.

Die Anmietung leistungsfähiger IT-Ressourcen nach dem Pay-per-Use-Prinzip macht den Kauf teurer Server, Datenbanken und Netzwerkinstallationen vor Ort unnötig. Zudem reduziert sich der Aufwand für den Aufbau eigener IT- und Software-Kompetenzen – angesichts des verschärften Fachkräftemangels ein durchaus wichtiger Aspekt.“

Kundendaten und Nutzungsverhalten verstehen

Ein Umzug in die Cloud bietet Unternehmen zudem die Chance, Prozesse und Services auf Kundenebene neu zu denken, Kundendaten besser zu erfassen und somit auf veränderte Nutzungsverhalten innovativ zu reagieren. Gerade datenintensive Anwendungen wie Videoberatung und Augmented Reality profitieren von den Möglichkeiten innerhalb der Cloud. Echtzeit-Videochats mit einem Bankberater inklusive eingebetteter Simulationen zu den persönlichen Finanzen rücken in greifbare Nähe. Die Kombination mit Künstlicher Intelligenz ebnet den Weg für komplett personalisierte Bankdienstleistungen wie beispielsweise individualisierte KI-basierte Anlagepläne, die mit echten Transaktionsdaten gefüttert werden. Ziel solcher Maßnahmen ist stets, die Beziehung zwischen Bank und Kunden zu verbessern, indem neue Dienstleistungen oder Interaktionswege besonders zufriedenstellende Erfahrungen bringen.

Autor Autor Dr. Ulrich Meyer, Direktor Geschäftsbereich Banken bei GFT
Nach seinem Studium der Physik, Mathematik und Philosophie arbeitete Dr. Ulrich Meyer in diversen Positionen innerhalb der Finanzbranche. Sein Know-how basiert auf über 20 Jahren Erfahrung in der Beratung von Finanzdienstleistern. So war er unter anderem für entory / NTT DATA und Steria Mummert Consulting tätig, davon vier Jahr als Bereichsvorstand Financial Services. Seit September 2017 verstärkt Meyer das Team der GFT Technologies SE in Deutschland und leitet als Direktor den Geschäftsbereich Banken.
Auf der Suche nach mehr Kundennähe, Effizienz und Agilität und führt folglich kaum ein Weg an der Verlagerung von IT-Ressourcen ins Internet vorbei. Auch moderne Businessideen, die auf Kooperationen oder gar digitale Ökosysteme angewiesen sind, funktionieren nur, wenn schneller, unkomplizierter Datenaustausch möglich ist. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers* unter 100 IT-Experten in deutschen Geldinstituten lässt jedoch aufhorchen:

Derzeit arbeiten lediglich 53 Prozent der Finanzhäuser mit Cloudlösungen. Immerhin 30 Prozent planen den Einsatz für die nahe Zukunft.“

Viele Finanzhäuser würden gern digital vorankommen, fürchten aber die großen damit verbundenen Veränderungen. Nur allzu häufig kämpfen sie noch mit grundlegenden Problemen wie veralteten Legacy-Systemen, die ihnen die Sicht auf neue Möglichkeiten versperren. Dabei gibt es greifbare Lösungen wie das Mainframe-Rehosting: Eine Überführung in die Cloud macht die Kernapplikationen effizienter und die Entwicklungsprozesse agiler. So kann die Cloud gerade für Kreditinstitute mit besonderem Handlungsbedarf mit der richtigen Vorbereitung zum Transformations-Booster werden.

Mehrere Phasen bis zum Ziel

Doch eine Migration in die Cloud ist ein hochkomplexer Prozess. Wie lässt er sich untergliedern? Was ist wann wichtig? Welche Optionen gibt es? Typischerweise beginnt der Prozess mit der Definition der Ziele innerhalb eines Assessments und der Wahl des Cloud-Modells. Hierbei werden die Motivation und die Anforderungen des Unternehmens genau formuliert: Kostendruck reduzieren, unnötige Engpässe von Rechnerkapazitäten vermeiden, mehr Agilität möglich machen, Komplexität reduzieren oder schlicht das Rechenzentrum aufgrund fehlender Kompetenz verlagern – all das können mögliche Gründe für eine Transformation sein. Gleichzeitig sollten Unternehmen gründlich darüber nachdenken, welche Cloud-Modelle zu ihren Zielen passen.

Der am häufigsten gewählte Ansatz, um einen Einstieg in die Cloud zu wagen, findet über die Einführung einer Private Cloud statt. Hierbei wird die Cloud entweder auf Server im Unternehmen selbst („On-Premise“) oder auf separat zugewiesene Server eines externen Dienstleisters verlagert.“

Im Gegensatz dazu gehört bei einer Public Cloud die IT-Infrastruktur einem ausgelagerten Cloud-Service-Anbieter. Services wie beispielsweise Office-Applikationen, CRM-Systeme oder Serverkapazitäten sind über das Internet zugänglich und stehen einer Vielzahl von Anwendern zur Verfügung. Durch die virtualisierte Infrastruktur fällt der interne Wartungsaufwand weg. Auch Kombinationen der beiden Lösungen, so genannte Hybrid Clouds, sind möglich.

Im Anschluss folgt die Analyse der bestehenden Systeme: Experten nehmen die vorhandene IT-Architektur genau unter die Lupe, um die Applikationen nach ihrer Technologie, ihren Organisationseinheiten und ihrer Stellung innerhalb der Geschäftsprozesse zu clustern. Die Analyse gibt Aufschluss darüber, welche Applikationen welche Geschäftsbereiche und Prozesse des Unternehmens abdecken. Gleichzeitig werden die vorhandenen IT-Anwendungen detailliert dokumentiert. Unabhängige IT- und Software-Dienstleister wie die GFT Technologies SE haben dafür in der Regel ausgeklügelte und bewährte Vorgehensweisen. GFT beispielsweise setzt auf ein „Landing Zones Prinzip“, einen modularen Ansatz zum Aufbau einer Cloud-Umgebung. Dazu gehört auch die Implementierung von Automatisierungslösungen zum Aufbau der Infrastruktur, um Stabilität, Schnelligkeit und Sicherheit zu gewährleisten.

Verschiedene Migrationsformen möglich

In der anschließenden Designphase geht es um die Definition des Migrationsprozesses. Erkenntnisse aus der Analyse fließen in eine Roadmap ein. Im Rahmen eines Pilots werden anschließend exemplarisch eine oder mehrere Anwendungen testweise in die Cloud überführt, um zu verifizieren, dass die Strategie aus der Analysephase funktioniert. Ein erfolgreicher Pilot legt den Grundstein für das weitere Vorgehen. Typische Formen der Migration sind:

1. Re-Hosting: Beim Re-Hosting werden physische oder virtuelle Server in eine Cloud-Umgebung, die auf einem Infrastructure-as-a-Service (IaaS) Modell basiert, verschoben. Der Hauptvorteil besteht darin, dass die zu migrierend Anwendung ohne große Änderungen an ihrer Architektur überführt werden kann. Für „Cloud-Einsteiger“ ist dies der geläufigste und unkomplizierteste Ansatz.

2. Re-Platform: Hierbei werden kleinere Modifikationen an der Anwendung vorgenommen, um diese für den Einsatz in der Cloud zu optimieren. Auf tiefgreifende Veränderungen in der Architektur wird verzichtet. Ein Beispiel ist die Umstellung der Anwendung auf eine vollständig verwaltete Persistenz-Plattform, wodurch der Aufwand für das Verwalten dedizierter Datenbankinstanzen eliminiert wird.

3. Re-Tire: Sollte die Analysephase zeigen, dass bestimmte Anwendungen nicht mehr benötigt werden oder eine Migration in die Cloud zu aufwändig ist, so ist auch deren Deaktivierung eine zu berücksichtigende Option. Die so freigegebenen Ressourcen lassen sich dann besser in die Weiterentwicklung anderer Prozesse investieren.

4. Re-Architecting: Beim Re-Architecting oder Refactoring handelt es sich um die aufwändigste und kostenintensivste Migrationsart. Hier wird in die Kernarchitektur einer Anwendung eingegriffen, um diese gezielt für den Betrieb in einer Cloud zu optimieren.

Cloud erhöht die Sicherheit

Eine weitere, sehr grundlegende Frage stellt sich ganz unabhängig von der Migrationsform: Wohin wird migriert? Soll es einer der ganz großen Cloud-Anbieter sein? Oder eine europäische oder deutsche Alternative wie etwa PlusServer? Hilfreich kann hier die Zusammenarbeit mit einem unabhängigen Partner sein. GFT beispielsweise verfolgt einen Multi-Vendor-Ansatz, mit dem das Unternehmen sicherstellen will, stets den geeignetsten Cloud-Provider für die jeweiligen Bedürfnisse zu finden. Das Thema Sicherheit hat dabei klare Priorität, denn in der Finanzbranche sind die Anforderungen an Sicherheit, Compliance und Datenschutz besonders hoch.

Cloud-Provider, die im Banken- und Finanzumfeld aktiv sind, müssen eine transparente Sicherheitsarchitektur nachweisen, die alle maßgeblichen regulatorischen und datenschutzrechtlichen Vorgaben erfüllt. Die Servicedienste seriöser Provider werden über ein Netzwerk hochsicherer Datacenter gehostet, die hardware- und softwareseitig immer auf dem aktuellen Stand sind – inklusive der entsprechenden Wartungs- und Sicherheitsupdates. Darüber hinaus müssen Sicherheitsvorgaben wie hochverfügbare Security-Gateways oder automatisierte Ausfallsicherungen erfüllt werden. Das Thema Sicherheit als Argument gegen eine Cloud-Migration anzuführen, verfängt also nicht. Ein System in der Cloud ist mit ziemlich großer Sicherheit um ein Vielfaches sicherer als die Lösung, alle Daten im unternehmensinternen Rechenzentrum zu hosten und zu verarbeiten.Dr. Ulrich Meyer, GFT

 
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